Drei Tote und drei Schwerverletzte bei Unfall auf der A 1

Todesfahrer erhält ein Jahr auf Bewährung

Bei dem Unfall wurden die Autos schwer beschädigt. - Foto: jb

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Ein Jahr, nachdem er mit seinem Lastwagen nahezu ungebremst auf ein Stauende auf der A 1 bei Wildeshausen aufgefahren war und drei Menschen getötet sowie drei schwer verletzt hatte, musste sich der Unfallverursacher am Dienstag vor dem Amtsgericht Wildeshausen verantworten.

Er wurde wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu einer auf drei Jahres ausgesetzten Bewährungsstrafe von einem Jahr, einem Monat Fahrverbot und einem Schmerzensgeld von 15.000 Euro verurteilt. Die Ursache für den Zusammenstoß blieb jedoch unklar.

Er könne sich nicht erinnern, was vor dem Unfall passiert sei, sagte der 52-jährige Berufskraftfahrer aus Dortmund. Das gefiel dem Staatsanwalt, der sogar 18 Monate Haft und dabei keine Bewährung gefordert hatte, allerdings gar nicht. Er wollte den Mann ins Gefängnis schicken, weil dieser einen 40- bis 50-sekündigen Blindflug hingelegt habe. „Alle anderen haben das Stauende bemerkt. Warum der Angeklagte nicht?“, fragte der Jurist.

Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass die Fahrzeuge hinter dem Lkw bereits einige Hundert Meter vor der späteren Unfallstelle ihre Warnblinker eingeschaltet hatten. Das traf auch auf den Wagen am Stauende zu.

Dortmunder soll Schlangenlinien gefahren haben

Von einer Reaktion des 52-jährigen Dortmunders das nahende Stauende berichtete allerdings niemand. Er soll sogar Schlangenlinien gefahren sein. „Nimmt nicht jemand, der sich so verhält, billigend in Kauf, dass jemand verletzt wird?“, so der Ankläger, der ein Augenblicksversagen – also für ein, zwei Sekunden abgelenkt zu sein – ausschloss.

Der Verteidiger, der eine Bewährungsstrafe von acht Monaten beantragte, sah die Sache naturgemäß anders. Der Angeklagte könne keine Erklärung für die Zeit kurz vor dem Zusammenstoß geben, weil Menschen keine Erinnerung an eine „ganz normale Fahrsituation“ hätten. „Das Anormale setzt erst kurz vor dem Unfall ein“, betonte der Anwalt. Sein Mandat habe immer zu dem Vorfall gestanden und „eben nicht nach Entschuldigungsgründen gesucht“. Warum der 52-Jährige nicht bremste, konnte der Verteidiger allerdings auch nicht erklären.

Die Richterin bemängelte eine „schwere Pflichtverletzung“ bei dem Lkw-Fahrer. „Wie kann es sein, dass es keine echte Reaktion über einen längeren Zeitraum gab?“, fragte sie in ihrer Urteilsbegründung. „Irgendetwas muss Sie abgelenkt haben, und das darf nicht sein, wenn man mit einem solchen Gefährt unterwegs ist“, las sie dem Mann die Leviten. An einen Sekundenschlaf oder ein Augenblicksversagen mochte sie nicht so recht glauben.

Das Urteil könne nicht alles an Leid und Trauer umfassen, was den Opfern widerfahren sei, richtete sie sich an die Angehörigen. Die 15.000 Euro fließen zu gleichen Teilen an die drei noch lebenden Unfallopfer.

Schwerer Unfall am 24. April

Bei dem Unfall am 24. April 2015 war der Angeklagte zwischen den Anschlussstellen Wildeshausen-West und -Nord in Richtung Bremen unterwegs gewesen. Gegen 10.30 Uhr war er auf einen VW Touran aufgefahren, der am Stauende stand. Dessen 62-jähriger Fahrer starb, seine heute 63-jährige Witwe, die als Nebenklägerin an dem Verfahren teilnahm, überlebte schwer verletzt.

Anschließend prallte der Lkw noch auf den vor dem Touran stehenden Ford Kuga. Dessen 63-jähriger Fahrer und die 83-jährige Beifahrerin starben. Eine damals 58-jährige Frau und ein 83-Jähriger auf der Rückbank wurden schwer verletzt. Die Insassen beider Fahrzeuge wollten zusammen zu einer Konfirmation nach Travemünde (Schleswig-Holstein). Alle kamen aus dem Osnabrücker Raum.

„Ich weiß nur noch, dass mein Mann in den Seitenspiegel schaute und sagte: ,Oh, Scheiße‘“, berichtete die 63-jährige Witwe vor Gericht von ihrer letzten Erinnerung vor der Kollision. Als sie nach dem Unfall im Wagen wieder zu sich kam, sei ihr Mann bereits tot gewesen.

Lesen Sie auch:

 Drei Tote nach Horrorcrash auf der A1

Mehr zum Thema:

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

Meistgelesene Artikel

Mit dem Reisebus knapp an Unglück vorbeigeschrammt

Mit dem Reisebus knapp an Unglück vorbeigeschrammt

Aldi rechnet mit Neubau an der Harpstedter Straße in 2018

Aldi rechnet mit Neubau an der Harpstedter Straße in 2018

Walter Dellwisch: „Haare schneiden und rasieren auf eigene Gefahr“

Walter Dellwisch: „Haare schneiden und rasieren auf eigene Gefahr“

Erster Spargel Ende März: „Das gab’s bei uns noch nie“

Erster Spargel Ende März: „Das gab’s bei uns noch nie“

Kommentare