Tierschutzverein Delmenhorst kümmert sich seit einem halben Jahr um Wildeshauser Fundtiere

Tierschützer berichten über Fundtiere in Wildeshausen

Viele Weihnachtsgeschenke hat der Tierschutzverein Delmenhorst in diesem Jahr bekommen. Darüber freuen sich Spender Jörn Klasen, Hofleiterin Nadine Scheuer (links) mit Hund „Paul“ und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Sabine Breithaupt.
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Viele Weihnachtsgeschenke hat der Tierschutzverein Delmenhorst in diesem Jahr bekommen. Darüber freuen sich Spender Jörn Klasen, Hofleiterin Nadine Scheuer (links) mit Hund „Paul“ und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Sabine Breithaupt.

Seit einem halben Jahr werden Fundtiere aus Wildeshausen vom Tierschutzverein Delmenhorst betreut. Dessen Sprecherin, Ulrike Büthe, schildert ihre Erfahrungen.

Wildeshausen/Delmenhorst – Wie grausam, aber auch wie gütig Menschen sein können, erfahren die Helfer des Tierschutzvereins Delmenhorst immer wieder. Seit dem 1. Juli kümmern sie sich auch um die Fundtiere aus Wildeshausen. 20 Katzen und drei Hunde aus der Kreisstadt wurden oder werden auf dem Hof vor den Toren Delmenhorsts betreut. Ein Schaf ist nicht darunter, obwohl die Tierschützer sich redlich bemüht haben, es einzufangen. „Es hat sich den Namen ,Rennschaf‘ verdient“, sagt Ulrike Büthe, Pressesprecherin des Vereins, mit einem Lächeln in einem Rückblick auf die bisherige Tätigkeit.

Das Schaf war im Bereich Aumühle immer wieder von Anwohnern gesichtet worden, die dem Tier Wasser hinstellten und den Verein anriefen. Aber auch zu viert sei es nicht möglich gewesen, das offenbar entlaufene Schaf einzufangen, berichtet Büthe. Letztendlich sei es dann zum Glück gelungen, den Eigentümer ausfindig zu machen. „Das Tier lief in einem Waldstück, an dem eine Bundesstraße lag“, weist Büthe auf die Gefahren hin.

„Viel Grütze im Gesetz“

Hin und wieder wird davon abgeraten, offenbar entlaufenen Haustieren Wasser oder Futter hinzustellen, weil man sich damit, rechtlich gesehen, eine gewisse Verantwortung auflädt. „Vom Gesetz her ist es so, dass man das Tier übernimmt, wenn man es füttert. Aber im Gesetz steht auch viel Grütze“, sagt Büthe. Die Tierschützer aus Delmenhorst würden auch helfen, wenn schon jemand Wasser oder Nahrung bereitgestellt hat.

So auch in einem anderen Fall, der sich ebenfalls in Wildeshausen ereignete: Einem älteren Herrn fiel eine Katze mit sechs Jungtieren auf, die Hilfe brauchte. Er lockte die Tiere in sein Haus und rief die Delmenhorster an. „Als wir kamen, hatten die Katzen schon das Wohnzimmer beschlagnahmt und sich in der Federung des Sofas versteckt“, berichtet Büthe. Der Wildeshauser habe bereitwillig zugestimmt, die Couch aufzuschneiden, weil es der einzige Weg gewesen sei, zu den Katzen zu gelangen, und dann auch noch Geld an den Verein gespendet. „Dann weiß man auch, warum man Tierschützer geworden ist“, freut sie sich über das Engagement dieses Bürgers.

Katzen zum Sterben ausgesetzt

Aber es gibt auch die anderen Situationen. Im Delmenhorster Gebiet seien Katzen „in einem Karton zum Sterben ausgesetzt worden“, ärgert sich Büthe. Die Überlebenschance sei sehr gering gewesen, aber zufällig habe ein Spaziergänger die Tiere bemerkt. „Da sieht man, wie grausam Menschen sein können“, sagt die Sprecherin des Tierschutzvereins. In Wildeshausen seien im Herbst übrigens auffällig viele junge Katzen, nur ein paar Wochen alt, ausgesetzt worden. Und das ohne engeren zeitlichen oder räumlichen Zusammenhang. Das sei deswegen ungewöhnlich, weil die Katzen normalerweise im Mai ihren Nachwuchs bekommen würden und nicht erst im Herbst.

So junge Tiere brauchen besonders viel Aufmerksamkeit. Deswegen hat Mitarbeiterin Lena Hollmann vier Kitten von Hand aufgezogen. „Da ist sie nachts alle drei Stunden aufgestanden, um die Kleinen mit der Flasche zu füttern“, freut sich Büthe über den Einsatz dieser und vieler anderer Mitstreiter.

Jungtiere mit der Hand aufgezogen

Hin und wieder hilft aber alles nichts, zum Beispiel weil Katzen und Co. schwer krank und dementsprechend kaum vermittelbar sind. „Manche Tiere beenden ihr Leben auf dem Hof“, sagt Büthe. Umso schöner, wenn es dann doch einmal anders kommt, so wie im Fall von „Bob, der Streuner“. Auf diesen Namen tauften die Engagierten den Kater, der völlig entkräftet bei einem Tierarzt in Wildeshausen abgegeben wurde. Der verwahrloste „Stubentiger“ war nicht nur körperlich sehr angegriffen, sondern auch blind und taub. „Dennoch ist es uns gelungen, ihn zu vermitteln. Jetzt lebt er bei einer Pflegefamilie in Weyhe.“

Hat ein neues Zuhause: „Bob, der Streuner“.

Insgesamt sei das erste Halbjahr, in dem sich die Delmenhorster um die Wildeshauser Fundtiere kümmern, wie erwartet verlaufen, sagt Büthe. Mit der Anzahl der Tiere habe der Verein kein Problem. Und inzwischen gibt es mit Dr. Jasmin Bödeke auch eine Veterinärin in der Kreisstadt, die sich im Notfall um die medizinische Erstversorgung kümmert. „Das ist eine tolle Hilfe für uns“, freut sich Büthe.

Notfallnummer

Wer einen Notfall melden möchte, kann sich unter Telefon 0162/6823168 an die Tierschützer wenden. Für nicht dringliche Anliegen wie etwa die Vermittlung von Tieren ist der Hof unter Telefon 04221/6890150 erreichbar.

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