25 Jahre Suche vergebens

„Aus“ für das Tierheim der Tierschutzgruppe

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Wo kommen die Fundkatzen in Zukunft hin?

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Das „Aus“ für die Tierheim-Pläne der Tierschutzgruppe Wildeshausen (TSGW) in Hanstedt wurde in nicht öffentlichen Verwaltungsausschusssitzungen in Großenkneten und Hatten beschlossen. Beide Gemeinden geben ihre Fundtiere ab kommendem Jahr ins private Tierheim Bergedorf (Gemeinde Ganderkesee). Damit ist der TSGW die finanzielle Grundlage für ein eigenes Domizil entzogen. 25 Jahre Suche waren vergebens.

„Wir haben uns intensiv mit den vorliegenden Angeboten auseinandergesetzt“, berichtete Großenknetens Erster Gemeinderat Klaus Bigalke auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Rahmen der Sitzung habe es „große Anerkennung“ für die bisherige Arbeit der TSGW gegeben. Die Unterbringung von Tieren, insbesondere von Hunden, sei aber bei der TSGW nicht vollständig abgesichert. Da die Gemeinde Planungssicherheit benötige und der Tierheimbetreiber noch ausbauen müsse, um die Großenkneter Katzen und Hunde unterzubringen, sei nun eine endgültige Entscheidung gefallen. „An Investitionen müssen wir uns nicht beteiligen. Der Vertrag ist unbefristet“, so Bigalke, der betonte, dass sich die Gemeinde immer wieder vergeblich für ein kreisweites Tierheim eingesetzt habe. „Das lässt sich aber wohl nicht realisieren“, so seine Erkenntnis.

Nach Auskunft von Christian Pundt, Bürgermeister der Gemeinde Hatten, hatte der Verwaltungsausschuss nicht öffentlich einen Vorvertrag mit Bergedorf abgeschlossen und wenige Tage später erfahren, dass es eine Alternative in Hanstedt gibt. „Das ist total ärgerlich. Die Option hätte ich gerne gehabt“, erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Entscheidung habe jetzt eine „andere Brisanz“, sei aber erst einmal nicht mehr umkehrbar. Das habe auch das Rechnungsprüfungsamt bestägt.

Wie die Fundtierunterbrinung nun in Wildeshausen und Dötlingen weiterläuft, steht noch in den Sternen. In Döltingen haben die Verträge Bestand, in Wildeshausen wurden sie neu ausgeschrieben. Vor wenigen Tagen hatte der Ausschuss für Ordnung, Soziales und Familie in der Kreisstadt empfohlen, der TSGW 40 000 Euro für die Einrichtung eines Tierheims in Hanstedt zukommen zu lassen, wenn ein langfristiger Fundtiervertrag abgeschlossen wird. Wie berichtet, möchten die Tierschützer ein Stallgebäude in Eigenregie mit Hilfe von Sach- und Geldspenden sowie eigenen Mitteln umbauen. In einem Positionspapier heißt es jedoch: „Der Betrieb der Anlage wäre allerdings nur möglich, wenn die Einnahmen aus Fundtierverträgen der Stadt Wildeshausen, der Gemeinde Großenkneten und der Gemeinde Dötlingen langfristig gesichert wären.“

Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen. Zu der Frage, ob eine „kleine Lösung“ mit Fundtieren aus Dötlingen und Wildeshausen denkbar wäre, gibt es kein Statement der Tierschützer, die sich über die neue Situation erst einmal beraten müssen. Denkbar wäre es nun, dass bald alle Katzen und Hunde nach Bergedorf gebracht werden. Dafür müsste der dortige Betreiber aber ausbauen. Seine Pläne hat er bereits vorgestellt und dem Vernehmen nach sind die Kredite auch bewilligt.

Die Tierschutzgruppe weist in einem Schreiben an die Stadt Wildeshausen jedoch auf einen weiteren Aspekt hin, der bei einem Vertrag mit einem kommerziellen Betreiber wie in Bergedorf zum Tragen kommen würde: „In Wildeshausen gibt es die Kastrationspflicht. Diese ist bisher von uns im Rahmen der Gemeinnützigkeit überwacht und umgesetzt worden, und nur wenige Problemfälle wurden an das Ordnungsamt herangetragen. Dies wäre nicht mehr gewährleistet, was für die Stadt zu einem bürokratischen Mehraufwand und höheren Kosten führen würde. Im Übrigen sind wir sicher, dass sich dies auch in einem Wiederanstieg der Fundtierzahlen zeigen wird.“

Kommentar von Dierk Rohdenburg

Schäbiges Verhalten der Gemeinden

Die nicht öffentlichen Entscheidungen in Großenkneten und Hatten sind ein Schlag in das Gesicht der Tierschutzgruppe.

Die Angebote für die Fundtierunterbringung sollten zu Recht nicht öffentlich diskutiert werden. Dennoch muss es im Anschluss noch einmal eine öffentliche Debatte darüber geben, wie eine Kommune mit ihren Fundtieren umspringt. Es geht ja nicht nur darum, Tiere möglichst günstig einzuquartieren. Wichtig ist auch, wie die Tiere untergebracht werden, wer in Zukunft bei Nacht und Nebel ausrückt, um wilde Katzen einzufangen und zu kastrieren sowie durchnässte Hunde von der Autobahnraststätte zu holen und zu versorgen. Auch die Frage, wann ein Tierleben noch lebenswert ist, wird möglicherweise anders beantwortet, wenn ein Tierschützer oder ein kommerzieller Betreiber darüber nachdenkt.

Unabhängig davon ist es ein Skandal, dass es in 25 Jahren nicht gelungen ist, ein kreisweites Tierheim zu errichten. Schlimm ist auch, dass in dem Moment, in dem ein kostengünstiges Domizil in Hanstedt gefunden wird, die Gemeinden mit der Begründung abspringen, es gebe keine Planungssicherheit. Gab es die etwa in den vergangenen Jahren? Nein, aber bis jetzt hatte man sich einfach darauf verlassen, dass es die Tierschützer schon richten werden. Ganz schön schäbig!

 

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