Persönlicher Kontakt oft erforderlich

Therapeuten fürchten um ihre Existenz - Praxen weiter geöffnet

Selbstgefertigter Mundschutz: In der Praxis von Silke Rügge nähen die Mitarbeiterinnen selbst Masken. Foto: rügge
+
Selbstgefertigte Mundbedeckung: In der Praxis von Silke Rügge nähen die Mitarbeiterinnen selbst Masken.

Wildeshausen – Ob Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen – unter den Gesundheitsversorgern wächst in diesen Tagen die Verzweiflung. Grund ist, dass wegen der Corona-Krise immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine absagen. Die selbstständigen Praxisinhaber und deren Angestellte bringt das nach eigenen Angaben immer näher an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch in Wildeshausen nicht nur jetzt in der Krise, sondern auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, betonen unter anderem Onno Voß, Inhaber der Physiotherapiepraxis Westerkamp, und Silke Rügge von der Praxis für Ergotherapie, Logopädie und Lerntherapie.

Laut Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV), leiden die Therapeuten seit Jahren unter sehr geringen Vergütungssätzen. „Bei den derzeitigen Umsatzrückgängen um 60 bis 90 Prozent sind die finanziellen Rücklagen dann schnell aufgebraucht, wenn es sie überhaupt gibt“, verdeutlicht Repschläger in einer Mitteilung.

Grund für die Umsatzrückgänge ist unter anderem, dass zahlreiche Patienten aus Angst vor der Corona-Welle ihre Termine absagen. „Viele unserer Patienten gehören zur Risikogruppe und bleiben nun lieber zu Hause. Viele glauben aber auch, dass die Praxen aufgrund der verhängten Kontaktverbote geschlossen sind“, so Rügge. Das sei aber nicht korrekt. Erbringer von Heilmitteln seien systemrelevant. Sie gehörten ausdrücklich zum Kern der Gesundheitsversorgung wie Krankenhäuser, Ärzte und Apotheker auch. Sie dürften und müssten weiterhin Patienten behandeln.

„Wir sind für Sie da“ - trotz Corona-Krise

„Wir sind für Sie da“, erklärt auch Voß. „Das gilt gerade in der Physiotherapie persönlich und nicht nur virtuell oder per Telefon.“ Gegen Telefon und virtuelle Treffen sei zwar in diesen Tagen nichts einzuwenden – ganz im Gegenteil. „Da, wo es sinnvoll und ausführbar ist, sind diese Möglichkeiten äußerst wichtig, um sich und andere zu schützen. Manchmal klappt diese Distanz aber nicht. Da ist ein persönlicher Kontakt notwendig und wesentlich“, so Voß, der beispielsweise Menschen mit einem Lip-/Lymphödem nennt. Hier müsse eine manuelle Lymphdrainage durchgeführt werden, um Linderung zu schaffen. „Aber auch eine normale Physiotherapie ist teilweise notwendig und wird, wie alle Behandlungen, unter Einhaltung der nochmals verschärften Hygienevorgaben der Praxis, und somit der Sicherung des Schutzes unserer Patienten, durchgeführt“, erläutert Voß.

Neben den genannten wirtschaftlichen Aspekten fehlt es den Praxen allerdings derzeit auch an entsprechender Schutzkleidung. „Hier haben wir Abhilfe geschaffen, indem wir mit einigen Kolleginnen und anderen fleißigen Helfern begonnen haben, Mundbedeckungen für unsere Patienten und uns selber zu nähen“, berichtet Rügge. „Die Produktion werden wir in den kommenden Tagen ausdehnen, um Externe, die angefragt haben, mit den Behelfsmasken zu versorgen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Meistgelesene Artikel

81 „Aderlässe“ in Groß Ippener

81 „Aderlässe“ in Groß Ippener

Finanzausschuss tagt im Koems

Finanzausschuss tagt im Koems

Offene Stellen im Ehrenamt

Offene Stellen im Ehrenamt

Hübsches Kleinod an der Kirchstraße

Hübsches Kleinod an der Kirchstraße

Kommentare