55-Jähriger fährt Mercedes ohne Vertrag

Teurer Fahrspaß: Leasingauto unterschlagen

Wildeshausen - Vier Gerichtstermine brauchte es, bis die Richterin am Wildeshauser Amtsgericht das Verfahren wegen Unterschlagung eines geleasten Mercedes gegen einen 55-jährigen Wildeshauser einstellte.

Es war nicht gelungen, die Vertreter der Leasingbank in den Gerichtssaal zu laden, worauf nun ein Ordnungsgeld von 150 Euro gegen den Zeugen aus Berlin verhängt wurde. Gegen den mittellosen Wildeshauser hatte es einen Strafbefehl über 3.000 Euro gegeben, weil er trotz mehrmaliger Aufforderung den im Namen seiner Mutter geleasten Wagen nicht zurückgebracht hatte. Dagegen hatte er Einspruch erhoben, weil er sich von der Leasingbank nicht ausreichend informiert fühlte und seinen Angaben zufolge sogar den Wagen erwerben wollte (wir berichteten mehrmals).

Den Einspruch gegen den Strafbefehl wollte der Verteidiger am Montag nicht zurücknehmen, da damit der Makel einer Verurteilung einhergegangen wäre. Die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 3 000 Euro an den Verein „Brücke“ akzeptierte der Angeklagte widerwillig. 

Er muss nun zusätzlich die Kosten des Verfahrens tragen. Zudem muss er befürchten, dass die Staatsanwaltschaft eine Vermögensabschöpfungsmaßnahme beantragt, was nach neuer Rechtslage erlaubt ist. Hätte der Mann den alten Strafbefehl akzeptiert, wäre er um diese Forderung herumgekommen.

400-PS-Wagen war „Emotionserwerb“

Der Mann hatte – wie bereits berichtet – den hochmotorisierten Wagen mit mehr als 400 PS, den der Händler vor Gericht als „Emotionserwerb“ bezeichnete, vor vier Jahren als Firmenwagen unter Vorlage eines Ausweises seiner Mutter geleast. Im Jahr 2015 war die Frau schwer erkrankt, schließlich wurden Raten nicht bezahlt, und im September 2016 waren 5.813 Euro offen.

Der Vertreter des Kreditinstitutes konnte nicht am Prozess teilnehmen und hatte eine schriftliche Aussage eingereicht. Danach war der offene Betrag trotz mehrmaliger Aufforderung nicht beglichen worden. Diese Aussage hatte dem Gericht aber nicht genügt. Eine weitere Ladung der Zeugen scheiterte am Orkan, der die Reise verhinderte. Zum letzten Termin kam weder eine Absage noch eine Begründung. Es ließ sich auch der entstandene Schaden durch die Unterschlagung nicht ermitteln.

Der Verteidiger hätte sich am liebsten einen Freispruch gewünscht. Er sah keinen gravierenden Verstoß seines Mandanten.

Der Staatsanwalt hingegen war nur unter „großen Bauchschmerzen“ bereit, einer Einstellung zuzustimmen, wobei die Vermögensabschöpfung weiter möglich ist. Mit der jetzigen Beendigung des Prozesses zog die Richterin zunächst einen Schlussstrich. - dr

Rubriklistenbild: © dpa

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