Breitband ab Jahresende

Telekom kündigt ISDN-Anschlüsse in Holzhausen: Zurück zur Wählscheibe?

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Ein neuer Verteilerkasten steht zwar in Holzhausen, schnelles Internet gibt es aber noch nicht. 

Auf die Telekom ist Jürgen Reineberg gerade alles andere als gut zu sprechen. Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Holzhausen weiß von mehreren Fällen, in denen der Bonner Telekommunikationskonzern Haushalten im Dorf den ISDN-Anschluss gekündigt, aber keine angemessene Alternative angeboten hat. Sein Nachbar habe zum Beispiel drei Nummern gehabt: Fax, geschäftlich und privat. Nun könne die Telekom nur noch eine Nummer schalten. Ähnlich sieht es bei Reineberg selbst aus. „Wollen wir zurück zur Wählscheibe?“, fragt er sarkastisch.

Holzhausen - Die Telekom informiert auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie ihre Anschlüsse seit 2015 von ISDN auf eine IP-Plattform umstellt. „Bei einer sehr geringen Anzahl von Kunden können wir aus technischen Gründen nach dem Wechsel nicht dieselbe Leistung anbieten. Die am Anschluss vorhandene Bandbreite ist zu gering für einen Breitbandanschluss und lässt sich nicht über das Mobilfunknetz kompensieren“, teilt eine Sprecherin mit. Wie viele Anschlüsse in Holzhausen betroffen sind, kann sie nicht sagen. Die Probleme würden insbesondere auf Kunden zutreffen, die sehr weit außerhalb von bebauten Ortschaften wohnen und somit auch mehrere Kilometer vom nächsten Verteilerkasten entfernt sind. Die physikalische Dämpfung auf dem Kupferkabel sei über diese Entfernung zu groß und bremse die Datenübertragung zu stark aus. Derzeit sei die Telekom in Gesprächen mit einem Satellitenbetreiber, um betroffenen Kunden einen reibungslosen Wechsel der Anschlusstechnologie zu ermöglichen.

Angesichts der Scherereien mit der Telekom hofft mancher Holzhauser sehnsüchtig auf den Breitbandausbau im Landkreis Oldenburg. Ein neuer Verteilerkasten der Oldenburger EWE steht bereits seit Längerem im Dorf, auch die Rohre und Leitungen sind verlegt worden. Aber schnelles Internet können die Holzhauser trotzdem noch nicht bekommen.

„Der Schaltungsprozess ist äußerst aufwendig, da neben den technischen Vorgaben auch regulatorische Regeln eingehalten werden müssen und kein Kunde bevorzugt werden darf“, teilt EWE auf Nachfrage mit. Vor der Schaltung neuer Kunden müssten auch bestehende Anschlüsse umgeschaltet werden. Dies geschehe in enger Abstimmung mit der Telekom als Eigentümerin der auch weiterhin genutzten sogenannten „letzten Meile“. Zum Hintergrund: Die EWE hat Glasfaser zum Kabelverzweiger gelegt und ihn damit „ertüchtigt“. Von dort aus gehen allerdings nach wie vor die Kupferkabel in die einzelnen Haushalte ab – und die gehören der Telekom. Aktuell stimmt die EWE die genauen Termine für die Umstellung mit dem Bonner Konzern ab. Die Umschaltung soll im September beginnen. Betroffene würden im Vorfeld kontaktiert. „Bis Jahresende werden alle Standorte umgeschaltet sein und auch in Holzhausen DSL-Geschwindigkeiten verfügbar sein“, verspricht die EWE. Licht am Ende des Tunnels also für die Holzhauser, die so vielleicht doch um die Verwendung von Wählscheiben herumkommen.

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