„Teil des Geldes in Form einer Prepaidkarte“

Karsten Poppe mit neuer Geschäftsidee 

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Karsten Poppe möchte mehr Kaufkraft in die Geschäfte bringen.

Wildeshausen - Die Stadt Wildeshausen soll für Unternehmer, Beschäftigte und Besucher attraktiver werden. Daran arbeitet nicht nur das Stadtmarketing. Einen wichtigen Teil dazu beitragen möchte auch Unternehmer Karsten Poppe, mit dem wir gesprochen haben. Auch der Internet-Handel spielt für ihn ein Rolle. Die Fragen stellte Joachim Decker.

Herr Poppe, von der Wirtschaftsförderung der Stadt haben wir erfahren, dass Sie etwas vorhaben, was der Stadt zugute kommt. Ist das richtig? Um was handelt es sich dabei?
Karsten Poppe: Wir beschäftigen uns mit der KPFM FinanzManagement seit einigen Jahren mit dem Thema Benefits (Vorteile) für Mitarbeiter. Gleichzeitig bin ich Inhaber des Textilgeschäftes ,Für Sie- Rock un Blus‘ an der Westerstraße. So kam es, dass Wirtschaftsförderer Claus Marx mich besuchte und wir gemeinsam über Städteförderung philosophiert haben. Dabei ist ein interessantes Konzept entstanden.

Um was geht es genau?
Wir als KPFM beschäftigen uns mit Zusatzleistungen für Mitarbeiter – mit Benefits. Mit einer neuen Gesellschaft, die sich in Gründung befindet – die Benity GmbH – sind wir auch puncto Stadtmarketing unterwegs.

Sind das nicht zwei grundsätzlich völlig verschiedene Märkte?
Stimmt, diese wollen wir in Einklang bringen, weil sie dennoch miteinander verbunden sind. Mitarbeiter suchen ein gutes Umfeld, in dem sie und ihre Familien sicher und gut leben können. Städte wiederum leben von zufriedenen und glücklichen Bewohnern, die über ein gutes Einkommen verfügen. Und Firmen werden getragen durch eine positive und motivierte Belegschaft. Gutes Fachpersonal zu finden und zu halten, wird auf Dauer immer schwieriger. Die Firmen in kleinen und mittleren Städten sehen sich bei der Bewerbung neuer Mittarbeiter immer wieder im Wettbewerb zu größeren und vor allem interessanten Städten. Die Unternehmer fordern von ihrem Standort deshalb ständig mehr Attraktivität.

Und wie sieht das Produkt für Wildeshausen aus?
Wir nutzen eine Gesetzesgrundlage, die es dem Arbeitgeber möglich macht, dem Mitarbeiter ein Teil seines Entgeltes sozialversicherungs- und steuerfrei auszuzahlen. Dieses Geld kann dann nur in Form einer Prepaidkarte und nur in Wildeshausen ausgeben werden. Jeder Unternehmer, der eine EC-Karte als Zahlungsmittel akzeptiert, hat dadurch Vorteile. Dabei profitieren Dienstleister, Händler und Gastronomen gleichermaßen. Die Stadt hat höhere Einnahmen, und es ist mehr los in der City. Gerade auswärtige Arbeitnehmer lernen die Stadt viel besser kennen und vielleicht sogar lieben.

Meinen Sie, dass der Einzelhandel das Internet damit bezwingen kann?
Nein, das Internet wird auch in Zukunft weiter wachsen. Und viele Menschen werden im Internet weiterhin einkaufen, obwohl sie sich wünschen, dass sich ihre Innenstadt belebt zeigt. Als erfolgreicher Einzelhändler kann ich aber auch vom Internethandel lernen. Viele glauben, dass ein Internetshop automatisch zum Erfolg führt. Dabei sind es aus meiner Sicht andere Faktoren. Meiner Meinung nach sollte nicht auf das Produkt geschaut werden, sondern auf die Denkstruktur der führenden Internethändler. Der erfolgreiche Internethändler sorgt dafür, dass er gefunden und positiv über ihn gesprochen wird. Er denkt täglich über sein Netzwerk nach und fragt sich, wie er es schafft, dass seine Kunden, Geschäftspartner und wenn möglich sogar seine Wettbewerber ihn weiterempfehlen. Er bietet seiner Zielgruppe permanent mehr von dem, was sie erwartet. Welchen weiteren Mehrwert kann ich dem Kunden bieten? Diese Frage beschäftigt ihn täglich. Und genau so muss auch der Einzelhändler denken, wenn er überleben will.

Und die Denkweise sehen Sie nicht immer gegeben?
Naja, wenn ein Tourist am Sonnabendnachmittag nach Wildeshausen kommt, möchte er vielleicht gerne Kaffee und Kuchen genießen. Was er hier jedoch vorfindet, sind Eis und Kaffee oder Bier und Gyros. Die Bäcker haben geschlossen. Ich weiß nicht, ob Wildeshausen sich das leisten kann. Insgesamt können wir auch noch einiges mit unseren Verkäufern bewirken. Wer meint, dass er den Kunden erziehen kann, ist falsch im Job.

Und wo setzen Sie ein?
Wir sorgen dafür, dass die Arbeitnehmer zum Einzelhändler, Dienstleister, Handwerker oder Gastronomen finden, da sie ihre Prepaidkarte einlösen wollen. Jetzt hat der Kaufmann die Möglichkeit, sie zu überzeugen. Oder besser noch, zu umgarnen, damit aus ihm ein Stammkunde wird. Zum einen dadurch, dass der Mitarbeiter sein Geld ausgeben möchte, und zum anderen unterstützen wir diese mit einer App, die wir derzeit entwickeln.

Wie weit sind Sie mit Ihrem Konzept?
Wir haben den HGV und die Mittelstandsvereinigung bereits eingebunden. Die Vorstände haben sich für die Einführung ausgesprochen und möchten es als Erweiterung des BeeLocal-Gutscheins nutzen. So kann jede Stadt ihr eigenes individuelles Konzept mitgestalten. Nun heißt es auch, alle zu informieren und auch die mit einzubeziehen, die nicht in HGV oder MIT organisiert sind. Es gibt bald eine Mitteilung der Stadt. Darin werden alle Selbstständigen und Geschäftsführer zur Präsentation für den 31. August in den „Reitersaal“ ein geladen.

Heißt das, dass Sie noch weitere Städte mit Ihrem Konzept bedienen wollen?
Ja, das hat sich so ergeben. Ich denke, wir haben damit den Nerv der Zeit getroffen. Wir sind derzeit mit drei weiteren Städten in Planung. Das Interesse ist hoch. Leider können wir dieses Jahr aber nur zwei Städte bedienen, da unser Softwarepartner für dieses Jahr keine weiteren Ressourcen zur Verfügung hat. Mit Wildeshausen planen wir als erste Stadt im Oktober ans Netz zu gehen.

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