Gut 3 000 Personen weniger mit Lebensmitteln versorgt / Hauptgrund: Schließung im Frühjahr

Tafel büßt wegen Corona viele Kunden ein

Holen Lebensmittel: Die Transporter der Tafel sind oft in Wildeshausen unterwegs. 
archiv
+
Holen Lebensmittel: Die Transporter der Tafel sind oft in Wildeshausen unterwegs. archiv

Wildeshausen – Die Wildeshauser Tafel hat in diesem Jahr deutlich weniger Menschen mit Lebensmitteln versorgt als zuvor. Konkret wurden 2019 noch 16 425 Personen gezählt. 2020 waren es hingegen nur 13 160. „Der Rückgang kommt von der Schließung im Frühjahr“, sagt der Tafel-Vorsitzende Gerd Aring beim Blick auf die Statistik. Der könnte in einem Jahr wesentlich zufriedenstellender für ihn ausfallen, denn die Tafel hat die Bedürftigkeitsgrenzen angehoben.

Erhielt bisher jeder Alleinstehende mit einem Netto-Einkommen von 1 000 Euro Lebensmittel, sind es im neuen Jahr 1 150 Euro. Paare ohne Kinder dürfen über 1 450 Euro, mit einem Kind über 1 850 Euro verfügen. „Wir wollen mehr Kunden gewinnen“, sagt Aring.

Einkommensgrenzen steigen

Dass dieses Jahr deutlich weniger Bedürftige kamen, hängt nicht nur mit dem Lockdown zusammen. Seit dem Ende der ersten Corona-Welle im Frühjahr ist der Hauptstandort auf dem Diakonie-Gelände in Wildeshausen zwar wieder geöffnet. Aber die Außenstelle in Ahlhorn wurde Anfang Oktober geschlossen, weil sich die meistenteils älteren Ehrenamtlichen angesichts steigender Corona-Fallzahlen nicht mehr sicher fühlten. „Die Kunden von dort kommen teilweise nach Wildeshausen“, weiß Aring. Aber trotzdem bleibt offenbar so manch Bedürftiger zu Hause. Und bis auf Weiteres soll der Standort in der Nachbargemeinde nicht wieder öffnen. „Ich habe gerade noch mit Ehrenamtlichen gesprochen. Wir machen erst wieder auf, wenn sie sich damit gut fühlen.“

In Wildeshausen greift derweil offenbar das strenge Hygienekonzept. „Wir haben keinen einzigen Corona-Fall“, freut sich Aring. Die Kunden müssen draußen mit Maske und Abstand zueinander warten. Drinnen wird dann Fieber gemessen, bevor die Ware verteilt wird. Bei der Ausgabe selbst ist dafür gesorgt, dass sich die Ehrenamtlichen und die Kunden nicht zu nahe kommen.

Allerdings musste Aring wegen Corona eines seiner Zukunftsprojekte auf die lange Bank schieben. Wie schon mehrfach berichtet, sind unter den Bedürftigen viele bulgarische Einwohner Wildeshausens und Ahlhorns. Aring suchte den Kontakt zu Kirchengemeinden und Seniorenkreisen, um auch wieder mehr älteren Menschen mit schmaler Rente den Weg zur Tafel zu weisen. „Ich hatte Termine mit allen Gemeinden gemacht, konnte aber nur einen wahrnehmen, in Huntlosen“, sagt Aring, dem der erste Lockdown in die Quere kam. Aber: „Das Ganze ist aufgeschoben, nicht aufgehoben.“ Ob er kommendes Jahr allerdings erneut den Kontakt suchen werde, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Immer noch viele bulgarische Bedürftige

Was er sagen kann, ist, dass sich der Trend aus den vergangenen Jahren fortgesetzt hat. Unter den Neukunden seien immer noch überproportional viele bulgarische Staatsangehörige. Und auch jüngere Menschen würden immer öfter kommen. „Fast nur Alleinerziehende“, sagt Aring. „Die meisten erzählen, dass es sie Überwindung gekostet hat, zu kommen.“ Aber ein Großteil dieser Kundengruppe bliebe dann auch dabei. „Sie sind ja sehr gern gesehen bei uns, weil wir uns besonders freuen, den Kindern helfen zu können.“ Denn die könnten ja am wenigsten für ihre Lage. Neukunden können sich immer mittwochs von 10 bis 11 Uhr registrieren – die Zeit wurde um eine Stunde vorverlegt.

Dass viele Bedürftige in diesem Jahr ferngeblieben sind, merkt der Tafel-Vorsitzende auch beim Blick auf die Finanzen. Zwar zahlen die Abholer jeweils nur einen kleinen Obolus, aber auch der fehlt. Und das bei weiter laufenden Kosten wie zum Beispiel der Miete am Standort in Ahlhorn und höheren Ausgaben für die Hygiene. Das Spendenaufkommen sei hingegen minimal gestiegen, so Aring, der sich bei allen Förderern, die Geld oder Lebensmittel zur Verfügung stellen, bedankt. „Ich will nicht klagen.“

Perspektivisch hält Aring die Augen nach einem neuen Ausgabe-Standort auf. Bekanntlich plant die Himmelsthür, das Zentralgelände im Jahr 2025 aufzugeben. Und damit wäre vermutlich auch die Tafel gezwungen, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Erste Ausgabe

Nachdem die Tafel zwischen Weihnachten und Silvester geschlossen war, öffnet sie wieder am Donnerstag, 7. Januar, von 14 bis 15.45 Uhr auf dem Diakoniegelände in Wildeshausen.

Von Ove Bornholt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Super Bowl: NFL-Star Brady will Geschichte schreiben

Super Bowl: NFL-Star Brady will Geschichte schreiben

Neuer Mode-Stil für das Weiße Haus

Neuer Mode-Stil für das Weiße Haus

Wie werde ich Verfahrensmechaniker/in?

Wie werde ich Verfahrensmechaniker/in?

Russland protestiert: «Putin, hau ab!»

Russland protestiert: «Putin, hau ab!»

Meistgelesene Artikel

17 Gäste in Cloppenburger Sauna: Polizei löst Betrieb auf

17 Gäste in Cloppenburger Sauna: Polizei löst Betrieb auf

17 Gäste in Cloppenburger Sauna: Polizei löst Betrieb auf

Kommentare