Szenarien für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur vorgestellt

Schnelleres Internet kostet den Kreis Millionen

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Hohe Datenraten setzen moderne Technik voraus – und das wiederum bedeutet hohe Investitionen in das Breitbandnetz. Symbolfoto: dpa

Landkreis - Von Karsten Tenbrink. Die Internetversorgung im Landkreis Oldenburg soll besser werden. Die notwendigen Investitionen gehen jedoch in die Millionen. Mögliche Szenarien für einen Ausbau der Breitbandinfrastruktur bekamen die Mitglieder des Strategie-, Wirtschafts- und Zukunftsausschusses nun im Detail vorgestellt.

Eine Variante, nämlich dass der Landkreis eine kommunale Infrastrukturgesellschaft gründet, in Eigenregie ein komplettes Netz baut und sich dafür dann einen Betreiber sucht, ist eigentlich schon wieder vom Tisch. Investitionshöhe und Risiken wären enorm, stellte die Kreisverwaltung schon in der Sitzungsvorlage klar. So sah es auch Kai Seim vom Planungsbüro Seim & Partner, das der Landkreis mit der Strukturplanung beauftragt hatte. „Unter'm Strich sage ich: Lassen Sie die Finger davon“, so Seim.

Folgerichtig konzentrieren sich die Überlegungen nun auf die zweite Variante, die sogenannte Wirtschaftslückenförderung. Dabei wird per Ausschreibung ein Anbieter gesucht, der den Ausbau des vorhandenen Netzes sowie den Betrieb übernimmt. Der Landkreis würde dann nur einen Zuschuss in Höhe der errechneten Wirtschaftlichkeitslücke leisten – also den Betrag zahlen, der nötig ist, um die Investitionen für ein Telekommunikationsunternehmen halbwegs attraktiv zu machen.

Die kleinste Ausbauvariante der vorhandenen Struktur bestünde darin, 97 vorhandene Kabelverzweiger in bestimmten Bereichen zu ertüchtigen, in denen keine NGA-Netze vorhanden sind und voraussichtlich auch in den kommenden drei Jahren nicht aufgebaut würden. NGA steht für „Next Generation Access“ und bezeichnet Netze, die leistungsfähiger sind als die traditionellen Telekommunikationsnetze. Die errechneten Investitionskosten für die Ertüchtigung der Kabelverzweiger belaufen sich auf mehr als 6,6 Millionen Euro. Zusätzliche 1891 Adressen in den „weißen NGA-Flecken“ könnten dadurch mit Datenübertragungsraten von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt werden. Und genau das ist der Geschwindigkeitsstandard, den der Landkreis möglichst flächendeckend in den kommenden Jahren mindestens erreichen möchte. Zusätzlich würden etwa 15000 Haushalte von einer qualitativen Verbesserung der Übertragungsgeschwindikeit profitieren.

Die Versorgungsquote bei den Adressen mit einer Datenrate von 30 Mbit/s und mehr würde durch diese Maßnahme auf knapp 84 Prozent steigen. Ohne die Investition des Landkreises, aber den von den Netzbetreibern bereits angekündigten Ausbau in den kommenden Jahren schon eingerechnet, läge diese Quote bei knapp 80 Prozent. Um einen Wert von mindestens 95 Prozent zu erreichen, müssten darüber hinaus 395 neue Kabelverzweiger und rund 280 Kilometer zusätzliche Glasfasertrassen entstehen. Einschließlich der Kosten für die Ertüchtigung der 97 vorhandenen Schaltschränke ergäben sich dafür Investitionskosten von knapp 24,7 Millionen Euro.

„Das müssen wir erst einmal ganz kräftig sacken lassen“, meinte Heinz-Jürgen Greszik (SPD) in Anbetracht der im Raum stehenden Summen. Allerdings sind bei den errechneten Kosten auch noch zwei Faktoren unberücksichtigt geblieben, die den Preis senken könnten, erklärte Seim. Zum einen gebe es bei der Bauweise und den damit verbundenen Kosten einen gewissen Spielraum, zum anderen seien mögliche Zuschüsse von Bund und Land noch nicht berücksichtigt. „Die Förderkulisse ist im Moment noch etwas nebulös“, so Seim. Hier gelte es abzuwarten, bis die genauen Richtlinien für verschiedene Fördertöpfe feststehen.

In dieser Zeit müsse der Kreis jedoch nicht untätig bleiben. Zum einen wollen Politik und Verwaltung sich über die vorgestellten Modelle beraten, um im Zweifelsfall schnell zu einer Entscheidung kommen zu können. Außerdem wäre neben der Zusammenarbeit mit den Kommunen auch eine Kooperation mit benachbarten Landkreisen sinnvoll: Emsland, Cloppenburg und Ammerland planten nämlich ebenfalls den Weg über die Wirtschaftslückenförderung, erklärte Seim. Und ein gemeinsames Auftreten würde die Position der Landkreise in den Verhandlungen mit Anbietern sicherlich nicht schwächen.

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