„Schokofahrt“ in die Niederlande

Mit süßer Fracht im Anhänger in die Heimat

Der Wildeshauser Martin Bruns (links) mit drei Radlern aus Oldenburg. Das Foto entstand nach der letzten Übernachtung kurz vor der Abfahrt in Rütenbrock im Emsland.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Mit dem Auto fährt der 64-jährige ehemalige Wildeshauser Polizist Martin Bruns schon seit etwa acht Jahren nicht mehr. Er ist auf zwei unmotorisierte Räder umgestiegen und hat jetzt zum wiederholten Mal an der „Schokofahrt“ teilgenommen, die rund 100 Radler aus ganz Deutschland und sogar Österreich nach Amsterdam geführt hat, um dort von einer Manufaktur Schokolade abzuholen.

„Ich liebe das Fahrradfahren und lege im Monat rund 1 000 Kilometer zurück. Ich hatte seinerzeit einen Oldtimer und einfach keine Lust mehr zum Schrauben. So habe ich mich kurzerhand entschlossen, nur noch mit dem Rad zu fahren“, erzählt Bruns einen Tag nach der Rückkehr aus den Niederlanden. Mit drei Radfahrern aus Oldenburg hat er die rund 340 Kilometer nach Hause in drei Tagen zurückgelegt. „Die Hintour bin ich jedoch allein gefahren, da ich noch einen kleinen Urlaub vorgeschoben hatte.“

Diese Tour sei interessant, da die Schokolade völlig emissionsfrei transportiert werde, so der 64-Jährige. Damit spricht er jedoch nicht nur die fertige Leckerei an, von der er in seinem Anhänger rund 30 Kilogramm nach Deutschland gebracht hat: „Schon die Kakaobohnen werden mit dem Segelschiff ,Tres Hombres‘, das in Elsfleth liegt, aus der Dominikanischen Republik nach Amsterdam gebracht. Mit dem Lastenrad werden sie dann zur Manufaktur tranportiert, die verschiedene Schokoladensorten herstellt.“

In Amsterdam seien die Radler von der „Fahrrad-Bürgermeisterin“ Katelijne Boerma begrüßt worden. „Sie hat die Aktion als Spitzeninitiative bezeichnet. Es sei großartig, dass inter-urbane Fahrradverbindungen von Pionierunternehmen wie Schokoladenherstellern geschaffen werden“, erinnert sich Bruns an die Worte der Bürgermeisterin. Zudem habe sie gelobt, dass der Einsatz von Rädern deutlich dazu beitrage, die Städte sauberer zu machen. „Als erstaunlich hat es Boerma bezeichnet, dass die deutschen Städte folgen und sogar Verbindungen in die Niederlande herstellen“, so Bruns. Insgesamt seien 12 000 Tafeln von den Radlern abgeholt worden.

„Bei der Manufaktur handelt es sich um eine traditionelle Bohnen-Riegel-Schokoladenfabrik. Seit 2011 stellt das Unternehmen Rodney und Enver echte Schokolade her. Es ist das einzige niederländische Schokoladenunternehmen, das jedes Glied in der Kette selbst kontrolliert“, betont Bruns. So werde hochwertiger Bio-Kakao zu einem fairen Preis direkt von den Bauern gekauft. „Das Unternehmen nimmt sich viel Zeit für die Arbeit und zeigt zudem im Rahmen von speziellen Projekten, wie Schokolade auch anders und nachhaltig hergestellt werden kann.“ „Erwähnt werden muss auch, dass die komplette Verpackung der Nascherei kompostierbar ist“, erzählt Bruns.

Ein großer Teil der 90-Gramm-Tafeln, die der Wildeshauser transportiert hat, geht nun in den Regio- und Klima-Projektladen „freiraum“ in Harpstedt, wo die Schokolade mit dem wirklich kräftigen Geschmack für 3,90 Euro pro Tafel zu haben ist. Der Schokoladenverkauf erfolgt ab Donnerstag, 25. Oktober (19.30 Uhr), im Rahmen einer Veranstaltung. So wird an diesem Abend zunächst ein Film über die „Schokoladenfahrt“ im Frühjahr 2018 gezeigt. Außerdem berichtet Bruns von der jetzigen Tour. „Natürlich können von den Besuchern auch Fragen gestellt werden“, betont der Wildeshauser, der sich schon auf viele interessante Gespräche freut.

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