Theaterstück knüpft an Cybermobbing unter Wildeshauser Hauptschülern an

Süchtig nach dem Klick

Jules Mutter denkt, ihr Kind spielt noch gerne mit Kuscheltieren. Aber die Teenagerin hat keinen Bock auf den geschenkten Stoff-elefanten. Lieber surft sie den ganzen Tag im Internet.
+
Jules Mutter denkt, ihr Kind spielt noch gerne mit Kuscheltieren. Aber die Teenagerin hat keinen Bock auf den geschenkten Stoff-elefanten. Lieber surft sie den ganzen Tag im Internet.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Als Mama den Stecker zieht, rastet Jule völlig aus. Die Teenagerin brüllt, wirft Möbel durch die Gegend und droht ihrer Mutter: „Ich gehe, wenn du das Internet nicht wieder einschaltest!“ Das gestern in der Hauptschule aufgeführte Theaterstück „Online“ handelt vom Netz und seinen Gefahren. Es hat einen ersten Hintergrund: An der Hauptschule gab es einige Fälle von Cybermobbing.

Laut Schulsozialpädagoge Stefan Fragel hat ein Mädchen ihrem Freund per Smartphone ein Nacktfoto geschickt, das dieser weiter verschickte. „Das Opfer sah sich deswegen mit Mobbing konfrontiert“, so Fragel. Um die Schüler auf das Problem hinzuweisen, brachten er und Polizeioberkommissar Sebastian Nitsch vom Präventionsrat der Stadt in den drei Tagen nach den Osterferien Schilder und Sticker mit nachgeahmten Fotos von Chatverläufen, also von Gesprächen per Computer oder Smartphone übers Internet, in der Schule an. Auch in diesen Unterhaltungen schickte ein Mädchen ihrem Freund ein Nacktfoto, das dieser weiter verschickte. „Die Aktion hat den gewünschten Effekt erzielt. Die Schüler haben über das Thema diskutiert“, meint Fragel.

Das Theaterstück, das vom Förderverein und der Volksbank finanziert wurde, gehört auch zu der Aktion. Jule (Bettina Brezinski) und ihre alleinerziehende Mutter (Stefanie Masnik) ziehen in eine andere Stadt, weil die Mutter einen neuen Job gefunden hat. Die sowieso etwas eigenbrötlerische Teenagerin verfällt in der neuen Umgebung und ohne Freunde nach und nach einem Onlinerollenspiel.

Ihre Mutter investiert viel Zeit in ihre neue Arbeitsstelle „Ich habe nur einen Ein-Jahres-Vertrag und muss mich von meiner besten Seite zeigen.“ Als sie ihren Chef fragt, ob sie kürzer treten könne, wiegelt der nur ab.

Die 15-jährige Jule, später im Stück feiert sie ihren 16. Geburtstag, nutzt die Abwesenheit ihrer Mutter aus, um sich immer tiefer in ihrem Spiel zu verlieren. Sie wäscht sich nicht, geht nicht vor Tür und verliert den Bezug zur Realität.

Als dann ein Brief von der Schule und Rechnungen über Abos, die Jule abgeschlossen hat, kommen, knallt es richtig. „Du vergisst inzwischen ja sogar zu spülen, wenn du auf dem Klo warst!“, wirft die Mutter Jule an den Kopf. Sie droht, ihr den Laptop wegzunehmen und schaltet schließlich das Internet ab.

„Ich hasse dich!“, kreischt das Mädchen. „Ich brauche meinen Laptop“, fleht sie kurz darauf und knetet nervös mit den Fingern. Als die Mutter hart bleibt, nimmt Jule Reißaus, läuft vor ein Auto und landet im Krankenhaus. Das Stück endet damit, dass sie zu ihrem Vater zieht und eine ambulante Therapie anfängt.

Die beiden jungen Berliner Schauspielerinnen des Theaters „Weimarer Kulturexpress“ zeigten das Stück zum ersten Mal gemeinsam in zwei Aufführungen vor insgesamt 275 Schülern. Sie spielten ihre Rollen, trotz kleiner Textunsicherheiten, überzeugend. Ihre Diskussionen und vor allem ihre Art zu reden, erinnerten an die oft emotionalen Gespräche zwischen Eltern und Teenagern, wie es sie überall gibt. Die Schüler klatschten begeistert Beifall und diskutierten im Anschluss mit den beiden über das Internet und seine Gefahren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Fahrradkauf in Zeiten von Corona

Fahrradkauf in Zeiten von Corona

So kaufen Sie Neuwagen online

So kaufen Sie Neuwagen online

Im "Sterngebirge" das alte Portugal entdecken

Im "Sterngebirge" das alte Portugal entdecken

Meistgelesene Artikel

Mehrere Reaktionen auf Fidschi-Bericht

Mehrere Reaktionen auf Fidschi-Bericht

Johanneum rüstet weiter auf

Johanneum rüstet weiter auf

Einkaufshilfe für Harpstedter startet

Einkaufshilfe für Harpstedter startet

Coronakrise ist für Kinder und Jugendliche kein Urlaub

Coronakrise ist für Kinder und Jugendliche kein Urlaub

Kommentare