31-Jähriger wegen versuchter Schutzgelderpressung in Aumühle angeklagt: Freispruch

Streit im Rotlichtmilieu vor Gericht

Aumühle - Kleiner Einblick ins Rotlichtmilieu gefällig? Den bekamen die Beobachter eines Prozesses beim Amtsgericht Wildeshausen, der am Mittwochnachmittag mit einem Freispruch für den 31 Jahre alten Angeklagten aus Colnrade endete

. Ihm war versuchte Schutzgelderpressung in Aumühle vorgeworfen worden. Am Eingang des Amtsgerichts warteten zwei Justizbeamte und eine Sicherheitsschleuse, alle Besucher mussten sich kontrollieren lassen, denn die beiden Parteien, um die es ging, sind sich alles andere als grün.

Zur Sache: Die Freundin des Angeklagten schaffte als Prostituierte in einem Wohnwagen auf dem Parkplatz einer Gaststätte an der Ahlhorner Straße/B 213 im Bereich der Bauerschaft Aumühle an. Der groß gewachsene, muskulöse 31-Jährige, der beruflich Autos ins Ausland exportiert, soll im April dieses Jahres 130 Euro pro Tag von einer konkurrierenden Dirne und deren zwei Chefs gefordert haben. Andernfalls kämen die Rocker, soll er gesagt haben.

Der Angeklagte erinnert sich jedoch anders an den Vorfall. Erst einmal sei es im Vorfeld zu mehreren Beschädigungen am Arbeitsplatz seiner Freundin gekommen. Jemand hätte das Dach kaputtgemacht und die Tür mit Silikon verfüllt. Zudem sei der Wohnwagen mit Fäkalien beschmiert worden.

Konkurrenz auf dem gleichen Parkplatz

Unschöne Zustände, die der Colnrader der Konkurrenz zuschrieb, die erst vor Kurzem auf dem Parkplatz ihren Wohnwagen aufgestellt hatte. „Ich war mir ganz sicher, dass diese Personen die Ursache für die Unannehmlichkeiten sind, und wollte mit ihnen sprechen“, sagte der Angeklagte.

Bei dem Gespräch sei erst nur einer der beiden Chefs zugegen gewesen, mit dem er sich sachlich besprochen habe. „Wir haben ganz normal miteinander gesprochen und sogar Telefonnummern ausgetauscht.“ Dann sei jedoch der zweite Chef dazugekommen, habe herumgebrüllt und angekündigt, „Leute mit Messern zu schicken“, wenn die Freundin des Angeklagten ihre Arbeitsstätte nicht verlagern würde. Deswegen habe er die beiden anderen Männer angezeigt, so der 31-Jährige.

Die waren ihrerseits aber auch bei der Polizei gewesen. Einer der beiden Chefs, ein korpulenter, kleiner 46-jähriger Mann, sagte in dem Verfahren aus. „Ich bitte darum, dass das Gericht dafür sorgt, dass der Angeklagte meine Familie in Ruhe lässt.“ Der Zeuge und der Angeklagte hatten vor dem Verfahren auf verschiedenen Fluren im Amtsgericht gewartet, damit es nicht zu einer Eskalation kommt. Er habe das Gespräch seines Kollegen mit dem Colnrader gesehen und sei dazugekommen, so der 46-Jährige. „Der Angeklagte sagte: ,Das ist meine Straße. Niemand außer mir darf hier arbeiten.‘“ Der 31-Jährige widersprach. Der Zeuge hätte sich „alles ausgedacht, um mich anzuschwärzen“.

Im Anschluss an die beiden Aussagen kam auch ein Polizist zu Wort. Er schilderte, dass es keine Hinweise dafür gäbe, dass der Angeklagte vor oder nach dem Tattag irgendwelche anderen Wohnwagen betreute. Das passte nicht ganz zu der Aussage von wegen „Meine Straße“.

Die Richterin entschied letztendlich auch deswegen auf Freispruch, weil nicht aufzuklären war, wer denn nun die Wahrheit gesagt hatte. bor

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