In der Coronazeit formulieren manche Gläubige ihre Bitten ohne Kontakt

Stilles Gebet

Gebetskreuz auf der Herrlichkeit: Hier können Gläubige ihre Bitten in kleine Rohre stecken.
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Gebetskreuz auf der Herrlichkeit: Hier können Gläubige ihre Bitten in kleine Rohre stecken.

Wildeshausen – „Lieber Papa, bitte werde wieder gesund“ – krakelig von Kinderhand geschrieben. Oder: „Herrgott, bitte lass uns diese schwere Zeit überstehen“ – aus der Feder eines Menschen, der schon viele Jahrzehnte lebt. Das sind Gebete, die sich vor oder in der Wildeshauser Alexanderkirche auf Zetteln geschrieben finden. Im Südquerhaus des Gotteshauses ist das Gebet auf Papier schon seit 14 Jahren möglich, weil damals Walter Stanszus einen Kerzenbaum gespendet hatte. Auf der Herrlichkeit steht seit wenigen Monaten ein „Gebetskreuz“, das Vikarin Franziska Kempcke gefertigt hat und das die „Hoffnungsallee“ vervollständigte.

Beide Gebetsstellen bieten den Gläubigen die Möglichkeit, ohne Kontakt zu anderen Menschen eine Bitte an Gott zu formulieren. „Es gibt Leute, die Angst haben, sich zu infizieren“, berichtet Wiltrud Stanszus, Sprecherin der Kirchengemeinde. „Die kommen ins Südquerhaus, stellen hier eine Kerze auf und kehren zur Besinnung ein.“ Manch ein Gläubiger lasse auch ein auf einem Zettel geschriebenes Gebet zurück und nehme eine Karte mit Psalmen mit, die Stanszus dort ausgelegt hat. „Die Gebete bleiben eine Weile auf dem Altar“, berichtet sie. Später würden sie in einen Korb gelegt. Manchmal komme es vor, dass die anonym verfassten Fürbitten auch im Gottesdienst oder bei einer Andacht vorgelesen werden. „Es sind sehr berührende Texte dabei“, findet Stanszus. „Wir suchen alle erdenklichen Wege, um die Gemeinde in diesen schweren Zeiten zu beteiligen.“

Das gilt auch für die „Hoffnungsallee“, die im Frühjahr entstand, als die Konfirmanden gebeten wurden, Bilder zu malen. Diese wurden mit anderen Motiven an einer Leine auf der Herrlichkeit aufgehängt. Und schließlich kam das Gebetskreuz hinzu.

In einem Kasten befinden sich Papier und Stifte. Wer möchte, kann sein Gebet in eine der Rollen stecken. „Ich schaue gelegentlich vorbei und nehme Zettel mit ins Südquerhaus der Kirche“, berichtet Kempcke. Sie gehe aber davon aus, dass einige Menschen, die auf der Herrlichkeit entlanglaufen, auch nur stehen bleiben und im Stillen ein Gebet sprechen. Sie kann das sehen. Denn seit Anfang 2018 lebt sie mit ihrem Mann Sebastian gleich nebenan an der Kirchstraße und hat mittlerweile mit Mattheo auch einen Sohn.

Die „Hoffnungsallee“ wurde witterungsbedingt entfernt. Sie soll aber zur Adventszeit wieder neu entstehen. Als bunter Tupfer im November- und Dezembergrau. Und als Hoffnungsschimmer für Menschen, die verzagt sind.  dr

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