72-jährige Mitorganisatorin half jahrzehntelang mit, zieht sich aber jetzt zurück

Sternsinger erstmals ohne Karola Müller

Karola Müller mit der Urkunde und einer Sternsinger-Plastik, die sie als Dankeschön für ihr jahrzehntelanges Engagement erhalten hat. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Jahrzehntelang hat sich Karola Müller um die Sternsinger in Wildeshausen gekümmert: Die 72-Jährige hat goldene Kronen gebastelt, bunte Kostüme ausgebessert sowie den Mädchen und Jungen geholfen, wo es nur ging. Doch damit ist Schluss. Dieses Mal stand sie aus gesundheitlichen Gründen nicht im Keller des Waltberthauses, wo die Kostüme gelagert sind, sondern blieb zu Hause – zum ersten Mal seit Mitte der 1980er-Jahre. „Ich mache mir keinen Stress mehr“, sagt die Frau, die als Kind gar nicht bei den Sternsingern mitmachen durfte.

Müller kommt aus Straubing in Niederbayern und landete 1972 der Liebe wegen in Wildeshausen. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter (79) lebt sie seit 40 Jahren am Reepmoorsweg. Und fast genauso lange unterstützt sie die Sternsinger. In ihrer bayerischen Heimat durften früher nur die Jungs Neujahrsgrüße überbringen und wurden dafür mit Süßigkeiten belohnt. Von denen bekam Müller immer nur das, was ihren Brüdern nicht schmeckte. „Mich hat das unwahrscheinlich geärgert, dass ich nicht mit durfte“, meint die Wildeshauserin, die sich in ihrer neuen Heimat in der katholischen Gemeinde engagierte.

Dabei musste Müller feststellen, dass es in der Kreisstadt gar keine Sternsänger gibt. Sie sprach den damaligen Pastor, Heinz Holtmann, an und gewann Mitstreiter. Mit Kindern aus fünf Familien (Bramlage, Heimermann, Quatmann, Lambertz und Niester) fing alles an. Inzwischen sind jedes Jahr mehr als 20 Gruppen unterwegs, die an die Tür klingeln, einen Segensspruch anbringen und um Spenden bitten.

Als die Sternsinger dieses Jahr an der Tür der Müllers standen, hatte die 72-Jährige durchaus ein mulmiges Gefühl. „Das war schon merkwürdig.“ Trotzdem sagt sie: „Es war die richtige Entscheidung aufzuhören, die rechte Zeit. Ich hätte es nicht mehr geschafft.“

Ihr Engagement als Stadtführerin will Müller allerdings fortsetzen. Als Margarethe Lickenberg, die Witwe des im 16. Jahrhundert enthaupteten Wildeshauser Bürgermeisters Jacob Lickenberg, kennen sie viele Wildeshauser. Und das soll auch so bleiben. „Einen Tag Ruhe kann ich auch mal haben. Aber nur den einen Tag, sonst fällt mir die Decke auf den Kopf.“

Spenden sammeln für benachteiligte Kinder

Und einmal war Müller dann ja doch Sternsingerin. Als Küster Manfred Uhl, auch ein Mitstreiter aus den Anfangszeiten, aufhörte, versammelten sich die Wildeshauserin und weitere Sternsinger-Organisatoren vor seiner Tür, um ihm die Neujahrsgrüße zu überbringen.

Dass von Jahr zu Jahr immer wieder Kinder bei der Aktion mitmachen, erklärt sich Müller damit, dass die Teilnehmer Geld für Mädchen und Jungen sammeln, denen es nicht so gut geht. „Sie wissen, wem die Spenden zugutekommen.“ Einmal, so erinnert sich die 72-Jährige, kam es nach dem Aussendungsgottesdienst zu Blitzeis. „Wir Erwachsenen wollten die Aktion um einen Tag verschieben, weil es zu glatt war, aber die Kinder wollten unbedingt los.“ Und so kam es dann auch.

Ebenso unvergesslich: Der Empfang der Wildeshauser Sternsinger im Kanzleramt unter Gerhard Schröder. Müller war zwar nicht mit in Berlin, „aber ich habe die Kinder angekleidet“, sagt sie mit etwas Stolz. So ganz hat sie mit der Aktion auch nicht abgeschlossen. „Wenn es darum geht, einen Turban oder so zu basteln, helfe ich gerne.“ Ganz so einfach ist das Loslassen dann eben doch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Autotest: Taugt der Ford Kuga als modernes Familienauto?

Autotest: Taugt der Ford Kuga als modernes Familienauto?

Fotostrecke: Erstes Werder-Training in der Coronavirus-Krise

Fotostrecke: Erstes Werder-Training in der Coronavirus-Krise

Autos, Bier und Zigarren - Wer "Corona" alles im Namen trägt

Autos, Bier und Zigarren - Wer "Corona" alles im Namen trägt

Auto fahren in Corona-Zeiten

Auto fahren in Corona-Zeiten

Meistgelesene Artikel

Brettorfer Flugzeughersteller Flywhale Aircraft ist zahlungsunfähig

Brettorfer Flugzeughersteller Flywhale Aircraft ist zahlungsunfähig

Förderverein will Senioren-Schwimmkurs organisieren

Förderverein will Senioren-Schwimmkurs organisieren

„Fahrendes Zuhause“ hat Werkstatt in Ostrittrum eingerichtet

„Fahrendes Zuhause“ hat Werkstatt in Ostrittrum eingerichtet

Amtshof arbeitet per E-Mail und Telefon

Amtshof arbeitet per E-Mail und Telefon

Kommentare