Gertraud Kreye findet über die Freiwilligenagentur „mischMIT!“ ein vielseitiges Ehrenamt

Steine schleppen, statt auf dem Sofa liegen

Ehrenamtlich aktiv: Gertraud Kreye.
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Ehrenamtlich aktiv: Gertraud Kreye.

Wildeshausen – Was tut man nicht alles für den Umweltschutz? Zum Beispiel den Hausmüll von mehreren Wochen sammeln und säckeweise auf dem Burgberg in Wildeshausen ausschütten. Wenn sich Gertraud Kreye (64) an diesen Tag erinnert, muss sie lachen, denn die Spaziergänger hätten schon sehr irritiert geguckt. Dabei diente die Aktion eigentlich dem Schutz der Natur.

Kurz nachdem die Plastikpackungen und Co. verteilt waren, rückten eifrige Sammler an. Kreye betreut mit Tamino Büttner und Elke Peters die Naturschutzjugend (Naju) in Wildeshausen, den Nachwuchs des Naturschutzbundes (Nabu). Die Kinder sollten lernen, Müll zu sammeln. Nur leider lag davon nicht genug auf dem Burgberg, der regelmäßig vom städtischen Bauhof gesäubert wird.

„Aber es sollte ja eine Lehrstunde werden“, sagte Kreye, die kurzerhand selbst den Abfall verteilte. Der landete nachher wieder in ihrem Haushalt, wo sie alles noch einmal sortieren musste, denn die Kinder hatten auch Müll gefunden, der dem Bauhof entgangen war. Zuvor hatte die 64-Jährige die Aktion mit der Stadt und der Polizei abgesprochen. Nicht dass die Beamten noch wegen eines möglichen Umweltdelikts ausrücken. Letzteres lag nahe, denn sie ist pensionierte Polizistin, suchte aber nach dem letzten Dienst nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit und landete bei der Freiwilligenagentur „mischMIT!“. Diese hatte für Mittwoch zu einem Pressetermin eingeladen, um Kreyes Arbeit vorzustellen.

Die ehemalige Beamtin kommt aus Döhlen in der Gemeinde Großenkneten. 25 Jahre verrichtete sie als Polizistin ihren Dienst in Wildeshausen, zehn in Delmenhorst. Und im Dezember 2017 hängte sie die Uniform an den Nagel. Erst einmal kümmerte sie sich um ihren großen Garten und las viel. „Aber auf Dauer ist das irgendwie nix“, stellte die 64-Jährige schnell fest. Durch eine Zeitungsmeldung wurde sie auf die Freiwilligenagentur aufmerksam und nahm Kontakt auf. Deren Leiter Thorben Kienert machte ein paar Vorschläge, doch so richtig war für Kreye nichts dabei. Aber im Onlineverzeichnis von „mischMIT!“ stieß sie auf die Naju und war gleich überzeugt.

Das sei ein üblicher Ablauf, so Kienert. „Oft finden potenzielle Ehrenamtliche nicht sofort das Richtige. Wir machen ihnen dann Angebote und lassen das Ganze ein bisschen sacken.“ Es sei wie beim Essen: Auf die Frage, worauf man Hunger hat, herrsche oft Ratlosigkeit. Würden aber ein paar Gerichte vorgeschlagen, falle die Wahl wesentlich leichter. Die Freiwilligenagentur rekrutiert viele engagierte Menschen, die nach dem Ruhestand noch etwas machen wollen. „Das Ehrenamt hat etwas Sinnstiftendes“, betonte Kienert.

Aufgabe nach dem Ruhestand gesucht

„Es ist schon ein großer Einschnitt, wenn einem der Beruf unter den Füßen weggezogen wird“, sagte Kreye. „Ich bin recht ungeduldig und muss einfach irgendetwas machen.“ Die Betreuung der Kinder sei da genau das Richtige. Vor mehr als 20 Jahren hat sie schon mal eine junge Faustballgruppe in Döhlen betreut, war dann aber beruflich ein paar Jahre sehr stark gefordert. Jetzt, nach dem Ruhestand, wollte sie wieder loslegen. „Ich mag die Arbeitseinsätze, ein bisschen in der Erde wühlen und Steine schleppen“, sagte die drahtige 64-Jährige. Die Naju sei auch eine Gemeinschaft und durch ihre Arbeit habe sie viele Kinder, Eltern und Nabu-Mitglieder kennengelernt. Das möchte sie nicht missen. Und dafür verteilt sie auch mal ihren Hausmüll auf dem Burgberg. Es ist ja für die Umwelt.

Kontakt

Die Freiwilligenagentur „mischMIT!“ ist unter der Telefonnummer 04431/74834750 erreichbar. Die Angebote sind auch auf der Internetseite www.mischmit.org einsehbar.

Von Ove Bornholt

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