Wie stehen Banker zur Abschaffung des Bargeldes/„Nicht gesetzlich verfügen“

Bleibt der 500-Euro-Schein?

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Soll der 500-Euro-Schein vom Geldmarkt genommen werden? Oder soll in absehbarer Zeit generell auf Bares verzichtet werden? Die Diskussionen um diese Themen werden immer lauter. Wir haben zwei Banker nach ihrer Meinung befragt.

Frank Ostertag, Vorstandsmitglied der Volksbank Wildeshauser Geest, hält die Abschaffung von Bargeld auf keinen Fall für gut und richtig: „Dabei müssen wir das Zahlungsverhalten in ganz Europa betrachten, das absolut unterschiedlich ist.“ Damit verwies er auf die Tatsache, dass laut Erhebungen zum Beispiel in den Niederlanden 44 Prozent cash und 53 Prozent mit Karten gezahlt werde. In Großbritannien liege das Verhältnis bei 31 zu 56 Prozent: „Schauen wir uns aber Deutschland an, so stellen wir fest, dass hier noch zu 79 Prozent bar und nur zu zwölf Prozent mit Karten gezahlt wird.“ Noch gravierender sei es in Österreich mit 86 zu zwölf Prozent.

Wenn das Bargeld reduziert oder vom Markt genommen würde, müsse der Kunde alles über seine Konten laufen lassen. „Auf diesen bekommt er zwar keine Positiv-Zinsen, aber das Aufbewahren des Geldes würde dann wohl Geld kosten, es würden Negativ-Zinsen erhoben“, so Ostertag. Und genau das sei ein wichtiger Aspekt, der unbedingt bedacht werden müsse.

Nach Ostertags Meinung ist es auch nicht zielführend, zur Bekämpfung der Kriminalität die 500-Euro-Scheine abzuschaffen. Das nämlich ist ein Grund, der dafür ins Feld geführt wird.

Laut Ralf Müller, Leiter der OLB-Filiale in der Kreisstadt, hat sich das Verhalten der Kunden in den vergangenen Jahren deutlich geändert: „Sie nutzen immer weniger Bargeld, kommen seltener an den Schalter, um Geld zu holen.“ Vielmehr würden immer mehr die digitalen Medien für den Zahlungsverkehr genutzt. „Größere Geldbeträge werden immer seltener verfügt.“

Einen Grund sieht der Banker darin, dass Überweisungen heute nicht mehr drei bis vier Tage dauerten, sondern das Geld in sehr kurzer Zeit auf dem anderen Konto ist: „Früher wurden zum Beispiel Autos sehr oft bar gezahlt, heute ist die Überweisung fast ebenso schnell.“

Müller sieht jedoch keine Veranlassung, den 500-Euro-Schein abzuschaffen: „Vielmehr sollte über die Ein- und Zwei-Cent-Münzen nachgedacht werden, ob die noch benötigt werden.“ Das generelle Abschaffen von Bargeld sollte seiner Meinung nach nicht gesetzlich verfügt werden: „So wie der Scheck vor einigen Jahren weggefallen ist, so wird es auch mit dem Bargeld kommen. Ich glaube nicht, dass es reglementiert werden muss. Das regelt der Trend der Kunden selbst.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

Unfall bei Unwetter: Auto überschlägt sich mehrfach

Unfall bei Unwetter: Auto überschlägt sich mehrfach

Kommentare