Sitzung in engem Saal mit schlechter Belüftung

Hausverbot für Kommentar

Ratssitzung in Düngstrup: Eng und schlecht belüftet.
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Ratssitzung in Düngstrup: Eng und schlecht belüftet.

Eine Ratssitzung in beengten Verhältnissen in Corona-Zeiten. Darüber berichteten wir in einem Meinungskommentar am 12. Dezember. Nun gab es unerwartete Konsequenzen:

Update vom 16. Dezember:

Mit sofortiger Wirkung hat der Autor dieser Zeilen, die sich ausschließlich gegen das Verfahren des Stadtrates und der Verwaltung richteten, in Corona-Zeiten eine Sitzung im beengten Saal eines Landgasthofes abzuhalten, ein „absolutes Hausverbot“ in der Düngstruper Gaststätte erteilt bekommen. Begründung in dem der Redaktion zugegangenen Schreiben: Aufgrund des diffamierenden Artikels in der Wildeshauser Zeitung. Und weiter: der Saal habe für die Ratssitzung extra geteilt werden müssen.

Ursprünglicher Kommentar vom 12. Dezember:

Wildeshausen – Mehr als 50 Menschen in einem recht kleinen Saal eines betagten Landgasthofes. Im Flur eine Flasche mit Desinfektionsmittel. Auf den Tischen entsprechende Reinigungstücher. Viele der Anwesenden gehören aufgrund ihres Alters oder Vorkerkrankungen zur Risikogruppe, was Corona betrifft. Die Mindestabstände werden gerade mal so eingehalten. Wer durch den Raum läuft, trägt zwar eine Maske, gerät seinem Gegenüber aber gefährlich nahe. Frischluft kommt jede Viertelstunde für fünf Minuten durch eine Tür und ein daneben befindliches Fenster – also ohne sinnvolle Stoßlüftung.

Normalerweise – so möchte man meinen – wäre diese Veranstaltung in einem gastronomischen Betrieb sofort aufgelöst worden. Doch weit gefehlt: Es handelte sich um die offizielle Ratssitzung der Stadt Wildeshausen im Saal der Gaststätte Schönherr in Düngstrup, und für die galten andere Regeln und ein Hygienekonzept – auch wenn es das Coronavirus nicht interessieren dürfte.

Bürger sind erstaunt

Sogar den Bürgern, die zur Einwohnerfragestunde kamen und dann hinten im Saal mit Mühe einen Sitzplatz fanden, klappte am Donnerstag vor Erstaunen die Kinnlade herunter. Angesichts der derzeit täglich verbreiteten Negativrekord-Meldungen von mit Corona infizierten sowie gestorbenen Menschen im Radio, musste einem die Veranstaltung in Düngstrup wie ein Albtraum vorgekommen sein.

Mehr als bei einer Familienfeier

Vor zehn Monaten lehnten Teile des Rates – als alles noch gar nicht so schlimm schien – Sitzungen ab, weil sie Infektionen befürchteten. Diesmal saßen alle einträchtig nebeneinander – und kaum jemand schien es seltsam zu finden, in einem ansonsten durch Verordnung geschlossenen Lokal zu sitzen wie bei einer Familienfeier, und recht langen Reden zu lauschen. Mindestens 50 Personen aus verschiedenen Haushalten, viele nur mit einfachem Mund-Nasen-Schutz ausgerüstet – man mag sich nicht ausdenken, was passiert, wenn nur eine Person unbemerkt das Virus in sich trägt.

Und überhaupt: Was ist das für ein Signal, wenn sich das höchste Gremium der Stadt in derart beengten Räumlichkeiten trifft, wo doch gleichzeitig Sporthallen zur Verfügung stehen sollten, in denen sich dann vielleicht auch noch eine ordentliche Mikrofonanlage installieren ließe?

Aus der jüngeren Vergangenheit gar nichts gelernt, muss man dazu sagen. Immerhin fiel das traditionelle Grünkohlessen aus ...

Hoffentlich ging das gut

Hoffen wir, dass sich die Ratssitzung nicht nachträglich zu einem Superspreader-Event entwickelt. Die Voraussetzungen dafür waren günstig – und Wildeshausen wäre mal wieder landesweit in den Negativ-Schlagzeilen, wie schon beim Atrium und Geestland.

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