Zwei Mitbeschuldigte im Visier der Ermittler

Staatsanwaltschaft äußert sich zu Betrug im Kreishaus

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Es besteht der Verdacht, dass sich eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung in der Kreiskasse bedient hat.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg zu dem möglichen Betrug in der Kreisverwaltung in Wildeshausen dauern an. Die Ermittler geben trotzdem einige Infos zu den Beschuldigten heraus – es handelt sich inzwischen um mehr als eine Person. Allerdings waren die beiden anderen Verdächtigen keine Mitarbeiter der Verwaltung.

In der Gildefest-Woche vergangenen Jahres hatte Landrat Carsten Harings die Öffentlichkeit darüber informiert, dass offenbar eine in der Verwaltung beschäftigte Person beim Griff in die Kreiskasse erwischt wurde. Daraufhin hatte der Landkreis Anzeige erstattet und die betreffende Person, die im Bereich „Soziales“ beschäftigt war, vom Dienst frei gestellt. Harings hatte sich zu Alter und Geschlecht nicht äußern wollen, weil es sich erst einmal nur um einen Verdacht handelte. 

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts der schweren Untreue, des schweren Betruges und der schweren Urkundenfälschung gegen eine 50 Jahre alte Frau, die damals in der Kreisverwaltung beschäftigt war.

340 Fälle überprüft

„Im Rahmen der anhängigen Ermittlungen werden über 340 Fälle aus den Jahren 2010 bis 2017 überprüft“, teilte Staatsanwalt und Pressesprecher Torben Tölle auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Es bestehe der Verdacht, dass die 50-jährige Beschuldigte in diesem Zeitraum fingierte Barauszahlungen veranlasste, die sie für sich behielt. Darüber hinaus soll sie in einer Vielzahl von Fällen Überweisungen auf das Konto eines 53-jährigen Mitbeschuldigten veranlasst haben. Auf dieses Geld sollen die 50-jährige ehemalige Kreismitarbeitern und eine weitere 47-jährige Mitbeschuldigte Zugriff gehabt und über die eingezahlten Beträge verfügt haben.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen wird die Entstehung eines Vermögensschadens in sechsstelliger Höhe geprüft, so Tölle: „Die Ermittlungen dauern an, wann mit einem Abschluss zu rechnen ist, kann derzeit noch nicht mitgeteilt werden.“

Umfangreiche Untersuchungen

Auch Harings hatte im Juni vergangenen Jahres „nennenswerte Beträge im sechsstelligen Bereich“ genannt, um die es gehen könnte. Der Landrat hatte von einer „hohen kriminellen Energie“ und von Unterschriften, die stutzig machten, gesprochen. Dazu passen die Ermittlungen wegen Urkundenfälschung.

Die 50-jährige Beschuldigte galt bis zum Juni 2017 als unbescholtene Kraft und war bereits viele Jahre beim Landkreis beschäftigt. Letzteres macht die Aufarbeitung der Betrugsvorwürfe nicht einfacher, da viele Daten gesichtet werden müssen.

Auszahlungen erregten Verdacht

Die Frau hatte damals Verdacht erregt, weil sie sich morgens nach dem verfügbaren Bargeld in der Kreiskasse erkundigt hatte und erst mehrere Stunden später mit einer Zahlungsanforderung gekommen war, um 500 Euro mitzunehmen. An sich sind solche Barauszahlungen im Bereich „Soziales“ nicht unüblich – zum Beispiel wenn die Empfänger über kein eigenes Konto verfügen. Auffällig war aber, dass die 50-Jährige alleine kam. Normalerweise geht das Geld raus, wenn der Kunde vor Ort ist.

Aufgrund des aufkeimenden Verdachts war die Arbeit der Frau genauer unter die Lupe genommen worden. Dabei zeigte sich, dass sie erkennbar häufiger Barauszahlungen veranlasst hatte als Kollegen. Da die 50-Jährige diese Sachverhalte bei einem Personalgespräch nicht erklären konnte, erstattete der Landkreis Anzeige und stellte sie frei.

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