Land lehnt Finanzierung der Dolmetscher für Schulen ab

Sprachmittler nur auf Stadtkosten

Sprachmittler helfen Schülern, dem Unterricht zu folgen und den Kontakt zu Eltern zu halten. Foto: dpa

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Schon seit Jahren finanziert die Stadt Wildeshausen die Tätigkeit von Dolmetschern für arabisch, bulgarisch und kurdisch sprechende Kinder beziehungsweise Eltern an verschiedenen Schulen in der Kreisstadt. Das scheint nachvollziehbar zu sein, leben doch rund 1 845 Flüchtlinge und Bürger aus EU-Ländern wie Bulgarien (Stand September) in Wildeshausen, deren Deutschkenntnisse sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern nicht in jedem Fall für eine optimale Kommunikation reichen. Doch das niedersächsische Kultusministerium sieht den Einsatz der Sprachmittler zumindest im Unterricht als „nicht zielführend“ an und fördert die Dolmetschertätigkeiten in den Wildeshauser Schulen deswegen nicht.

Das heißt, dass die Stadt die Kosten in Höhe von 80 000 Euro pro Jahr selbst tragen muss. Und der Bedarf wächst, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt: Bis 2019 waren im Haushalt nämlich noch jährlich 50 000 Euro veranschlagt, wie Stadtsprecher Hans Ufferfilge auf Nachfrage mitteilte. Derzeit arbeiten vier Sprachmittler jeweils in Teilzeit im Auftrag der Kommune. Zwei für Bulgarisch mit 30 und 15 Stunden pro Woche, eine Kraft für Kurdisch und eine für Arabisch mit jeweils 15 Stunden pro Woche. „Sie werden bedarfsorientiert an den Schulen eingesetzt, wobei die St.-Peter-Schule nur einen geringen Bedarf hat“, so Ufferfilge. Überwiegend sind die Dolmetscher also an der Wall-, der Holbein-, der Haupt- und der Realschule zur Vermittlung zwischen Elternhäusern und Schule, aber auch im Kontakt mit den Schülern aktiv. Regelmäßig prüft die Stadt, ob es vom Land Unterstützung für das Projekt „Dolmetschertätigkeit an Wildeshauser Schulen“ gibt, das noch mindestens bis 2022 läuft. Kürzlich hat sich Wildeshausen wieder eine Absage aus Hannover eingehandelt, wie Bürgermeister Jens Kuraschinski berichtete.

„Schul- und Unterrichtssprache ist deutsch, und das Sprachbad beschleunigt den Sprachlernprozess und die Integration“, erklärte Sebastian Schumacher, Sprecher des Kultusministeriums. Gerade die Vielfalt der Herkunftssprachen der Kinder und Jugendlichen verstärke die Bereitschaft und die Fähigkeit der Schüler, die deutsche Sprache als gemeinsames Kommunikationsmittel zu nutzen und immer besser zu beherrschen, ist er sich sicher.

Den Vorwurf, das Land lasse die Schulen mit der Integration ausländischer Kinder allein, weist Schumacher von sich. „Das Land unterstützt die Sprachbildung und Integration (neu) zugewanderter Kinder und Jugendlicher in den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen durch verschiedene Maßnahmen mit einem Kontingent von 37 000 Unterrichtsstunden“, teilte er mit. Außerdem verweist er auf Broschüren in Arabisch, Englisch, Türkisch und Farsi, die die Kommunikation mit den Eltern ergänzen würden. Eine Auflage in Bulgarisch sei in Planung.

Hört man sich bei den Schulleitern in Wildeshausen um, ist das Verständnis dafür, dass das Land keinen Cent für die Dolmetscher bezahlt, nicht besonders groß. „Ich halte den Einsatz von Sprachmittlern an den Schulen für unerlässlich. Wie soll denn mit den Eltern, begleitenden Angehörigen und mit den Kindern im Schulalltag kommuniziert werden?“, fragt zum Beispiel Rektorin Roswitha Remmert von der Wallschule. Die kulturellen Unterschiede, die Alphabetisierung im laufenden Unterricht und die Kommunikation in der außerunterrichtlichen Arbeit würden täglich eine große Herausforderung für alle Beteiligten im Lernprozess und in der Organisation von Schule darstellen. „Wie soll das ohne Sprachmittler funktionieren?“

Rektorin Inke Bajorat von der Holbeinschule betont, dass „wir in Wildeshausen auf jeden Fall Sprachmittler brauchen“. Und das meistens für die Kommunikation mit den Eltern, aber zum kleineren Teil auch im Kontakt mit den Schülern. Zum Beispiel, wenn die Kinder direkt aus einem anderen Land nach Deutschland kommen, hier also nicht im Kindergarten waren und dementsprechend kaum Deutsch sprechen. „Als Starthilfe sind die Sprachmittler sehr hilfreich.“

An der Hauptschule sieht Rektorin Dorit Hielscher die Lage differenziert. „Sprachmittler sind an der Schule unentbehrlich, aber im Unterricht nicht zielführend. Was wäre das denn für eine Situation, wenn jeder eine andere Sprache spricht? Wir streben nur eine Sprache im Unterricht an, und das ist Deutsch.“ Allerdings bräuchte die Hauptschule die Dolmetscher für den Umgang mit Eltern oder auch mal um Konflikte zu lösen.

Ähnlich sieht es an der Realschule aus. „Natürlich brauchen wir die Sprachmittler für die Elternarbeit“, sagt Rektor Jan Pössel. Die Dolmetscher würden allerdings „primär außerhalb des Unterrichts eingesetzt werden“.

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