Sprachcamp festigt Deutschkenntnisse von Schülern mit Migrationshintergrund

Kinder überwinden sprachliche Schüchternheit

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„Hereinspaziert zur großen Zirkusschau“, hieß es am Sonnabend in der Turnhalle der Wallschule.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. In der Schule sprach Maria bisher kaum ein Wort Deutsch. Jetzt berichtet die Wildeshauser Grundschülerin in fließendem Erzähltext in deutscher Sprache stolz und aufgeregt darüber, was sie mit 32 anderen Kindern während einer Woche FerienSprachcamp unter dem Motto „Bewegt Deutsch lernen“ alles erlebt hat.

Beim Familienfest am Sonnabend in der Turnhalle der Wallschule brachten die Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund aus den drei Wildeshauser Grundschulen die einstudierten Kunststücke aus Breakdance, Tanz, Akrobatik, Jonglage, Zauberei und Clownerie zur Aufführung.

„Das ist der Wahnsinn“, freute sich Lisa Droste, Sozialpädagogin der Stadt Wildeshausen und Leiterin des Treffpunkts „Mittendrin“, über den Erfolg des Camps und meinte damit nicht nur die akrobatischen Glanzleistungen, sondern vor allem auch die sprachlichen Fortschritte. Das Sprachcamp konnte die Stadt dank der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung ausrichten, die das Konzept landesweit finanziert.

„In der Schule befinden sich die Kinder in einer ganz anderen Situation, in der das freie Sprechen sie oft Überwindung kostet und in der sie permanent unter Druck stehen“, erklärte Drostes Kollegin Denise Schröter, die von der Stadt als Sozialpädagogin für die Wallschule aber auch für übergreifende Projekte eingesetzt wird.

Im Camp dagegen stehen Bewegung und Spaß neben der Sprache im Vordergrund. Die Worte, die sie hören, setzen die Kinder gleich mit dem ganzen Körper um – beispielsweise beim Einstudieren einer Tanzchoreografie oder beim Einüben eines Akrobatik-Kunststücks. Unter Einbeziehung aller Sinne verfestigt sich die Sprache bei den Schülern mit Migrationshintergrund so viel leichter, schneller und besser. Ebenfalls mit allen Sinnen erarbeitete die Oldenburger Montessori-Pädagogin Janine Kessler mit den Kindern Bestandteile der deutschen Grammatik.

„Es funktioniert sehr gut, dass die Gruppe so gemischt ist – sowohl vom Alter als auch vom Sprachniveau“, zog Droste ein weiteres Fazit. Die Erst- bis Viertklässler unterstützen sich bei Sport und Sprache nämlich gegenseitig. „Deutsch verstehen konnten alle schon, zumindest ein wenig“, erklärte Schröter. „Wer nicht alles versteht, kompensiert das, indem er sich am Verhalten der anderen orientiert.“ Beim Sprechen seien die Unterschiede größer gewesen. „Von einigen habe ich bisher kaum ein Wort Deutsch gehört“, berichtete Schröter. Zum Teil läge das aber eben auch an der Schüchternheit und Unsicherheit der Kinder, die die Schulsituation oft noch verstärke. Zudem lebten einige Kinder überhaupt erst seit kurzer Zeit in Deutschland.

Das Sprachcamp bestärkte nun die Kinder in ihrem sprachlichen Können und gab ihnen außerdem einen großen Schub Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Dazu trug auch die gut zweistündige Show am Sonnabend noch einmal bei. Die verschiedenen Vorführungen hatten die Jungen und Mädchen mit dem Hamburger Pädagogen Gigy Golez im Bereich Breakdance und Selbstbehauptungstraining, mit Sandra Wennemer und ihrem Team vom WSM Funsport Oldenburg im Bereich Mitmachzirkus und mit Timo Blohm vom Maniac Dance-Center Oldenburg im Bereich Kinder-Mitmachtanz eingeübt.

Stolz wie Oskar präsentierten die Kinder ihren Familien das Gelernte. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein internationales Büfett, zu dem jeder etwas beitrug.

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