Oliver Grübbel vertritt Mandantinnen vor Gericht, weil ein Verhütungsmittel gefährlich war

Spiralen fehlerhaft: Anwalt verhandelt für Frauen

Rechtsanwalt Oliver Grübbel.
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Rechtsanwalt Oliver Grübbel.

Wildeshausen – Der Wildeshauser Rechtsanwalt Oliver Grübbel kämpft derzeit vor mehreren bundesdeutschen Gerichten für Frauen, die bei der Verhütung auf ein fehlerhaftes Präparat gesetzt hatten. Grübbel hofft, schon bis Ende des Jahres vor dem Landgericht Oldenburg (Aktenzeichen 13 O 3004/19) ein erstes Urteil zu erstreiten, das bundesweit Vorbildcharakter haben könnte. Es geht um Schmerzensgeldforderungen bis zu 12 500 Euro.

Das Thema ist für viele Frauen schambehaftet. Möglicherweise deswegen ist die Zahl der Klagen noch relativ gering – vielleicht auch wegen der Corona-Pandemie.

„Viele Frauen vertrauen auf sogenannte Kupferspiralen, auch Intrauterinpessare (IUP) genannt, zur Schwangerschaftsverhütung. Sie werden bei ihrem Frauenarzt eingesetzt“, erläutert Grübbel.

Ein Hersteller von Kupferspiralen sei „Eurogine“ aus Spanien, das über das deutsche Unternehmen Tomed GmbH die Produkte in hierzulande vertreibt.

Bereits 2018 erste Warnungen

„Bereits 2018 wurden Frauenarzt-Praxen darüber informiert, dass die Seitenarme bestimmter IUP unbemerkt brechen können. Es erfolgte ein Rückruf der betroffenen Modelle“, berichtet Grübbel. Zunächst sei die Spirale „Ancora“ zurückgerufen worden, später seien weitere gefolgt. Neue Brisanz habe das Thema aber im Herbst 2019 dadurch erlangt, dass der Hersteller darauf hinwies, dass die Seitenarme auch ohne Manipulation, also ohne den Versuch der Entfernung des IUP, brechen können.

„Dadurch hat sich das Risiko für die Patientinnen enorm verschärft“, so Grübbel. „Neben der Gefahr ungewollter Schwangerschaften besteht insbesondere das Risiko, dass betroffene Frauen sich einer Entfernung unter operativen Bedingungen, gegebenenfalls auch unter Vollnarkose und aller damit verbundenen Unannehmlichkeiten, unterziehen müssen.“

Patientinnen sollten in die Praxen einbestellt werden

Frauenarzt-Praxen, die ihren Patientinnen eine der betroffenen Kupferspiralen eingesetzt haben, wurden laut Grübbel vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgefordert, ihre Patientinnen in die Praxis einzubestellen und zu informieren.

„Aus dem Gesichtspunkt der Produkthaftung und des Inverkehrbringens eines fehlerhaften Produktes liegt nahe, dass der Hersteller den betroffenen Frauen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld haftet“, so der Anwalt. Zudem dürfte der Hersteller betroffene Frauenarztpraxen entschädigen müssen.

Aufgrund der fehlerhaften Kupferspiralen könnten die Ärzte unter Umständen auf hohen Selbstkosten „sitzen“ bleiben, die bei einer ordnungsgemäßen Verarbeitung der IUP nicht entstanden wären.

„Wir haben mehrere Mandanten aus Wildeshausen und Umgebung“, berichtet Grübbel. Es sei zudem durchaus möglich, dass Frauen die IUP noch tragen, ohne von den Produktmängeln zu wissen. Diese sollten sich schnellstmöglich beim Frauenarzt melden. Spiralen, die nach dem Herbst 2019 produziert und eingesetzt worden seien, seien jedoch nicht betroffen.  dr

Spaß beim Sex, aber Verhütung gefährdet? Einige Kupferspiralen waren offenbar schadhaft.

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