Vernissage: Uwe Kreutzkamp stellt in der internationalen Galerie aus

Spielraum für Fantasie

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Die „Julia“ auf dem Balkon in Uwe Kreutzkamps Großformat-Skizze erhielt während der Vernissage ein ungewöhnliches Ständchen vom „komödiantischen Weltmusiker“ Franz Fendt.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Oft habe ich schon festgestellt, dass die Skizze für mich das eigentliche Kunstwerk ist – und nicht das, was aus ihr im Atelier entsteht“, erzählte der Bremer Künstler Uwe Kreutzkamp am Freitagabend, während er gemeinsam mit Musiker Franz Fendt, dem Galeristen Hartmut Berlinicke sowie zahlreichen Gästen die Vernissage seiner Ausstellung in der „Internationalen Galerie Wildeshausen“ feierte.

Unter den Werken fand sich auch eine Serie nachempfundener Großformat-Skizzen von einer fiktiven Italienreise. Kreutzkamp hatte damit die Entstehungsweise künstlerischer Entwürfe einfach umgekehrt. „Ich wollte Skizzen herstellen, die hinterher wie ein fertiges Kunstwerk im Wohnzimmer hängen können“, berichtete Kreutzkamp von seiner Motivation. „Dabei war es mir wichtig, die Arbeiten, die ja in meinem Atelier entstanden, in der Weise nachzuempfinden, dass sie für den Betrachter wirklich leben, dass sie durch ihre Unvollkommenheit, durch Verschmutzungen und die Beschaffenheit des Materials ihre Entstehungsgeschichte erzählen.“

Dafür experimentierte Kreutzkamp mit verschiedenen Bleistiften, Kreiden und auch Öl – denn durch Öltupfer erzeugte er beispielsweise auch künstlich Verschmutzungen. Um Leben in Zeichnung und Material zu bringen, verwendete er außerdem oftmals seine Hand, um Gezeichnetes zu verwischen und dem Ganzen einen durchaus geheimnisvollen Anstrich zu verleihen.

„Interessant wird es für den Betrachter doch erst, wenn er neugierig wird, wenn er auf Entdeckungsreise gehen kann, um zu erkunden, was überhaupt zu sehen ist und was eigentlich dahinter steckt“, ist Kreutzkamps Philosophie. Denn: „Das Auge ergänzt und erschließt für sich, was nur angedeutet ist.“

Obwohl er irgendwann auch selbst mal in Italien war, ließ sich Kreutzkamp zu seiner Serie durch Bilder aus einem Reiseführer inspirieren. Allerdings leben seine Skizzen auch von seiner eigenen Perspektive und keineswegs vom Abzeichnen der Fotos. Wenige Striche, die lediglich die Umrisse eines Sees oder einer Menschenmenge andeuten, lassen viel Spielraum für die Fantasie des Betrachters. Woanders taucht auf dem verwunschenen Balkon vom Reiseführerfoto plötzlich Julia auf. Eine Palme wächst mitten aus einem Haus. Gleich daneben lässt Kreutzkamp zwei Drittel des für seine italienische Landschaftsskizze genutzten Papiers einfach weiß.

Das Geheimnisvolle, das Herstellen einer vielleicht absurden Brücke zwischen Dingen und Begriffen, die normalerweise nicht in Verbindung stehen, sowie das Wecken von unerwarteten Assoziationen und das Erzeugen neuer Bedeutungen und Zusammenhänge – all das interessiert Kreutzkamp auch bei seinen Collagen.

Dabei malte er zum Beispiel reife Erdbeeren auf ein Notenblatt, setzte scheinbar willkürlich verschiedensprachige Zeitungsausschnitte, Schlagzeilen oder Horoskope mit Zeichnungen zusammen oder arbeitete auch mal mit aufgeklebter Leere.

Weitere Werke Kreutzkamps zu den Themen Blumen, Tiere und vor allem Vögel sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen. Ein Flamingo schwebt über den Betrachter hinweg, eine Eule scheint aus der Dunkelheit direkt auf ihn zuzufliegen. Dann wieder findet sich der Betrachter mitten zwischen den Zweigen des Wunderbaumes wieder.

Die Vernissage begleitete der mit Kreutzkamp befreundete „komödiantische Weltmusiker“ Franz Fendt auf ungewöhnlichen Instrumenten. Zu den faszinierenden Klängen, die er seiner Handpan und seinem Blasensemble aus kleinen Glasflaschen entlockte, zeigte er auch noch außergewöhnlichen Stimmeinsatz.

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