Gelbe-Sack-Challenge 

So spart Familie Meyer aus Wildeshausen Plastik

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Bei diesem Bild hat sie auf Plastikverpackungen geachtet, konnte den Kunststoff aber auch nicht ganz vermeiden.

Die dreiköpfige Familie Meyer aus Wildeshausen macht bei der Gelbe-Sack-Challenge mit. Bei diesem Wettbewerb ruft der Landkreis Oldenburg dazu auf, einen Monat lang Abfall einzusparen. Speziell geht es dabei um Plastik. Die Meyers stellen sich der Herausforderung in einem Selbstversuch.

Wildeshausen - Von Janin Meyer. „Dann muss ich eben Bockwürstchen essen – weil meine Frau das Glas in den Keller stellen will“, sagt mein Mann beim Wocheneinkauf scherzhaft. Lieber hätte er Wiener Würstchen, aber die gibt es nur in der Dose. Das Bockwurst-Glas kann ich wiederverwenden. Für Apfelmus zum Beispiel. Es ist unser erster Einkauf im Rahmen der Gelbe-Sack-Challenge. Bei diesem Wettbewerb ruft der Landkreis Oldenburg vom 30. Oktober bis zum 30. November zum Einsparen von Abfall, im Speziellen Plastik, auf. Für unsere Zeitung machen meine Familie und ich mit. Wir sind ein Drei-Personen-Haushalt, bald zu viert, aus Wildeshausen: Mein Mann (35), unsere zweieinhalbjährige Tochter und ich (auch 35) plus Familienhund – eine klassische Durchschnittsfamilie.

Angefangen hat alles mit einer Nachricht aus der Redaktion: „Es wäre toll, wenn du dich da anmelden und zwei bis drei Berichte schreiben könntest“, lese ich und gehe innerlich zunächst auf Gegenwehr. Schließlich nutzen wir schon recht wenig Kunststoffverpackungen. Die dünnen Plastiktütchen in der Gemüseabteilung habe ich noch nie gebraucht. Dafür müssen die Kassierer damit zurechtkommen, dass Obst und Gemüse einzeln auf dem Band landen. Zum Einkauf nehme ich immer große Taschen mit. Und unsere Getränke kaufen wir, bis auf wenige Ausnahmen wie zum Beispiel Saft, schon seit Jahren in Pfandglasflaschen.

Verzicht auf Plastik: Allzu schwierig darf es nicht sein

Neugierig geworden bin ich trotzdem. Was landet bei uns im Abfall? Warum ist der Behälter in der Küche gefühlt ständig voll? Ich sehe mir den Inhalt unseres gelben Sacks an: Joghurtbecher, Milchtüten, Hundefutterbeutel, Folienverpackungen. Da kommt doch eine Menge zusammen. Aber kann ich darauf verzichten? Wo bekomme ich welche Lebensmittel unverpackt oder in Mehrwegbehältern? Allzu schwierig darf das Ganze nicht sein, dann halte ich es nicht durch. Zunächst schaue ich mir die Ausschreibung des Landkreises zu dem Wettbewerb an. Kreativität ist auch gefragt. Vielleicht könnten meine Tochter und ich noch etwas aus alten Verpackungen basteln. „Ehrlich gesagt bin ich von den Ideen her schon viel zu tief im Thema, um nicht mitzumachen“, lautet daher am Abend meine Zusage an die Redaktion.

Einkaufen als Herausforderung: Janin Meyer und ihre Familie versuchen, Produkte mit wenig Plastikverpackung zu wählen.

Bevor der eigentliche Wettbewerb beginnt, möchte ich wissen, wie viel Kunststoffmüll wir in etwa produzieren. Außerdem steht praktischerweise an diesem Tag der Wocheneinkauf an, sodass ich noch einmal ganz bewusst „normal“ einkaufen kann. Schon dabei zeigt sich: Im Discounter ist es recht schwierig, auf Umverpackungen zu verzichten.

Selbstgemachtes Geschirrspülmittel als Alternative

In den kommenden Tagen dominiert das Thema Abfalleinsparung meine Gespräche. „Wenn du Joghurt in Gläsern statt in Kunststoffbechern kaufst, hast du zwar Plastik gespart, aber keinen Abfall“, gibt mein Mann beim Abendbrot zu bedenken. Zudem seien auch die Emissionen beim Transport der Gläser in den Supermarkt höher – durch das zusätzliche Gewicht. Stimmt. Aber da ich die Gläser weiterverwende, ist es in unserem Fall doch weniger Müll.

Beim Mädelsabend einen Tag später gibt eine Freundin Entwarnung: „Das sind Pfandgläser“, weiß sie. Zu viert überlegen wir, wie sich die Challenge am besten umsetzen lässt. Eine andere Freundin hat sich ebenfalls angemeldet und bereits konkrete Ideen. „Unsere Spülmaschinentabs sind alle einzeln verpackt. Das Geschirrspülmittel machen wir deswegen demnächst selbst“, erzählt sie. „Hast du dir schon überlegt, woher du Haarshampoo und andere Hygieneartikel beziehen möchtest?“, fragt Freundin Nummer drei. Es kommt der Besuch eines Unverpackt-Ladens ins Gespräch. Der nächste soll aber in Oldenburg sein. Da ist der Besuch ökologisch gesehen nicht sinnvoll. Eventuell könnten wir eine Fahrgemeinschaft bilden.

Auch die Brötchen-Tüte ist mit Kunststoff versehen

Zunächst steht zu Hause eine Bilanz an: Ein Müllsack mit Kunststoff ist innerhalb einer Woche voll geworden. Das soll sich in den kommenden Wochen ändern. Im ersten Anlauf versuchen wir, den Wocheneinkauf dennoch im Discounter zu meistern – und sind erst einmal positiv überrascht. Das Paket mit Kaffeekapseln nehme ich meinem Mann allerdings direkt wieder aus der Hand. Die Halloween-Süßigkeiten für eventuelle verkleidete Besucher wählen wir nach der geringsten Verpackung aus. Dann müssen noch Schaumküsse mit, für die Bastelrunde am Abend. Zähneknirschend lege ich eine Packung in den Einkaufswagen. Für Brot und Brötchen sind wir gut gerüstet. Denn mir ist vorab noch eingefallen, dass selbst die Papiertüten beim Backshop ein Fenster aus Kunststoff haben, damit die Kassierer den Inhalt sehen können. Also wanderten ein Körbchen für die Brötchen und eine Tasche für das Brot mit in die große Einkaufstasche. Die erwarteten irritierten Blicke an der Kasse bleiben aus.

Dieses Foto zeigt einen "normalen" Einkauf mit recht viel Plastikmüll.

Bundmöhren schmecken auch noch besser

Die Obst- und Gemüseabteilung ist ein voller Erfolg. Weintrauben bleiben dort, die gibt es nur in der Plastikschale. Alles andere bekommen wir unverpackt. Einzig die kleinen Aufkleber auf dem Obst stören. Das hatten wir schon beim Mädelsabend thematisiert. Die Möhren wiegt mein Mann später nach: Etwa das Doppelte kosten sie im Bund statt in der Plastikschale – dafür stellen wir zu Hause fest, dass sie auch besser schmecken und sich besser halten.

Dann die Kühlabteilung. Hier gibt es nichts, was nicht verpackt wäre. Also bleibt nur, soweit möglich, Alternativen zu wählen, die sich zum Basteln eignen. „Was du alles basteln möchtest“, scherzt mein Mann. Für die kommende Woche steht fest: Wir müssen ein Geschäft mit Frischetheke wählen. Zu Hause suche ich im Internet schon Bastelideen für Adventskalender aus Joghurtbechern...

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