Hauptschüler erkunden Hermes Systeme / Auszubildende haben verschiedene Schulabschlüsse

Sozialverhalten wichtiger als gute Noten

Geschäftsführer Jörg Deitermann (Zweiter von links) erklärt den Hauptschülern und Lehrer Benjamin Fennig (links), wie ein Schaltschrank funktioniert. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Zeiten, in denen Hauptschüler schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz hatten, gehören offenbar der Vergangenheit an. „Mein bester Azubi hatte ein schlechtes Hauptschulzeugnis“, sagte Hendrik Jüchter, der am Dienstag die 9b der Hauptschule Wildeshausen zu einer Betriebserkundung bei Hermes Systeme an der Visbeker Straße begrüßte. Jüchter ist Ausbildungsleiter und setzt bei der Auswahl der angehenden Elektroniker und Co. auf eine gute Mischung. „Bei uns gibt es Hauptschüler und Einser-Abiturienten. Ich baue ein bisschen darauf, unterschiedliche Charaktere zu haben.“

Die 18 Hauptschüler verfolgten die Ausführungen interessiert. Vor allem, als Jüchter ihnen erklärte, worauf es bei einer Bewerbung ankomme. Grundsätzlich gelte es für die angehenden Azubis, sich frühzeitig zu melden. Sie sollten durchaus selbstbewusst auftreten, denn viele Firmen würden Nachwuchs suchen. Wenn es dann um das Zeugnis geht, schaut Jüchter vor allem auf zwei Dinge: das Sozialverhalten und die unentschuldigten Fehltage. „Letztere sind ein K.-o.-Kriterium“, betonte der Ausbildungsleiter. „Dann weiß ich, dass ich die Leute nicht erreichen kann, weil sie nicht auf mich hören.“ Auf die Noten käme es ihm gar nicht so stark an. Trotzdem seien gute Leistungen in Mathe und Physik wichtig.

Klassenlehrer Benjamin Fennig freute sich über die Gelegenheit zur ausführlichen Betriebsbesichtigung. „Ich bin selber gespannt.“ Es war das erste Mal, dass eine Gruppe der Hauptschule bei Hermes Systeme zu Gast war.

Im Anschluss an eine theoretische Einführung erkundeten die Jugendlichen den Betrieb, dessen 220 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro erwirtschaften. Geschäftsführer Jörg Deitermann stand genauso wie ein ehemaliger Hauptschüler, der bei Hermes lernt, für Fragen zur Verfügung.

Praktische Übung an der Werkbank

Damit die Neuntklässler auch ein Gefühl für die praktische Arbeit im Betrieb bekommen, durften sie gegen Ende ihres Besuchs an die Werkbank und sich an einer Schaltung versuchen. „Ich bin der Meinung, wenn sie selber etwas schrauben und es leuchtet, dann ist es am besten“, hoffte Jüchter, das Interesse für Hermes Systeme bei dem einen oder anderen geweckt zu haben.

Immer mit dabei war Christian Tiller, der die Betriebserkundung als Forschungsprojekt begleitet. Er kommt von der Universität Vechta und erprobt, unter welchen Bedingungen sich Schulen in der Region als außerschulische Lernorte eignen. Gleichzeitig geht es darum, einen Beitrag zur beruflichen Orientierung der Jugendlichen zu leisten.

„Die Schüler haben die Möglichkeit, typische praktische Tätigkeiten der Auszubildenden unter Anleitung auszuprobieren“, sagte Tiller. „Ziel der Beobachtung durch zwei wissenschaftliche Mitarbeiter ist es, herauszufinden, was bereits gut funktioniert, aber auch, wo es noch Hindernisse bei der Aneignung der Lerninhalte gibt.“

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