Kooperation mit der 3. Kompanie des Logistikbataillons 161 in Delmenhorst

Soldaten pflegen Kriegsgräber in Wildeshausen

+
Pflege für die Gräber auf dem Ehrenfriedhof in Wildeshausen: Stabsunteroffizier Mark von Lewen (vorne) reißt Unkraut beim Grab des Gefreiten Wendelin Schäfer raus.

Wildeshausen - Der Gefreite Wendelin Schäfer ist nicht besonders alt geworden. Am 7. Februar 1921 geboren, starb er am 11. März 1945 – knapp zwei Monate vor der Kapitulation der Wehrmacht und dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa.

Jetzt, am Donnerstag, mehr als 74 Jahre nach dem Tod des Soldaten, kniet ein Stabsunteroffizier vor Schäfers kleinem, gedrungen wirkendem, grauem und verwittertem Grabstein auf dem Wildeshauser Ehrenfriedhof und reißt Unkraut raus. Mark von Lewen dient in der Bundeswehr und gehört der 3. Kompanie des Logistikbataillons 161 in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst an. 2018 hatten die Stadt Wildeshausen und die 3. Kompanie eine Patenschaft beschlossen, die „aktiv gelebt werden und kein Papiertiger“ sein soll, wie Bürgermeister Jens Kuraschinski sagt. Deswegen haben Stadt und Bundeswehr eine Pflegeaktion der Gräber vereinbart.

Kuraschinski ist am Donnerstag ebenfalls zum Ehrenfriedhof gekommen, der Teil des städtischen Friedhofs ist. Dort sind 169 Menschen bestattet, von denen viele als Soldat starben. Aber auch Babys und Zivilisten mit osteuropäischen Namen haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Wie die Menschen zu Tode gekommen sind, verraten die Grabsteine nicht. Es sind nur Namen, Geburts- und Sterbedatum sowie der Dienstgrad der Soldaten verzeichnet.

Hauptmann Jörg Lackner, Kompaniechef der Dritten, hat aus jedem Zug seiner Einheit Soldaten mitgebracht, die als Multiplikatoren für ihre Kameraden dienen sollen. 15 Männer und eine Frau harken, kratzen und pflegen jetzt die Gräber. „Kriegsgräberstätten geraten zunehmend in Vergessenheit“, hat der Offizier beobachtet. Eine Fehlentwicklung in den Augen des 36-Jährigen, denn „sie sollten besucht werden. Und dabei sollte jeder darüber nachdenken, ob die nationalistische, völkische Ideologie das ist, was unsere Gesellschaft will.“ Dieses Gedankengut hätte schließlich zweimal dazu geführt, dass sich die Völker Europas bekriegten. Der Hauptmann formuliert seine Worte unaufgeregt und sachlich, aber nachdrücklich, während er auf die 169 Grabstellen schaut, die für ihn „Mahnmale“ sind.

Es ist noch eine Weile hin, aber im Frühjahr bricht ein Teil von Lackners Soldaten nach Afghanistan auf. Die Männer und Frauen des Logistikbataillons sind immer wieder zu Auslandseinsätzen unterwegs. Bisher sei dabei aber noch niemand zu Tode gekommen, informiert der Hauptmann.

Neben ihm steht Bürgermeister Kuraschinski, der sich über den Einsatz der Soldaten freut. „Ich begrüße das außerordentlich“, sagt der Verwaltungschef, der um die besondere Beziehung Wildeshausens zur Bundeswehr weiß. Die Stadt beherbergte von 1961 bis 2006 Einheiten der Bundeswehr. Die damalige Wittekindkaserne ist inzwischen zu großen Teilen zu einem Wohngebiet umgewandelt.

Die Soldaten sind um 9 Uhr beim Friedhof eingetroffen und haben sich mit einem Frühstück gestärkt, um bis zur Mittagszeit die Gräber zu pflegen. Für den Nachmittag war eine Feldandacht mit dem katholischen Oldenburger Militärseelsorger Martin Roth geplant, bevor die Soldaten zurück zu ihrem Standort in Delmenhorst fahren wollten. Bei dem Gottesdienst sollte auch das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ erklingen. Und zwar über Gräbern, die zum Gedenken einladen.

Für Hauptmann Lackner ist die Aktion in Wildeshausen auch politische Bildung seiner Soldaten anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der Offizier verweist auf den „Wertekanon“, nachdem seine Soldaten zum Ungehorsam aufgerufen sind, wenn Befehle gegen Gesetze verstoßen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Kampfabstimmung um CDU-Vorsitz: CDU vor Richtungsentscheid

Kampfabstimmung um CDU-Vorsitz: CDU vor Richtungsentscheid

Furcht vor Huawei: Trump macht Indien Druck beim Thema 5G

Furcht vor Huawei: Trump macht Indien Druck beim Thema 5G

Karneval in Stolzenau: Prunksitzung 2020

Karneval in Stolzenau: Prunksitzung 2020

Anonyme Drohung an Göttinger Hainberg-Gymnasium: Polizei im Großeinsatz

Anonyme Drohung an Göttinger Hainberg-Gymnasium: Polizei im Großeinsatz

Meistgelesene Artikel

Windböe drückt Lastzug in Planke

Windböe drückt Lastzug in Planke

Erste Bäume vor der Klinik entfernt

Erste Bäume vor der Klinik entfernt

SPD fordert Pflege- und Wohnstrategie

SPD fordert Pflege- und Wohnstrategie

One-Man-Band mit Hang zu Blues und Rock

One-Man-Band mit Hang zu Blues und Rock

Kommentare