Videoüberwachung an fast allen Schulen in Wildeshausen eingeführt

So viel Sicherheit bringen Kameras

Aus polizeilicher Sicht durchaus sinnvoll: Überwachungskameras.
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Aus polizeilicher Sicht durchaus sinnvoll: Überwachungskameras.

Wildeshausen – Wie gut lassen sich Straftaten durch Videoüberwachung verhindern? Bis auf eine sind inzwischen alle Schulen in Trägerschaft der Stadt Wildeshausen mit Kameras ausgestattet. Einzig die Wallschule fehlt noch, aber auch diese Maßnahme „soll soweit eben möglich noch zeitnah umgesetzt werden“, so Stadtsprecher Hans Ufferfilge. Die Kosten dafür betragen 20 000 Euro. Das Geld war in den Etat 2020 eingestellt. Hintergrund der „erforderlichen Videoüberwachung“ seien Einbrüche, Diebstähle und Vandalismus.

Das sind auch alles Themen, mit denen sich Martin Klinger beschäftigt. Der Polizeioberkommissar ist beim Wildeshauser Revier für die Kriminalprävention zuständig und berät unter anderem Einbruchsopfer. Um Straftaten aus dem oben genannten Bereich zu verhindern, verweist auf eine ganze Palette an Möglichkeiten.

„Kameras steigern das subjektive Sicherheitsgefühl“, sagt Klinger, der die Überwachung aus polizeilicher Sicht als sinnvoll erachtet. Insbesondere dann, wenn sie mit mechanischer Sicherung verknüpft sind. Vorteile seien auch der Kontrolldruck, der Bürger dazu anhalte, sich rechtskonform zu verhalten, und die Abschreckung. So werde Vandalismus oft im Schatten der Anonymität verübt. Wie viele Taten die Kameras tatsächlich verhindern, kann aber niemand genau sagen. Schließlich melden sich die (potenziellen) Kriminellen nicht bei der Polizei.

Die Überwachung würde die Ausführung von kriminellen Aktionen aber nicht verhindern. Ein konkretes Beispiel: Jeder kann am Wochenende in eine Schule einbrechen – dass er dabei gefilmt wird, bedeutet für die Polizei nur eine höhere Chance, den Täter im Anschluss zu ermitteln. „Wir können die Handlung rekonstruieren, vielleicht auch ein Gesicht erkennen und zuordnen“, so Klinger.

Davon ausgehend, dass Vandalismus nicht immer, aber oft von jugendlichen Gruppen begangen wird, besteht die Gefahr, dass die Taten wegen der Kameras verlagert werden, sagt Klinger und spricht von einem „Verdrängungseffekt“. Die Gruppen würden sich andere Orte suchen, die unübersichtlich, isoliert oder schlecht beleuchtet seien. Gerade dort gilt es seiner Meinung nach schon bei der Planung von öffentlichen Gebäude oder Anlagen wie Parks anzusetzen, damit es unter anderem wenige schwer einsehbare Ecken gebe.

Langfristig helfe zum Beispiel in Wohngebieten eine stabile Nachbarschaft. „Dann erfahren die Eltern, wenn ihre Kinder dummes Zeug gemacht haben.“ Das lasse sich durch Gründung einer Anwohner-Initiative, die allerdings keinen Bürgerwehr-Charakter haben solle, erreichen. Für derartige Aufgaben sei schließlich die Polizei da.

Ursachenforschung bei Vandalismus

Von diesen Maßnahmen abgesehen, mache auch Ursachenforschung Sinn. Wenn zum Beispiel immer aus derselben Gruppe heraus Taten begangen würden, könne das an vielfältigen Gründen liegen. Beispielhaft nennt der Beamte Alkohol, Gruppendynamik, Frustration, Langeweile, fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft oder Stress. „Wenn wir die Motivation erfassen und dort ansetzen, können wir einen Großteil der blinden Zerstörungswut beseitigen“, ist er überzeugt. Besonders wichtig seien dabei Gespräche mit Jugendsozialarbeitern, die gut vernetzt sind. Eine Maßnahme sei das Finden eines alternativen Treffpunkts. Aber auch Sanktionen in Form von Wiedergutmachung könnten wirken.

„Letztlich muss man sich die Frage stellen, ob man seine Ziele – den Schutz vor Kriminalität – auch anders erreichen kann“, meint Klinger. Dabei sei eine Kosten-Nutzen-Analyse in Bezug auf Erforderlichkeit, Aufwand und Zielvorgabe wichtig. Je nach individueller Lage könnten Kameras oder andere Mittel sinnvoll sein.

Zu den Nachteilen gehört die schwierige Datenschutzsituation. Der Gesetzgeber hat jedoch hohe Hürden festgesetzt, um die Persönlichkeitsrechte der Gefilmten zu schützen, „weil es einen schweren Eingriff bedeutet“, so die Landesdatenschutzbeauftragte. Stadtsprecher Ufferfilge versichert, dass alle Datenschutzbestimmungen eingehalten werden, möchte sich aber nicht im Detail zu der Überwachung äußern.

Nicht nur bei öffentlichen Gebäuden, auch im privaten Bereich setzen zum Beispiel Hausbesitzer auf Kameras. Diese könnten Einbrecher durchaus abschrecken, sagt Klinger. Er geht von zwei Tätertypen aus: dem Profi, der ein Objekt ausspäht und auf große Beute aus ist, sowie den Gelegenheitstäter, der ein auf Kipp stehendes Fenster oder die kurze Abwesenheit der Bewohner nutzt. Die Einbrüche unterschieden sich ansonsten qualitativ kaum. „Um einen Schraubenzieher zu bedienen, braucht man kein Studium“, so Klinger. Der Täter werde mit Sicherheit über die Videoüberwachung stolpern. „Grundsätzlich überlegt sich jeder sein Vorhaben, wenn er Kameras sieht.“ Allerdings greift dann, was der Beamte schon vorher gesagt hat: Kameras stärken die subjektive Sicherheit, schützen aber nicht vor der Tat. Beim Einbruchsschutz gelte es, „viele kleine Nadelstiche zu setzen“, sagt Klinger. Konkret zum Beispiel durch Verhaltensprävention sowie mechanische Maßnahmen, die das Objekt für Vandalismus und Einbrüche unattraktiv machen. Damit meint er unter anderem gesicherte Fenster und eine gute Ausleuchtung rund ums Haus. Da seien Kameras nur eine Maßnahme von vielen.

Beratung

Die Polizei bietet eine technische Beratung zum Einbruchsschutz an. Dabei geht es auch um Fördermöglichkeiten und zertifizierte Firmen aus dem Sicherheitsbereich. Kontakt unter Telefon 04431/941137.

Von Ove Bornholt

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