Hohe Investitionen für digitale Technik

Realschule Wildeshausen: So sieht der Unterricht in Zukunft aus

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Planen die digitale Zukunft der Realschule: Rektor Jan Pössel und Lehrer Timo Horstmeyer (von links).

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Der Tafeldienst war eine etwas lästige Aufgabe in der Schule. Wenn der Lehrer den Klassenraum betrat, sollten die Kreidespuren seiner Vorgänger abgewischt sein. Die älteren Leser werden sich erinnern, während so mancher Jugendlicher bei dem Begriff ins Grübeln kommen dürfte.

Denn statt zum Schwamm zu greifen, drücken die Realschüler in Wildeshausen vor dem Stundenbeginn auf einen Knopf, damit das interaktive, etwa ein mal zwei Meter große Touchboard eingeschaltet ist, das zwischen zwei ausklappbaren Tafelhälften an der Wand hängt. Auf diesem kann der Lehrer schreiben, zeichnen, Filme zeigen und ins Internet gehen. 

Auch große Karten für den Geografieunterricht müssen deswegen nicht mehr durchs Gebäude geschleppt werden. „Die haben wir abgeschafft“, sagt Rektor Jan Pössel, der unserer Zeitung gemeinsam mit seinem Kollegen Timo Horstmeyer einen Überblick über die digitalen Pläne der Schule gibt. Letzterer ist Teil der didaktischen Leitung der Schule und für Digitalisierung sowie Informationstechnik (IT) zuständig.

Und in die IT investiert die Stadt Wildeshausen als Schulträger durchaus ordentlich. 2018 waren es 70.000 Euro, dieses Jahr stehen 93.000 Euro im Haushalt, und in den kommenden drei Jahren sind insgesamt 206.000 Euro angesetzt. Viel Geld, finden auch Pössel und Horstmeyer, die dankbar für die Unterstützung sind. „Wir mussten uns Gedanken darüber machen, was absolut erforderlich ist, um die Schüler auf das digitale Leben vorzubereiten“, sagt Horstmeyer. 

Schritt für Schritt werden rund 40 Touchboards angeschafft, die in den 31 Klassen- sowie den Fachräumen für Chemie, Biologie und Physik eingesetzt werden sollen. Hinzu kommen Laptops, um die Geräte anzusteuern, und Dokumentenkameras. Letztere stehen auf den Lehrerpulten und sind mit dem Touchboard verbunden. So können zum Beispiel ein Schülertext oder eine Zeichnung schnell mal auf den Bildschirm übertragen werden.

Was noch fehlt, ist ein Glasfaseranschluss. Der müsse in diesem Jahr unbedingt erfolgen, betonen Pössel und Horstmeyer. Es gebe seit anderthalb Jahren ein Wlan-Netzwerk, auf das die Lehrer und nach Autorisierung auch die Schüler Zugriff hätten. Aber die Kapazität reiche bei Weitem nicht aus.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Unterstützung bei der Verwaltung der Technik und der Daten. „Das ist für mich das größte Problem der Digitalisierung“, sagt Pössel. Klar, Druckerpatronen wechseln oder die im Netzwerk angemeldeten Benutzer pflegen, das könne die Schule machen. „Aber es müssen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“ Dabei richtet er sich sowohl an das Land als auch an die Stadt, die Schulträger ist. „Unser wesentlicher Job ist es, mit dem Material pädagogisch umzugehen. Wir können nicht die ganze Administration machen“, so Pössel. Er hat aber auch Verständnis dafür, dass zum Beispiel die Stadtverwaltung derzeit viele solcher Baustellen hat. Schließlich hätten alle Schulen das Problem. „Aber wir müssen Lösungen finden und die Verantwortung nicht hin- und herschieben.“

Der Wildeshauser Schulausschuss befasste sich am Donnerstagabend ebenfalls mit dem Thema. Günter Lübke (CDU) stellte fest: „Die Stadt hat die Kosten für die Systemadministration zu tragen. Das ist eine klare Verantwortung für Wartung und Pflege.“ Auch Elternvertreter Ralf Menke forderte: „Der Support muss jetzt laufen.“

Trotz all der neuen Technik will Pössel nicht komplett auf die klassische Tafel verzichten. Auch angesichts mancher Unkenrufe aus der Politik, die Kreidezeit sei vorbei. „Technik ist einfach anfällig“, sagt der Rektor. „Und die Tafel ist nicht plötzlich schlecht, weil es etwas Neues gibt. Keine zu haben, finde ich schräg.“ Allerdings versuchen viele der Realschullehrer, von denen knapp die Hälfte jünger als 40 Jahre ist, in den Räumen zu unterrichten, die schon mit der neuen Technik ausgestattet sind. Da werde dann auch mal der angestammte Klassenraum verlassen und ein anderer aufgesucht. Insgesamt sei das 65 Personen große Kollegium auf einem guten Weg, meint Pössel. Einige seien mehr angetan, andere weniger.

Und die Jugendlichen? „Für die ist das selbstverständlich“, sagt Horstmeyer. „Die haben die wenigsten Probleme.“ In den Klassen gibt es Medienschüler, die den Lehrkräften auch mal etwas erklären und Kabel in die richtigen Anschlüsse stecken. „Dadurch entsteht auch etwas Gegenseitiges“, so Pössel zum sich wandelnden Schüler-Lehrer-Verhältnis. „90 Prozent der Jugendlichen sind uns einfach voraus, weil sie mit der Technik aufgewachsen sind“, erklärt der Rektor. Dafür müssten sie noch viel lernen, was rechtliche Fragen, Privatsphäre sowie Datenschutz und -sicherheit angeht.

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