19-Jähriger muss sich auch für Widerstand gegen Polizisten verantworten

„Sexuelle Belästigung“ auf dem Sofa in zwei Versionen

Weiterer Verhandlungstermin: Der Prozess wird vor dem Amtsgericht fortgesetzt.
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Weiterer Verhandlungstermin: Der Prozess wird vor dem Amtsgericht fortgesetzt.

Wildeshausen – Die Anklage gegen einen 19-jährigen Wildeshauser vor dem Jugendgericht der Kreisstadt ist nicht ohne Gewicht: Der junge Mann soll eine etwa gleichaltrige Wildeshauserin in betrunkenem Zustand sexuell belästigt und sich massiv gegen zwei Polizisten gewehrt haben, die ihm einen Platzverweis erteilt hatten.

Während sich die Auseinandersetzung mit den Vollstreckungsbeamten am 14. Juli 2020 wohl wie angeklagt zugetragen hat, äußerten sowohl die Richterin als auch die Staatsanwältin nach der Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers der sexuellen Belästigung massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ausführungen. Ein Urteil gab es am Mittwoch noch nicht, weil zwei wichtige Zeugen nicht zur Verhandlung gekommen waren und nun entweder je 150 Euro Ordnungsgeld zahlen oder drei Tage in Haft müssen.

Dass es am 14. Oktober 2020 in der Wohnung der jetzt 21-jährigen Wildeshauserin zu einer sexuellen Übergriffigkeit gekommen war, stritt der Angeklagte nicht ab. Er habe die ehemalige Schulkameradin schon am Abend vorher zufällig in der Kneipe getroffen. Obwohl sie einen Freund hatte, sei es im Toilettenbereich zu Zärtlichkeiten gekommen. Man habe sich für den nächsten Tag zu einem Treffen mit Freunden verabredet.

„Sie hat gekichert und mich zweimal gebissen“

„Ich hatte am nächsten Abend viel getrunken“, berichtete der 19-Jährige. Im Kreis der Freunde habe er die Frau an den Händen gefasst, sie in den Arm genommen und „aus Spaß“ – wie am Vortag – auf dem T-Shirt die Brüste berührt. „Sie hat gekichert und mich zweimal gebissen“, berichtete er. Als sie „Hör auf!“ gesagt habe, habe er von ihr abgelassen. Seinen Angaben zufolge war er später von der Anzeigenerstattung schockiert.

Das mutmaßliche Opfer schilderte die Lage anders. Man habe sich seit Jahren an dem Abend das erste Mal wieder gesehen. Als sie im Freundeskreis auf dem Sofa gesessen hätten, habe er sie am Bein und an den Brüsten berührt. Er habe ihren BH geöffnet. Sie habe ihn gebissen und sei aufgesprungen, um zu ihrer Freundin ins Bad zu flüchten, die ihr vorher nicht geholfen habe.

Erst auf Nachfrage der Richterin gestand die 21-Jährige, dass es am Abend zuvor schon einen zärtlichen Kontakt gegeben hatte. Bei der Vernehmung durch die Polizei hatte die Frau angegeben, um Hilfe gerufen zu haben, woraufhin ihre Freundin gekommen war. Die Anzeige war zudem erst auf Anraten des Vaters erstattet worden.

Viele Widersprüche in der Aussage

„Wir haben hier viele Widersprüche“, stellte die Richterin fest. „Haben Sie überhaupt eine konkrete Erinnerung von dem Tag?“, fragte die Staatsanwältin. „Wieso erzählen Sie uns jetzt alles anders? Wie soll ich Sie als glaubwürdig einschätzen? Haben Sie das alles vielleicht dramatisiert?“

Das mutmaßliche Opfer verwies auf starke Depressionen und Angstzustände, konnte aber keine weiteren klaren Angaben machen, und weil die anderen damals anwesenden Personen nicht zur Verhandlung gekommen waren, wurde der Prozess auf den 16. Juni vertagt.

Was den Vorfall mit der Polizei vor einer Shisha-Bar in Wildeshausen betraf, wollte sich der 19-Jährige nicht mehr detailliert erinnern können. Seine Freundin habe an dem Tag mit ihm Schluss gemacht. Er habe sich abgeschossen, erklärte er. Auf zwei beteiligte Polizisten wirkte er aber noch klar. Sie mussten den Mann fixieren und zur Wache bringen. Bei dem Gerangel wurde eine Polizistin leicht am Handgelenk verletzt.  

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