57-jähriger Rollstuhlfahrer entsetzt über Service

Schwerbehinderter darf in Eiscafé nicht auf die Toilette und erhält Hausverbot

+
In diesem Wildeshauser Eiscafé fühlte sich Axel Krukenberg schlecht behandelt.

Wildeshausen - Seinen Besuch in der Wildeshauser Innenstadt am Sonnabend wird der schwer gehbehinderte Axel Krukenberg aus Osterholz-Scharmbeck noch lange in negativer Erinnerung behalten. Das allerdings in erster Linie, weil er in einer Eisdiele nach eigenen Angaben ganz schnell ein Hausverbot erhielt, als er sich freundlich nach dem Weg zu den Toiletten erkundigte.

Doch der Reihe nach: Krukenbergs Tochter hatte bei der Bremer Bürgerparktombola einen Kurzurlaub im Dreimädelhaus in Kirchseelte gewonnen. Am Sonnabend wollte sich Axel Krukenberg mit seiner Frau Doris dann einen schönen Tag in Wildehausen machen. „Wir suchten das Eiscafé an der Westerstraße auf. Meine Frau schaute nach einem Tisch im Außenbereich, und ich wollte eben die Toilette aufsuchen“, so Krukenberg, der diesen Sachverhalt auch Bürgermeister Jens Kuraschinski in einer E-Mail schilderte. 

Der 57-jährige Gast ist Rollstuhlfahrer, ging aber diesmal am Handstock in das Café. „Ich fragte dort einen jungen Mann, wo die Toilette ist. Als Antwort erhielt ich nur, dass ich hier nichts bekomme und das Lokal verlassen soll“, schilderte Krukenberg unserer Redaktion. „Auf meine Frage, was ich ihm getan habe oder ob wir uns kennen, meinte der Mann, solche Leute wie ich würden hier nichts bekommen. Er wies mich auf sein Hausrecht hin und forderte mich auf, das Lokal zu verlassen.“

Krukenberg reagierte sauer und begab sich zur Polizei. Dort trug er sein Erlebnis vor. „Die Beamtin schüttelte nur den Kopf“, berichtete er. „Sie hat im Café angerufen, um zu fragen, was passiert ist. Dort hat der Besitzer wohl gesagt, dass er heute schon mehrere Leute wie mich rausgeworfen hat.“

Axel Krukenberg

Da Krukenberg keine Anzeige erstatten konnte, fuhr er zurück nach Kirchseelte, checkte aus dem Hotel aus und fuhr heim nach Osterholz-Scharmbeck. „Ich wollte mich nicht noch mehr aufregen“, sagte er. Sein Herz sei nach einem schweren Unfall im Jahr 1995, den er nur knapp überlebt habe, nur noch zu 50 Prozent funktionsfähig.

Von zu Hause aus schrieb der 57-Jährige den Brief an den Bürgermeister. Dieser antwortete schnell und nach eigenen Angaben „etwas schockiert“: „So etwas darf nicht geschehen und ist, wie Sie selber schreiben, kein Ausdruck von Gastfreundlichkeit“, so Kuraschinski. Man werde den Cafébesitzer vom Stadtmarketing aus ansprechen.

Der Gastronom konnte sich auf Anfrage unserer Zeitung an den Vorfall erinnern, mochte dazu aber nichts erklären. Die Polizistin bestätigte am Montag das von ihr geführte Telefongespräch und die Aussage des Inhabers, er habe an dem Tag schon mehrere Personen des Cafés verwiesen. Einen Grund dafür habe er auf Nachfrage nicht nennen wollen. Krukenberg fragt sich nun, „ob das die Gastfreundschaft von Wildeshausen ist?“ So etwas sei ihm im Leben noch nicht passiert, erklärte er. 

dr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

US-Sanktionen gegen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

US-Sanktionen gegen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

Wir sind die Generation Sandwich, na und?

Wir sind die Generation Sandwich, na und?

Weihnachtsgeschenke gekonnt loswerden

Weihnachtsgeschenke gekonnt loswerden

New-York: Das bietet der Reichen-Rummel Hudson Yards

New-York: Das bietet der Reichen-Rummel Hudson Yards

Meistgelesene Artikel

Bauschutt unter dem Parkplatz

Bauschutt unter dem Parkplatz

Herbstwetter begleitet Weihnachtsmarkt

Herbstwetter begleitet Weihnachtsmarkt

Klaus Stark in der Rolle der Fortuna

Klaus Stark in der Rolle der Fortuna

Harpstedter Videothek rentiert sich nicht mehr - und macht bald dicht

Harpstedter Videothek rentiert sich nicht mehr - und macht bald dicht

Kommentare