Schwerbehinderte auf dem Arbeitsmarkt: Dem Landkreis fehlen die Zahlen

„Die Kernfragen bleiben damit unbeantwortet“

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Das Jobcenter des Landkreises Oldenburg kann momentan nur wenige Angaben zur Situation von Arbeitssuchenden mit Beeinträchtigungen machen. Das soll sich ändern.

Landkreis - Von Karsten Tenbrink. Das Jobcenter des Landkreises Oldenburg soll künftig separate Statistiken über Arbeitssuchende mit Beeinträchtigungen führen. Das fordert der Kreisbehindertenrat (KBR). Nur so ließe sich feststellen, wie erfolgreich das Bemühen um Inklusion im Landkreis ist.

Zum Hintergrund: Schwerbehinderte sind weitaus häufiger arbeitslos und warten deutlich länger auf einen Job als nicht behinderte Menschen. Eine Situation, die sich in den vergangenen fünf Jahren nicht wesentlich verbessert hat. Zu diesem Ergebnis kommt die Erhebung „Inklusionsbarometer 2014“ im Auftrag der Sozialorganisation „Aktion Mensch“.

Demnach waren im vergangenen Jahr bundesweit knapp 179000 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet, was einem Anteil von 14 Prozent und damit mehr als dem Doppelten der allgemeinen Arbeitslosenquote entspricht. Außerdem mussten Arbeitssuchende mit Beeinträchtigungen im Durchschnitt 95 Tage länger auf eine Stelle warten als andere Mitbewerber, 44,5 Prozent der behinderten Erwerbslosen sind mehr als ein Jahr lang ohne Job. Gemessen an diesen Zahlen hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht verschlechtert.

Die gesetzliche Vorgabe für Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern, mindestens fünf Prozent der Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen, erfüllt nicht einmal die Hälfte der Arbeitgeber in Deutschland. Rund 60 Prozent zahlen stattdessen eine Ausgleichsabgabe von bis zu 290 Euro im Monat pro nicht besetztem Pflichtarbeitsplatz.

Diese Zahlen waren Anlass für den KBR, bei der Verwaltung einmal nachzufragen, wie die Situation im Landkreis Oldenburg ist. Das war Anfang Dezember. Inzwischen gibt es eine Antwort. Oder zumindest den Versuch einer solchen. Denn das hiesige Jobcenter kann nur mit Angaben zum so genannten Arbeitslosengeld II dienen. Demnach beziehen knapp 390 Menschen mit einer Beeinträchtigung diese Leistungen, 178 von ihnen sind arbeitslos. Insgesamt gibt es im Kreis etwa 4550 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, von denen 1612 arbeitslos sind.

Im Hinblick auf die Höhe der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Beeinträchtigungen insgesamt ist diese Angabe allerdings nur sehr bedingt aussagekräftig. Auf zwei weitere Fragen des KBR hatte der Landkreis überhaupt keine Antwort: Weder zu den Unternehmen, die den geforderten Anteil an schwerbehinderten Mitarbeitern beschäftigen, noch zu der Vermittlungsquote von Menschen mit Beeinträchtigungen kann das Jobcenter Angaben machen. „Wir haben die Zahlen nicht“, erklärte Sozialamtsleiter Bodo Bode auf Nachfrage. Was das Einhalten der Beschäftigungsquote angehe, sei das Integrationsamt zuständig. Bei den Statistiken über Arbeitslose und ihre Vermittlung zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zu unterscheiden, sei amtlich nicht vorgegeben.

, kritisiert der KBR-Vorsitzende, Hans Sperveslage. Dass er auf diese Rückmeldung fast vier Monate warten musste, verstimmt ihn obendrein. Eine Bewertung der Situation von Kreisbewohnern mit Beeinträchtigungen auf dem Arbeitsmarkt sei anhand dieser Angaben nicht möglich. Deshalb werde der KBR beim Landkreis beantragen, dass das Jobcenter die entsprechenden Zahlen künftig erhebt.

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