Ungebrochene Lebensfreude

Schwer kranker Uwe Mahlstedt regt Fuß-und Radweg am Wöschenweg an

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Bürgermeister Christian Pundt (rechts) sicherte Uwe Mahlstedt seine absolute Unterstützung zu.

Kirchhatten - Von Lea Oetjen. Er hat die Lebensfreude noch lange nicht verloren. Obwohl Uwe Mahlstedt an der tödlichen Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) leidet, hat er Ziele, die er vor seinem Ableben unbedingt in die Tat umgesetzt wissen will. Nach seiner Abschiedstour im vergangenen Sommer möchte der Kirchhatter nun auch nachhaltig etwas verändern. Er fordert in einem Bürgerbegehren den zeitnahen Neubau eines Geh- und Radwegs entlang des Wöschenwegs in der Gemeinde Hatten.

„Ich war vor knapp einem Monat mit meinem E-Rollstuhl in Sandhatten unterwegs. Auf dem Wöschenweg zwischen Sandkruger und Sandhatter Straße ereigneten sich kuriose Szenen“, erinnert sich Mahlstedt. „Szenen, die eine große Gefahr darstellen.“ Laut Straßenverkehrsordnung ist er außerhalb geschlossener Ortschaften dazu verpflichtet, mit seinem E-Rollstuhl am linken Straßenrand zu fahren. „Da kommen Autos mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde angerast und müssen vor mir eine Vollbremsung einlegen, weil Gegenverkehr kommt“, erzählt der 52-Jährige. Noch gefährlicher wird es, wenn er mit seiner Frau oder Freunden eine Tour macht. „Dann fahre ich auf der linken Straßenseite und meine Begleitung auf ihrem Fahrrad rechts“, ärgert sich Mahlstedt.

Sein Anliegen beziehe sich nicht nur auf seine gegenwärtige Situation. „Viele Kinder müssen die Strecke täglich auf dem Weg zur Schule hinter sich bringen. Auch Senioren sind dort unterwegs. Das sind unzumutbare Zustände.“ Für die Jungen und Mädchen seien auch die sozialen Kontakte in Gefahr. „Die Eltern sorgen sich logischerweise ihre Kinder auf dieser Straße fahren zu lassen. Aus Angst lassen sie daher Treffen, die dies erfordern, nicht zu“, weiß der 52-Jährige.

Große Unterstützung vom Bürgermeister

Große Unterstützung erfährt er vom Hatter Bürgermeister Christian Pundt. Mahlstedt überreichte ihm kürzlich seinen Prüfungsantrag auf Zulässigkeit des Bürgerbegehrens. „Ich werde meiner Pflicht auf jeden Fall nachkommen und dir helfen, wo ich kann“, versprach ihm Pundt.

Wird die Zulässigkeit bestätigt, kann sich der 52-Jährige auf Unterschriftenjagd machen. „Ich brauche 1 090 Personen, die für den Neubau eines Fuß- und Radwegs stimmen – also zehn Prozent der Bürger der Gemeinde, die bei der vergangenen Wahl abstimmungsberechtigt waren“, hat sich der Kirchhatter bereits informiert. Die Listen werden dann in Schulen, Kirchen, Altersheimen und Geschäften ausgelegt, weil es „einfach alle betrifft“. Sollte es dem Familienvater tatsächlich gelingen, die benötigen Fürsprecher zu mobilisieren, würde es zu einem Bürgerentscheid kommen. Betroffene sowie Unterstützer können sich per E-Mail an gehundradweg.woeschenweg@ewetel.net bei Mahlstedt melden und sich genauer informieren.

„Es ist mir auf jeden Fall bewusst, dass mein Plan auch Gegner hat“, weiß Mahlstedt. Als er seine Idee vor mehreren Wochen auf Facebook veröffentlicht hat, sah er sich mit Kommentaren wie „Wenn du kein Rad fahren kannst, dann lass es“ konfrontiert. „Die Kritiker und die bösen Kommentare haben mich motiviert“, gesteht der 52-Jährige.

Auch wenn Mahlstedt nicht weiß, wie lange ihm noch bleibt. Er hat etwas an sich, dass ihn von vielen unterscheidet. Er lebt jeden Tag, als wäre es sein Letzter.

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