Alfred Panschar zeigt Fotos bekannter Wildeshauser / Rathaussaal voll besetzt

Schwelgen in Erinnerungen

Ehrung für 25 Jahre in der Gilde, 1982: Bernhard Niester, Herbert Panschar, Johann Webermann, Klaus Denker, Hans-Werner Ahlert und Alfred Panschar (von links).

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Gelächter dringt aus den geöffneten Fenstern des Rathaussaals auf den Wildeshauser Marktplatz. Drinnen erzählt Heimatforscher Alfred Panschar die Geschichte von Bernd „Scheiß“ Niester, der als Junge seine Notdurft mal im Schuh eines Lehrers der katholischen Volksschule verrichtet hatte. Damals stellten die Pädagogen ihre Schuhe noch vor die Tür. Zur Freude und Erleichterung des späteren Friseurs aus Zwischenbrücken. Es sind Erzählungen wie diese, die die rund 80 Zuhörer am Dienstagabend zum Vortrag „Zwischen Schulklassen, Stadtratsmitgliedern und Schützengilde – Wildeshauser Köpfe seit der Nachkriegszeit“ ins Rathaus gelockt haben. Serviert bekommen sie diese von einem bestens aufgelegten Panschar, der im lockeren Plauderton alte Fotos kommentiert, zu denen auch viele Zuhörer etwas zu sagen haben.

Immer wieder erscheinen historische Aufnahmen auf der Leinwand, und Panschar fragt, ob jemand aus dem Publikum eine Person erkennt. „Das ist doch ein Luthardt“, ruft jemand, eine Zuschauerin erkennt ihre Schwester auf einem Foto. Manchmal sind die Erkenntnisse allerdings kurios: „Du kennst ja sämtliche Frauen mit Vornamen...“, wundert sich Panschar über die wiederholten Kommentare eines Zuhörers. „Mit der war ich aber nicht zusammen“, rechtfertigt sich dieser unter dem Gelächter der Anwesenden.

Es ist allgemein eine lockere Stimmung. Viele Sitznachbarn kommen ins Gespräch über alte Zeiten, tauschen Geschichten aus und schwelgen in Erinnerungen an die Zeiten, als in der Kleinstadt Wildeshausen noch jeder jeden kannte. Allerdings sind unter den Zuhörern nicht nur Senioren, sondern auch jüngere Leute, die an der Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner interessiert sind.

Panschar spricht seine Zuhörerschaft direkt an und gibt auch manche eigene Geschichte zum Besten. Zum Beispiel, als er als Junge zu spät zur Mittelschule kam und beschloss, die Fassade hochzuklettern, um unauffällig über die Balkontür ins Gebäude zu gelangen. „Da kraxelte ich hoch, und wer stand da oben? Lehrer Bernhard Behrens! Der schüttelte kurz seine Hand aus, und dann hat der mir ordentlich eine gescheuert.“ Auch im Publikum kursieren Geschichten über Lehrer, die freitagmorgens lieber zum Stammtisch im inzwischen abgerissenen Restaurant Wolters zusammenkamen, als in der ersten Stunde zu unterrichten.

Manchmal allerdings kann auch das geballte Wissen aller Anwesenden nicht helfen. Zum Beispiel bei einer Aufnahme im Garten von Irmapia Bahrenburg zum 70. Geburtstag der in Wildeshausen und umzu bekannten Schriftstellerin, Rezitatorin und Schauspielerin. Da rätseln die Zuhörer lange über die Identität einiger Personen auf dem Foto. „Eine große Hilfe seid ihr nicht“, scherzt Panschar. Anders bei einem Bild, das ein Fahrzeug der Firma Hüffermann und mehrere Mitarbeiter zeigt. Hier kann jemand aus dem Publikum weiterhelfen. Manchmal sind die Antworten auf die Fragen des Heimatforschers allerdings auch so offensichtlich, dass er sie selber gibt. „Und der hübsche Junge in der Lederhose, wer ist das? Das bin ich!“, ruft Panschar zu einem Foto vom Kinderschützenfest und steigert damit noch die Heiterkeit im voll besetzten Saal.

Und immer wieder ertönt ein „Ach, der ist das“, wenn der Heimatforscher die Identität der Personen auf den Fotos enthüllt. „Den ,Lieben Gott‘ kennt jeder“, sagt Panschar und verweist auf ein Foto mit Tischlermeister August Frerichs. Wenn der ein Möbelstück anfertigen sollte und gefragt wurde, wann es denn wohl fertig sei, habe er geantwortet: „Das weiß der liebe Gott.“

Überhaupt dreht sich an diesem Abend viel um alte Wildeshauser wie Karl Stegemann („Tüt“) oder Johann Varnhorn („Jan Watermann“). Und immer wieder wecken Panschars Fotos Erinnerungen an die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Geschichte im Rathaus

Der Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen lädt jeweils im Winterhalbjahr zur Vortragsreihe „Geschichte im Rathaus“ ein. Die nächsten drei Termine sind: Dienstag, 22. Oktober, „Wildeshausen! Luftschiffhafen! – Ei, wer hätte das gedacht!“, Dienstag, 12. November, „Die Entwicklung der Laienchöre in Nordwestdeutschland. Problematik der Männerchöre und Lösungsansätze für die Zukunft“ und Mittwoch, 27. November, „Paradies am Rande Europas. Impressionen aus Georgien von 1992-2017“. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, der Eintritt kostet fünf Euro.

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