AUS DEM GERICHT 79-Jähriger soll Asbest auf Koppel gelagert haben

Schuppen weg, Anklage eingestellt

So sah der Unterstand im Februar 2016 aus. archivFoto: dr

Wildeshausen – Nachdem ein in sich zusammengefallener, mutmaßlich mit Asbestplatten gedeckter Pferdeunterstand das Amtsgericht in November rund 90 Minuten im Rahmen einer kontrovers verlaufenden Verhandlung beschäftigt hatte, machte die Richterin am Dienstag kurzen Prozess. Bevor es überhaupt zu einer erneuten Anklage kam, bat sie den Verteidiger und den Staatsanwalt zu einem nicht öffentlichen Rechtsgespräch und stellte das Verfahren anschließend auf Kosten der Staatskasse ein.

Der 79-jährige Pferdekoppelbesitzer aus Wildeshausen verabschiedete sich mit einem „Auf Nichtwiedersehen“ aus dem Gerichtssaal, war aber zufrieden damit, dass der Fall mit dem Vorwurf „unerlaubter Umgang mit Abfällen“ nicht noch einmal aufgerollt wurde. Schon vor einem halben Jahr hatte er sich als das Opfer einer Diffamierung eines Grundstücksnachbarn gesehen und aufbrausend auf die Vorwürfe reagiert.

„Für mich ist jetzt entscheidend, dass der Unterstand entsorgt wurde“, so die Richterin, die nach der November-Verhandlung mit sehr widersprüchlichen Aussagen sowie Beweisanträgen weiter recherchiert hatte und zu dem Entschluss gekommen war, dass der Sachverhalt wohl nie ganz aufzuklären gewesen wäre. Zudem hätte sie eine Reihe von Zeugen vorladen müssen – ein Aufwand, der angesichts eines vormals ausgesprochenen Strafbefehls von 300 Euro unverhältnismäßig gewesen wäre.

Der Unterstand war vor einigen Jahren vielen Autofahrern aufgefallen, die vom Nordring kommend die Breslauer Straße befuhren. Der baufällige Schuppen stand auf einer regelmäßig vom Hochwasser überschwemmten Pferdekoppel.

Der Geschäftsführer des an die Weide grenzenden Unternehmens hatte die Wildeshauser Stadtverwaltung am 17. März 2017 per E-Mail darüber informiert, dass der Verschlag „seit Monaten“ eingestürzt sei. Er äußerte die Befürchtung, dass es sich bei dem Dach um asbesthaltige Eternitplatten handeln könnte.

Der zuständige Polizeihauptkommissar für Umweltdelikte sah sich die Lage vor Ort an und kam zu der Einschätzung, dass tatsächlich Asbest auf dem Boden lag. Das zog eine Anzeige nach sich.

Der Angeklagte gab jedoch an, den Schaden bereits Ende 2016 gesehen zu haben. Er habe eine Entsorgungsfirma eingeschaltet, die aber darauf hingewiesen habe, die Platten wegen des morastigen Bodens erst im Mai abtransportieren zu können. Der Landkreis Oldenburg habe keine Bedenken wegen einer eventuellen Umweltbelastung gehabt.

Alle Beteiligten mussten nun nicht mehr gehört werden und wurden kurzfristig ausgeladen. Das Asbest ist seit mehr als zwei Jahren entsorgt. Auf der Koppel stehen keine Pferde. Lediglich der Zwist zwischen dem Grundstücksbesitzer und dem Anzeigenerstatter dürfte eine außergerichtliche Fortsetzung finden, denn offenbar gibt es weitere Unstimmigkeiten über die Nutzung der benachbarten Flächen.  dr

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