Umfrage bei großen Arbeitgebern

So schützen sich Firmen in Wildeshausen vor dem Coronavirus

Bei Großbetrieben wie hier bei Atlas Weyhausen in Wildeshausen muss die Produktion weitergehen. Foto: Weyhausen
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Bei Großbetrieben wie hier bei Atlas Weyhausen in Wildeshausen muss die Produktion weitergehen.

Wildeshausen - Nicht nur Privatleute, auch Unternehmen sind vom Coronavirus betroffen. Unsere Zeitung hat bei großen Arbeitgebern in Wildeshausen nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen:

Atlas Weyhausen

„Zurzeit spüren wir nur geringe Auswirkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Erste kleiner Lieferengpässe gab es vor vier Wochen aus China, jedoch ohne wesentliche Auswirkungen in der Produktion“, teilt Geschäftsführer Klaus Brunkhorst mit. Die maßgeblichen Lieferanten würden aus Europa kommen. „Die derzeitige Entwicklung in den europäischen Ländern bleibt abzuwarten. Hier könnte es in den nächsten Wochen zu Schwierigkeiten in den Abläufen innerhalb der Produktion kommen.“

Zum Schutz der Mitarbeiter habe der Betrieb schon vor Jahren Desinfektionsmöglichkeiten geschaffen. Diese würden nun auf sämtliche Eingangsbereiche ausgedehnt. Weiterhin erfolge im Empfang eine Kontrolle der Gäste. Gleiches gelte für die Fahrer der Speditionen. Termine mit Gästen vor Ort oder Reisen zu Lieferanten/Kunden seien auf das absolut Notwendige eingeschränkt. „Kollegen, die sich derzeit in Las Vegas auf einer Messe befinden, werden nach der Rückkehr 14 Tage im Home Office arbeiten. Insgesamt folgen wir der Hygiene- Empfehlung der Bundesregierung und versuchen, keine Panik aufkommen zu lassen.“

Agrarfrost

Agrarfrost hat einen Expertenstab aus Geschäftsführung und Fachabteilungen gebildet und einen vorsorglichen Maßnahmenplan erstellt, teilte das Unternehmen mit. Die Kartoffeltiefkühlproduktion an den beiden Produktionsstandorten in Aldrup und Oschersleben bei Magdeburg laufe derzeit aber wie gewohnt weiter. Im Zuge der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus habe der Betrieb die bereits bestehenden strengen Hygienevorschriften für die Belegschaft sowie Dritte wie Lieferanten oder Dienstleister weiter erhöht. Dazu zählen zum Beispiel gesonderte Schulungen mit Empfehlungen der zuständigen Behörden, die im E-Learning-System angeboten werden.

Beispielhaft nennt das Unternehmen unter anderem folgende konkrete Maßnahmen: Meetings und Konferenzen werden am Telefon oder per Video durchgeführt, der Besuch zwischen den Werken und Betrieben ist genauso untersagt wie die Teilnahme an Messen oder Großveranstaltungen und Mitarbeiter sowie Externe mit Zugangsberechtigung müssen sich Gesundheitschecks unterziehen.

Auch in der Kreisverwaltung wird weiter gearbeitet. ArchivFoto: Hansemann

Kreisverwaltung

In der Kreisverwaltung in Wildeshausen sind die Mitarbeiter übers Intranet informiert worden, Abstand zu halten und auf das Händeschütteln zu verzichten. „Dafür lächeln wir noch deutlicher“, sagt Kreissprecher Oliver Galeotti. Das Kreishaus sei nun mal ein öffentliches Gebäude, deswegen werde es immer Kontakte zu Besuchern geben. Und in einigen Arbeitsbereichen müsse der Betrieb auch auf jeden Fall weitergehen. „Zum Beispiel bei Zahlungen im Sozialbereich oder beim Unterhaltsvorschuss.“ Dienstreisen und Gesprächsrunden im Haus seien stark eingeschränkt, und die Kreisverwaltung versucht, mehr Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten zu lassen.

Geestland

„Wir beobachten die Lage und die weitere Entwicklung sehr genau und stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsämtern“, sagte eine Sprecherin von Geestland. Im Sinne des Infektionsschutzes habe der zur PHW-Gruppe gehörende Betrieb die ohnehin schon strengen Hygienevorschriften zum bestmöglichen Schutz aller Beschäftigten nochmals verschärft und unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt: Die Sensibilisierung hinsichtlich möglicher Ansteckungsgefahren mit dem Virus sowie möglicher Symptome bei Erkrankung, die Reduzierung der Dienstreisen auf das absolute Minimum und die Regelung, externe Besucher nur zu empfangen, wenn es unbedingt erforderlich ist. Zudem müssten diese darlegen, dass sie in den vergangenen 14 Tagen in keinem Risikogebiet waren.

Hermes/MIT

Ingo Hermes, Geschäftsführer von Hermes-Systeme und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung (MIT), ist erstaunt über die weltweite Hysterie. „Über Sinn und Unsinn kann ich mir aber kein Urteil erlauben.“ Er befürchtet gravierende wirtschaftliche Konsequenzen der allerorts ergriffenen Schutzmaßnahmen. „Die möglichen Folgen für die Wirtschaft sind aus meiner Sicht dramatisch. Einen mittelständischen Betrieb einfach mal über Wochen in Quarantäne zu versetzen, kann durchaus die Existenz bedrohen. Wirtschaftliche Hilfen sollten schon jetzt klar und deutlich festgelegt und kommuniziert werden.“ Hermes-Mitarbeiter würden angehalten, auf das Händeschütteln zu verzichten sowie auf ausreichende Hygiene wie Händewaschen und Desinfizieren zu achten. Ansonsten setzt Hermes auf Telefon, E-Mail und Videokonferenzen statt persönlicher Gespräche. Kundenbesuche seien möglichst zu vermeiden. Kollegen könnten vermehrt von zu Hause arbeiten. Das gelte aber natürlich nicht für Mitarbeiter, die direkt in der Produktion tätig sind.

Stadtverwaltung

„Oberstes Gebot innerhalb der Stadtverwaltung ist es, zunächst einmal Ruhe zu bewahren“, sagt Hans Ufferfilge, Sprecher der Stadt Wildeshausen. Zur Minimierung des Infektionsrisikos habe die Verwaltung die Mitarbeiter auf verschiedene Verhaltensweisen und Hygienemaßnahmen hingewiesen.

„Selbstverständlich können wir arbeitgeberseitig nicht verhindern, dass sich Mitarbeiter infizieren. Eines Tages wird dies auch geschehen, wie Fachleute unlängst annehmen.“ Die Frage sei nur, in welchem Zeitraum dies geschieht. Problematisch sei die Infektion eines Mitarbeiters daher vor allem, wenn das jetzt zeitnah passiert. „Für diesen Fall hat Bürgermeister Jens Kuraschinski ein kleines Team gebildet, das vorsorglich entsprechende Szenarien erarbeitet, um angemessen reagieren zu können. Es wird hier allerdings sehr auf die Umstände des Einzelfalles ankommen, daher können wir gegenwärtig nicht mehr sagen“, teilte der Stadtsprecher mit.

Grashorn

Bei Grashorn sind Mitarbeiter angehalten, ihren Urlaub und Überstunden abzubauen, Hygiene-Anweisungen zu befolgen, falls möglich vermehrt von zu Hause zu arbeiten und bei Eigenverdacht nicht zum Betrieb zu kommen. Der Betrieb stehe im Austausch mit Kunden und Lieferanten, um bei Bedarf die Fertigungsplanung anzupassen. „Wir hoffen auf Verschonung“, so Geschäftsführer Gerald Grashorn abschließend.

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