Abstandsmarkierungen auf dem Boden

Betriebe rüsten Kassen um: So schützen sich Einzelhändler vor Corona

Kioskbetreiber Axel Großmann (links) hat für seinen Laden Corona-Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.
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Kioskbetreiber Axel Großmann (links) hat für seinen Laden Corona-Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.

Wildeshausen - Wer hätte das vor ein paar Wochen für möglich gehalten? Wo sonst bei den Discountern die Menschen an der Kasse drängeln, müssen Kunden jetzt einen Sicherheitsabstand einhalten, Kassierer versuchen, sich mit Kunststoffscheiben vor der Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus zu schützen, und inzwischen haben viele Geschäfte zu. Wir haben uns in einigen Läden der Stadt umgesehen.

Seit Beginn dieser Woche sind von den Corona-Einschränkungen auch Baumärkte betroffen, die ihre Ware nur noch an gewerbliche Kunden verkaufen dürfen. Eine entsprechende Bescheinigung ist vorzulegen. Dabei war zum Beispiel der Toom-Markt in Wildeshausen einer der ersten, in dem die Kassierer geschützt wurden. Schon wer am Freitag den Baumarkt am Westring betreten wollte, wurde zunächst von einer Mitarbeiterin ausgebremst. „Einen kleinen Moment bitte“, sprach sie die Menschen freundlich, aber bestimmt an. „Bitte halten Sie Abstand zu anderen Kunden. Eine Beratung kann derzeit nicht stattfinden. Die Serviceleistungen sind eingeschränkt“, gab sie den Einkaufswilligen mit. Im Kassenbereich war Acrylglas angebracht, um die Angestellten vor der Tröpfchenübertragung zu schützen und mit Bodenmarkierungen sollen die Kunden in der Kassenschlange auf Abstand gehalten werden.

„Es sind besondere Maßnahmen zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter eingeführt worden. Dazu zählt unter anderem die Einhaltung von Abständen, besonders im Kassenbereich, das vorrangige Bezahlen per Karte sowie die Steuerung des Zutritts, um Kundenströme zu regulieren“, teilte Daniela Rissinger, Sprecherin der Rewe Group, zu der Toom gehört, mit. Wie Nicole Kloska von der Marktleitung der Wildeshauser Filiale berichtete, wurde das Sicherheitskonzept von den Kunden mehrheitlich mitgetragen. „Es gibt nur wenige Ausnahmen. Die weisen wir dann freundlich darauf hin.“

Schutz für Kassierer: Toom-Marktleiterin Nicole Kloska (links) mit Mitarbeiterin Christina Dardes, die hinter einer Acrylglasscheibe steht.

Das Sortiment, das bis Montag nachgefragt worden war, habe sich durch die Ausnahmesituation nicht verändert, sagte Kloska. Die Zentrale weist indes auf den Start der klassischen Frühjahressaison hin. „Wenn ich meinen Garten fertig habe, werde ich die Wohnung renovieren. Besser kann ich die Zeit doch nicht nutzen“, meinte ein älterer Herr, der am Freitag mit vollem Einkaufswagen den Markt verließ.

Kioskbetreiber desinfiziert ausgiebig

Inzwischen haben viele Betriebe ähnlich gehandelt. Wobei dies nicht überall gleichermaßen möglich ist. Der Kioskbetreiber Axel Großmann an der Huntestraße hat sich als einer der ersten Händler vor dem Coronavirus schützen wollen – durch das Tragen von Latex-Handschuhen und ausgiebiges Desinfizieren im Laden. Doch Großmann fragte sich, was in seinem kleinen Geschäft, das mit Zeitungen, Tabakwaren und einem langen Tresen ziemlich vollgestopft ist, noch machbar ist. Da kam der Geschäftsmann bereits vor ein, zwei Wochen auf die Idee, den Kundenstrom mit Absperrbändern zu trennen. „Die Leute sollten sich nicht mehr direkt begegnen“, erklärte er. Die Menschen können nunmehr nur rechtsläufig um das Zeitungsregal herum an die Kasse gelangen. Der direkte Zugang ist versperrt. Schilder weisen den Weg.

Abstandsmarkierungen auf dem Boden wie hier bei Toom sind inzwischen in vielen Märkten üblich.

„Die meisten finden die Maßnahme gut und halten sich daran“, erzählte Großmann. „Teils wird es aber auch belächelt und nicht eingehalten“, ergänzte er. Letztere Kunden spricht er in der Regel direkt an und wirbt um ihr Verständnis. Kunden wie Gerd Schneider unterstützen den Händler dabei. „Ab einem gewissen Alter gehört man automatisch zur Risikogruppe“, so der ehemalige Heil- und Erziehungspfleger verständnisvoll.

Die Kunden fragten immer noch die gleichen Waren nach. Das habe sich nicht geändert, sagte Großmann. Doch wirke sich die Zwangsschließung vieler Geschäfte in der Innenstadt auf seinen Umsatz aus. „Es ist ja keine Bewegung in der Stadt“, beklagte der Ladeninhaber das Ausbleiben der Laufkundschaft. Seine Stammkunden seien es, die ihn über Wasser hielten. Außerdem gibt es für diesen Kundenkreis immer einen lockeren Spruch gratis obendrauf.

Sicherheitsdienst bei Aldi an der Dr.-Dürr-Straße

Nicht ganz so entspannt wirkte der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der am Montagvormittag im Aldi an der Dr.-Dürr-Straße stand. Der junge Mann lehnte sich an ein Kassenband, das gerade nicht in Betrieb war, und beobachtete die Kunden, die die einzige geöffnete Kasse benutzten. Es war nicht allzu viel los, und die Kunden hielten sich an die Sicherheitsabstände, die durch Markierungen auf dem Boden verdeutlicht wurden.

Auch bei Aldi sollen Kunststoffscheiben die Kassierer vor einer Tröpfcheninfektion schützen. Die Mitarbeiter tragen Plastikhandschuhe. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen herrschen zum Beispiel im K+K-Markt an der Heemstraße. Dort gab es zwar am Montag keinen Tröpfchenschutz, aber die Angestellten kassierten nur noch mit Handschuhen. Viele Kunden setzten ebenfalls auf diese Vorsichtsmaßnahme. Hin und wieder kaufte jemand auch mit einer Atemschutzmaske ein. Und wenn die Menschen sich nicht an den Sicherheitsabstand hielten, sprachen die Kassierer die Kunden an.

Sonderpostenmarkt Zimmermann noch regulär geöffnet

Unter den Geschäften, die geöffnet haben, fällt der Sonderpostenmarkt Zimmermann an der Ahlhorner Straße auf, der ebenfalls noch nicht geschlossen ist – und das, obwohl Baumärkte nur noch gewerbliche Kunden reinlassen dürfen und Gartencenter ganz dicht sind. Das Unternehmen darf weiterhin seinen Geschäften nachgehen, weil dort auch Lebensmittel, Getränke, Tiernahrung und Drogerieprodukte verkauft werden.

Allerdings ist auf dem Parkplatz längst nicht mehr so viel los wie sonst. Die Kunden werden auch hier gebeten, Abstand zu halten und wenn möglich mit Karte zu zahlen. Alles, damit sich das Coronavirus nicht so schnell verbreitet.

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