Heilerziehungspflegeschule protestiert gegen Ungleichbehandlung

Schüler müssen weiter zahlen

Protest gegen Schulgeld für die Heilerziehungspflegeausbildung vor der Einrichtung in Wildeshausen. Foto: Schule

Wildeshausen – Angehende Gesundheits- und Krankenpfleger, Erzieher, Logopäden, Physio- sowie Ergotherapeuten und Podologen sind mittlerweile von den Ausbildungskosten befreit. Nur Heilerziehungspfleger müssen weiterhin bezahlen. Darauf weist die Heilerziehungspflegeschule in Wildeshausen hin und schließt sich nun einer Kampagne der Lebenshilfe in Niedersachsen an, damit auch ihre Schüler von den Gebühren befreit werden.

„Die Heilerziehungspflege beinhaltet in der Regel keine Vergütung. Oftmals fällt diese – wenn überhaupt vorhanden – sehr gering aus“, so der Wildeshauser Schulleiter Ingo Tietmann in einer Mitteilung. Von daher sei es nicht akzeptabel, dass die Schüler 90 bis 150 Euro monatlich zu bezahlen hätten. „Heilerziehungspfleger sind Fachkräfte für Inklusion und Teilhabe, sie werden in allen Altersgruppen eingesetzt. Diese Berufsgruppe steht für die Gleichberechtigung aller Menschen, dennoch ist es ausgerechnet dieser Beruf, der bei der Schulgeldbefreiung nicht berücksichtigt wurde und voraussichtlich auch nicht wird“, kritisiert Tietmann.

„Wir brauchen die Umsetzung der Schulgeldfreiheit für die Heilerziehungspflege schnell und unkompliziert“, so der Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe Niedersachsen, Holger Stolz. „Wir können nicht länger warten. Der Fachkräftemangel ist auch in den Einrichtungen der Lebenshilfe jeden Tag spürbar“, unterstreicht Stolz und führt weiter aus: „Mit unserer Aktion wenden wir uns direkt an den Ministerpräsidenten und erinnern ihn an das Versprechen im Koalitionsvertrag, Schulgeldfreiheit umfassend umzusetzen.“

Matthias Ambacher, Lehrkraft an der Fachschule Heilerziehungspflege Wildeshausen, ist der Meinung, dass die Einführung des Schulgeldes vor einigen Jahren dazu geführt hat, dass viele junge Menschen nicht mehr den Weg in die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger gefunden haben. „Gerade in Zeiten, wo die Inklusion in aller Munde ist, erscheint es zweifelhaft, warum ausgerechnet die Heilerziehungspflege von der Schulgeldbefreiung ausgeschlossen bleiben soll“, sagt er. „So werden die Fachkräfte für Teilhabe und Inklusion sowie Menschen mit Beeinträchtigung gleichermaßen benachteiligt.“

Neele Wollmann, Schülerin der Abschlussklasse in Wildeshausen, meint: „Der Beruf des Heilerziehungspflegers ist existenziell wichtig für unsere Gesellschaft, damit jeder Mensch die Chance bekommt, als ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft akzeptiert zu werden. So sollte auch jeder die Chance bekommen, diese Ausbildung machen zu können. Und nicht durch ein Schuldgeld behindert werden.“

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