Schreibmaschinen von „Charly“ Weiß zieren WZ-Druckereimuseum

Stoßstangenmaschine stammt aus dem Jahr 1894

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Käthe Weiß an einer alten Adler, die sie zu Hause behalten hat.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Er selber kann es nicht mehr sehen, er ist im Januar 2013 mit 71 Jahren verstorben, aber es war sein großer Wunsch: Über 40 Schreibmaschinen von Karl-Heinz Weiß, den ganz Wildeshausen eigentlich nur unter „Charly“ kannte, stehen jetzt im Druckereimuseum der Wildeshauser Zeitung – als Zeitzeugen für die verschiedenen Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Im Jahr 1969 kam Weiß in die Wittekindstadt, wo er an den Berufsbildenden Schulen (BBS) bürotechnische Fächer und Sport unterrichtete. 1975 nahm auch Ehefrau Käthe ihren Dienst an den BBS auf. Sie unterrichtet bis heute ebenfalls Bürokommunikation, wie es jetzt heißt: „Früher gehörten noch Kurzschrift und Schreibmaschineschreiben dazu.“

Noch sehr gut kann sich Käthe Weiß erinnern, als ihr Mann plötzlich die Idee hatte, Schreibmaschinen zu sammeln: „Damit hat er Anfang der 70er Jahre begonnen. Er wusste immer, wo er noch eine oder gleich mehrere Maschinen bekommen konnte. Er hat ja auch sehr viele Menschen gekannt.“ Im Laufe der Jahre sei somit eine recht umfangreiche Sammlung entstanden: „Karl-Heinz hat sehr viel Freude daran gehabt, weil ihn die Entwicklung der Maschinen einfach interessiert hat.“ Ein Blick in die Regale zeigt, dass sich darunter sehr viele Raritäten befinden. Zu sehen sind unter anderem auch die „Adler Modell 7“, eine Stoßstangenmaschine aus dem Jahr 1894, sowie eine uralte Punktschriftmaschine (Blindenschreibmaschine).

Im Jahr 1993 ist Weiß wegen schwerer gesundheitlicher Probleme aus dem Schuldienst ausgeschieden. Bis 2006 hat er dann an der Nordsee Wattwanderungen und Salzwiesen-Führungen angeboten. „Mit der Küste waren wir beide schon seit vielen Jahren eng verbunden“, sagt Weiß.

Die Schreibmaschinen aber standen weiterhin in einer Glasvitrine in den BBS, weil für die Menge zu Hause einfach kein Platz war „Dann aber musste die Glasvitrine aus Sicherheitsgründen vom Schulflur verschwinden. Die Schulleitung hat uns angeboten, die Maschinen auf dem Boden zu lagern“, erzählt Weiß. Aber die Erfüllung sei das für „Charly“ nie gewesen: „Es war eben immer sein großer Wunsch, die Maschinen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Irgendwann kam dann der Gedanke auf, dass sie sehr gut ins Druckereimuseum der WZ passen würden.“

Mehrmals seien Anläufe gemacht worden, dies zu verwirklichen, aber leider habe er immer wieder gesundheitliche Rückschläge erlitten, so dass dieses Vorhaben in den Hintergrund gerückt worden sei. „Ich wollte aber Charly diesen Wunsch erfüllen, so dass ich jetzt noch einmal Kontakt zu Herrn Hesse von euch aufgenommen habe“, betont Weiß. Dann sei auch alles recht zügig gegangen: „Lehrer Olaf Hansch hat auf unsere Kosten die Regale gebaut, die dann von einigen BBS-Schülern im Museum aufgebaut wurden.“ Schade sei nur, dass „Charly“ nicht mehr sehen könne, wie seine Schreibmaschinen im Museum zur Schau gestellt werden.

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