„Wir lieben auch Menschen, aber Hunde mehr“

Schöner Lebensabend für Hunde auf dem Düngstruper Gnadenhof „StayForever“

„Enya“ verfolgt einen schwarzen Ball aus Plastik. In vollem Tempo bugsiert sie ihr Spielgerät über den Rasen. - Fotos: bor
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„Enya“ verfolgt einen schwarzen Ball aus Plastik. In vollem Tempo bugsiert sie ihr Spielgerät über den Rasen. 

Düngstrup - Von Ove Bornholt. Der Ofen bollert, behagliche Wärme breitet sich in der Diele eines großen Resthofes in Düngstrup aus. Am großen Holztisch sitzen Isabell Kaczorek, von allen nur „Bella“ gerufen, und Eva-Maria Liersch. Die beiden Frauen sind erste und zweite Vorsitzende des Vereins, der hinter dem Gnadenhof „StayForever“ steht. „Wir lieben auch Menschen, aber Hunde mehr“, sagt Liersch inmitten der Vierbeiner, die ihren Lebensabend auf dem Hof verbringen. Ohne den Einsatz der beiden und anderer Vereinsmitglieder wären einige dieser Tiere wohl bereits eingeschläfert worden, weil sie alt, krank oder etwas schwierig sind.

Da wäre zum Beispiel Schäferhundmischling „Enya“. Die Hündin mit dem hübschen, hellen Fell ist acht Jahre alt und verträgt sich partout nicht mit ihren Artgenossen. „Sie ist an eine Familie vermittelt worden, aber nach fünf Tagen haben die uns verzweifelt angerufen und sie dann wieder abgegeben. Wir wissen nicht, was vorgefallen ist“, erzählt Liersch. Vorher habe es bei „Enya“ keine Probleme mit anderen Hunden gegeben. Jetzt lebt sie alleine in einem eigenen Bereich auf dem Resthof von „StayForever“. Dort spielt sie in einem großen, eingezäunten Außenbereich und kann durch eine Klappe wann immer sie will in eine kleine, geheizte Holzhütte, in der sie auch schläft. Wenn Menschen kommen, springt „Enya“ am Zaun hoch und schnappt sich ihren schwarzen Plastikball, um mit diesem zu spielen.

Die Hündin ist noch nicht alt, aber eben schwer vermittelbar und so zu einem Fall für den Gnadenhof geworden. Dieser finanziert sich durch die Beiträge der knapp 30 Mitglieder, Spenden und Paten. Letztere suchen sich einen Hund aus und geben einen monatlichen Betrag für das Tier.

Isabell Kaczorek (links), „Bella“ genannt, und Eva-Maria Liersch stehen hinter dem Gnadenhof für Hunde „StayForever“. Ebenfalls auf dem Foto: „Burschi“, „Hummel“ und „Indiana“.

Bei „Burschi“ ist das zum Beispiel der Fall. Der kleine Pekinese, der ganz gut mit Kaczorek kann, hat einen Paten. Der ausgesetzte Rüde wurde an der Ahlhorner Straße bei der Autobahn gefunden. „Es gab keine Anfragen für ihn“, berichtet Liersch, dass die Vermittlung fehlschlug. „Pekinesen sind nicht in Mode“, ergänzt Kaczorek. Jetzt lebt „Burschi“ schon eine Weile auf dem Hof.

15 Jahre alter Pudel fast blind und taub

Andere Tiere kommen mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen, zum Beispiel „Indiana“. Der 15 Jahre alte Zwergpudel sieht nur noch Schemen, ist überwiegend taub und war inkontinent. Letzteres hat sich durch die gute Behandlung inzwischen gelegt. Er orientiert sich anhand seiner Nase und läuft ganz normal im Rudel mit. Die Gnadenhof-Hunde bewegen sich in der Regel frei auf dem Gelände oder im Bauernhaus. Nächstes Jahr sollen sie in die benachbarte Scheune umziehen, die ausgebaut wird.

Dackeldame „Hummel“ ist das erste Tier, das Ende 2016 im Gnadenhof aufgenommen wurde. Ihre Besitzerin kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Infolgedessen war der Vierbeiner offenbar traumatisiert, wurde bissig und kam über Umwege nach Dünstrup. Dort hat sie sich gut integriert und schmust gerne mit Kaczorek.

Liersch und Kaczorek als Hundenarren zu bezeichnen wäre wohl eine Untertreibung. „Wir sind schon spleenig“, sagt Letztere. „Durchgeknallt“, ergänzt Liersch. Hunde sind „einfach eine Leidenschaft, die wir leben. Das kann man gar nicht erklären“, findet Kaczorek.

Beide legen Wert darauf, dass sie die Tiere nicht vermitteln. Diese sind in der Regel über Vereine wie die Tierschutzgruppe Wildeshausen auf dem Hof gelandet. Deswegen sind diese auch Ansprechpartner, wenn man sich für einen der Vierbeiner interessiert. Weitere Infos auf der Internetseite des Hofes.

www.stayforever-gnadenhof.de

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