AUS DEM GERICHT Mann tritt Autofenster ein / Paar ist wieder zusammen

Schläge für die Ex-Freundin

Wildeshausen – Während Verteidiger und Staatsanwalt einen 21-jährigen Wildeshauser wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung nur nach Jugendstrafrecht verurteilen und ihm ein Anti-Aggressionstraining auferlegen wollten, gab es von der Amtsrichterin deutlich härtere Signale: Sie verurteilte den Mann nach Erwachsenenstrafrecht zu 40 Tagessätzen und zeigte sich überzeugt: „Die Schläge werden sich wiederholen. Sie haben keine Einsicht an den Tag gelegt.“

Der Mann war angeklagt, am 21. April als damals 20-Jähriger seine Ex-Partnerin nach einem Kneipenbesuch mit Fäusten traktiert zu haben. Als sie sich zum Schutz in ihrem Auto eingeschlossen hatte, habe der Mann mit Fußtritten das vordere Seitenfenster eingeschlagen und das Handy seiner Ex-Freundin beschädigt, damit sie nicht die Polizei rufen konnte. Das gelang jedoch nicht, weshalb es dramatisch klingende Aufzeichnungen der Ordnungshüter gibt. So soll das Opfer laut Notrufprotokoll geschrien haben: „Ich habe Angst, er hat gedroht, dass er mich umbringt!“

Jetzt trafen die Beteiligten im Gericht aufeinander, und es zeigte sich, dass der Angeklagte und das Opfer wieder ein Paar sind. Während der junge Mann keine Angaben zu der Tat machte, wollte die Frau den Strafantrag am liebsten zurückziehen. Das ging jedoch nicht, weil die Staatsanwaltschaft schon vorher ein öffentliches Interesse signalisiert hatte.

Die Zeugin schilderte eher widerwillig, dass sie mit einem Bekannten in einer Kneipe an der Kleinen Straße gewesen war. Dort sei ihr damaliger Ex-Freund aufgetaucht. „Wir haben uns gestritten. Ich habe ihm gesagt, dass er gehen soll“, sagte die Frau. Laut Aussage des Bekannten hatte der junge Mann wegen seines Verhaltens ein Hausverbot erhalten und sei gegangen. Doch als die Frau nach Hause wollte, tauchte der Ex-Partner am Cornauer Tor wieder auf. „Er schlug mir mit der Faust gegen den Kopf und traf mich mit dem Knie an der Hüfte“, erinnerte sich die Frau.

„So etwas macht jemand, der einen liebt?“, fragte die Richterin und erkundigte sich so eingehend nach dem Verhältnis, dass die Zeugin offenbarte, es habe schon vorher Gewalttätigkeiten gegeben. Sie hatte auch mehrere davon zur Strafanzeige gebracht, diese dann aber wieder zurückgezogen. „Warum?“, fragte die Richterin. „Weil ich ihn liebe“, so die Antwort der Frau. Sie habe auch keine Angst, dass es noch einmal Gewalt gegen sie geben würde. „Ich vertraue ihm“, sagte die Zeugin, obwohl sie nach der Tat noch ein Kontaktverbot erwirkt hatte.

Offenbar erfolglos, denn ihr Ex-Freund versuchte immer wieder, sie zu sprechen. Zudem gab es wiederholt bedrohliche Nachrichten, sie müsse zurückkommen. Wenn das nicht passiere, „ficke ich dein Leben“, hieß es beispielsweise.

„Es ist passiert“, so die Frau rückblickend. Sie habe dem Angeklagten verziehen und die Autoscheibe bezahlt. Dass das Paar wieder zusammenkam, sei von ihnen beiden ausgegangen.

Während der Verteidiger von Vorfällen unter noch sehr jungen Menschen sprach, „zu denen es nicht kommen darf“, und ein Anti-Aggressionsseminar empfahl, um „Fehlentwicklungen vorzubeugen“, wurde der Staatsanwalt ein wenig deutlicher: „Ihr Verhalten geht gar nicht“, sagte er zum Angeklagten. „Das ist Gewalt. Sie haben ihre Emotionen nicht unter Kontrolle.“

Die Richterin sah keine Reue beim 21-Jährigen. Sie bescheinigte ihm zudem die Reife eines Erwachsenen und dass er ein Aggressionsproblem habe. „Für mich ist es völlig unverständlich, wie man mit Ihnen wieder in eine Beziehung kommen kann“, sagte sie. Es blieb das Urteil wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie die Auflage, die Kosten des Verfahrens zu übernehmen. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.  dr

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