„Musischer Abend“ soll Berührungsängste abbauen und Kulturen verbinden

„Saz“ erinnert an die Heimat

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Schnell war die Stimmung im Mehrgenerationenhaus auf dem Höhepunkt, und der Tanz konnte beginnen. 

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Musik tut der Seele gut“, sagt Seham Cercur, Sprachmittlerin im Wildeshauser DRK-Mehrgenerationenhaus (MGH). Und Musik kennt keine Grenzen: Sie spricht die Menschen an, egal welcher Herkunft sie sind, welche Kultur sie haben oder in welchem Alter sie sind. Im Rahmen eines „musischen Abends“, jeden Montag ab 18 Uhr im MGH an der Bahnhofstraße 14, möchte eine Gruppe um den aus dem Irak geflüchteten Musiker Smuki Dakhil die Musik als Medium nutzen, um Berührungsängste zwischen den Kulturen abzubauen.

Aber auch, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene „von PC und Handy wegzulocken“, wie Cercur während der Premiere am Montag betonte, während der rund 15 Syrer, Iraker, Türken und Deutsche gemeinsam sangen, musizierten, tanzten und sich austauschten. Dakhil gibt im Rahmen des „musischen Abends“ auch Unterricht im Gitarrenspiel.

Der Abend biete gleichzeitig Gelegenheit für die Flüchtlinge, ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen, ergänzte MGH-Leiterin Sandra Scholz, die sich bereits von der Lebensfreude, die Dakhils Musik ausmacht, verzaubern ließ. Die typisch orientalische Musik sowie das Spiel auf der „Saz“ genannten Gitarre ist für die Flüchtlinge außerdem ein Stück Heimat, das sie auf diese Weise in die Fremde holen können.

„Wir möchten die Menschen hier so auch ein wenig für unsere Kultur begeistern“, erklärte Cercur und warf gleich schon einen Blick in die Zukunft: „Gerne würden wir die Menschen in einem Altenheim oder in einem Kindergarten bei einem Besuch einmal mit unserer Musik erfreuen – und uns und unsere Kultur dabei vorstellen.“

Die Sprachmittlerin, die im Mehrgenerationenhaus Müttern von kleinen Kindern nachmittags die deutsche Sprache näher bringt, freut sich, dass ihre Töchter, die nicht nur in diesem Land geboren wurden, sondern sich auch als Deutsche fühlen, so viel Begeisterung für die heimatliche Musik zeigen. Denn die weckt in Cercur viele Erinnerungen.

„Abends kamen die Menschen zusammen, um gemeinsam Musik zu machen und zu tanzen“, erinnerte sich Cercur. „Das brauchen unsere Kinder auch. Es ist doch nicht gut, wenn sie sich nur noch über WhatsApp kennen“, legt Cercur der jungen Generationen ans Herz.

Mit seiner Musik und seiner „Saz“ zieht Dakhil auf jeden Fall Junge wie Alte gleichermaßen an. Immerhin stammt er aus einer Familie, in der alle professionell gesungen und musiziert haben. Seit er 13 Jahre alt ist ist, spielt Dakhil die „Saz“. „Das meiste hat mir mein Vater beigebracht“, erklärte der 35-Jährige. Und sang dann auf kurdisch ein Lied, in dem sich Melancholie und Lebensfreude vermischten: Das Lied eines Sohnes, der der Mutter sagt: „Weine nicht, wenn ich gehe, ich werde wiederkommen.“ Es dauerte nicht lange, bis alle einstimmten, mitklatschten, schließlich aufstanden, sich an den Händen nahmen und sich im traditionellen Reigen zur Musik drehten. Auch Scholz ließ sich die Schrittfolge zeigen.

Die MGH-Leiterin zeigte sich von der Musik ebenso begeistert wie von dem Engagement, das die Gruppe, zu der jederzeit noch Interessierte hinzustoßen können, an den Tag legte. Es sei Dakhil und Cercur hoch anzurechnen, dass sie diese Gruppe ins Leben gerufen haben. Erschwert werde das Engagement Dakhils im Mehrgenerationenhaus durch die weite Entfernung zu seinem jetzigen Wohnort in Horstedt. „Herr Dakhil sucht dringend eine kleine Wohnung in Wildeshausen“, erklärte Scholz, die hofft, dass sich diesbezüglich in naher Zukunft eine Lösung finden lässt. Dann könnten mit Dakhils Hilfe weitere Gruppen dieser Art im Mehrgenerationenhaus organisiert werden.

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