Einblick in das Leben eines Schweins in der modernen Landwirtschaft 

Routinierte Geburtshilfe hilft Ferkel auf die Welt

Gerade hat Ralf Stöver das Tier aus der Sau gezogen. Es muss bald trinken, damit es Abwehrstoffe aufnimmt. - Fotos: bor

Bühren - Von Ove Bornholt. Unsere Zeitung begleitetet ein Schwein mit mehreren Artikeln über seine Lebensabschnitte auf dem Hof von Ralf Stöver in Bühren (Landgemeinde Wildeshausen). Es geht darum, wie in der modernen Landwirtschaft gearbeitet wird. Der zweite Teil widmet sich der Geburt.

Routiniert steckt Schweinebauer Ralf Stöver seinen Arm am Donnerstag in einen Plastikhandschuh, der ihm fast bis zur Schulter reicht, schmiert noch ein wenig Gleitgel auf die Hand und steckt sie in die Scheide der Sau vor ihm, aus der gerade ein totgeborenes Ferkel gerutscht ist. Anschließend zieht er ein lebendiges Exemplar heraus. Er lässt das blut- und schleimverschmierte Tier kurz liegen – noch wird es durch die Nabelschnur versorgt – und legt es dann zu den Zitzen der Sau.

Zufrieden blickt der 46-Jährige auf die Szene und sagt: „In der Produktion ist die Abferkelstation das Teuerste. Deswegen ist es wichtig, sie gut auszulasten.“ 24 Boxen – je zwölf in jedem Abteil – hat die Abferkelstation, sie ist eine von zwei in dem Betrieb. Stöver umgeben an diesem Tag in einem Abteil rund 160 neugeborene Ferkel.

Der Bührener Landwirt kann verstehen, dass kleine Tiere auf Außenstehende erst einmal niedlich wirken. Aber er übt seinen Beruf nicht zum Spaß aus, obwohl er ihm durchaus Freude bereitet. Für ihn sind die kleinen Ferkel aber vor allem die Belohnung für seine harte Arbeit und die seiner Kollegen in den vergangenen Wochen. „Das kann man mit einer Ernte vergleichen“, meint er nüchtern.

Das kleine Ferkel schlägt sich derweil wacker. Es hat eine der Zitzen – der Landwirt spricht von Strichen – zu fassen und saugt kräftig. Mit der ersten sogenannten Biestmilch nimmt es wichtige Abwehrstoffe auf. Die anderen aus dem Wurf trinken ebenfalls oder haben sich auf den Platten unter der 150-Watt-Infrarot-Lampe neben der Sau zum Schlafen hingelegt. Der Boden ist dort auf 35 Grad geheizt. Damit soll das Auskühlen der 20 bis 25 Zentimeter langen, etwa 1,5 Kilogramm schweren Tiere verhindert werden. Das sei eine große Gefahr, so Stöver.

Bald darauf greift er sich die Ferkel nacheinander, um ihre spitzen Zähne abzuschleifen. Sie quieken und versteifen ihre Körper, aber der erfahrene Bauer packt sie und nach Sekunden ist die Prozedur vorüber. So sollen die Zitzen der Sau geschützt werden, denn die Kleinen haben von Geburt an Zähne und können damit die empfindlichen Nippel verletzen. Man müsse abwägen zwischen den Schmerzen des Ferkels beim Zähneschleifen und den Schmerzen der Sau, sagt Stöver. „Es ist ein Spagat.“

Die drei Wochen auf der Abferkelstation – danach werden die Ferkel von der Mutter getrennt – laufen nach dem Muster „Trinken und Schlafen“ ab. Später spielen die Jungtiere auch, testen ihre Stärke aus.

Nach der Trennung kommen sie acht Wochen auf eine andere Ferkelstation und werden danach 100 Tage gemästet. Dann kommt der Transporter und fährt sie zum Schlachthof. „Ein Schweineleben ist kurz“, sagt Stöver. Aber erst einmal bekommt das Tier, das unsere Zeitung begleitet, kommende Woche seine Ohrmarken.

Hof Stöver 

Auf dem Hof von Ralf Stöver in der Bauerschaft Bühren leben rund 3.000 Schweine – vom gerade erst geborenen Ferkel bis zur Sau, die schon mehrfach Nachwuchs bekommen hat. Der 46-Jährige hat seine Ställe zum Teil für die Initiative „Tierwohl“ umgerüstet, produziert zum Teil aber auch konventionell. Er bewirtschaftet den Hof mit Unterstützung seiner Familie.

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