Schutzquote bei Schulanfängern liegt bei 88 Prozent / Amtsarzt spricht über Gründe

Rote Zahlen bei der Masernimpfung

Zweimal muss gepikst werden, um den Masernimpfschutz wirksam aufzubauen. Foto: Dpa

Wildeshausen – Ziel des im Dezember vom Bundesrat verabschiedeten Masernschutzgesetzes ist es, die Impfquote bundesweit auf 95 Prozent zu bringen. Es soll zum 1. März in Kraft treten. Zahlen des Gesundheitsamts des Landkreises Oldenburg zeigen, wie groß die Lücke zwischen Wunsch und Realität ist: Im vergangenen Jahr waren etwa 88 Prozent der Schulanfänger im Kreis vollständig, also zweifach, geimpft. Dr. Matthias Peiler, der beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamts arbeitet, präsentierte am Dienstag im Kreishaus den Mitgliedern des Sozial- und Gesundheitsausschusses diese Zahlen sowie die Strategien der Verwaltung zur Verbesserung.

Das Problem sei zum einen, dass Masern häufig unterschätzt und als Kinderleiden abgetan würden. Dabei habe sich der Erreger mit der Zeit weiterentwickelt und sei aggressiver geworden, erläutert Peiler. Zum anderen gebe es keine Therapiemöglichkeit: „Wir haben überhaupt keine Mittel, diese Krankheit, wenn sie ausgebrochen ist, aufzuhalten.“ Auch in hoch entwickelten Ländern wie Deutschland sterben den Angaben nach im Durchschnitt eine bis drei von 1 000 infizierten Personen. Besonders gefährlich seien die Masern für Kinder unter fünf Jahren sowie für Erwachsene. Zu den Komplikationen zählten Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündungen.

Das neue Gesetz schreibt vor, dass „alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten“ sowie „Personen, die in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen tätig sind“, einen Impfschutz nachweisen müssen, heißt es auf der Internetseite des Bundesgesundheitsamts. Darunter fallen Erzieherinnen, Lehrer und medizinisches Personal, aber auch Schulhausmeister oder Lesepaten. Bis zum 31. Juli 2021 gilt eine Übergangspflicht. Wer bis dahin keinen Nachweis erbringt, müsse mit einem Bußgeld sowie als Kind mit einem Aufnahme- oder als Betreuungsperson mit einem Tätigkeitsverbot rechnen.

Die Überprüfung des Impfschutzes solle die jeweilige Einrichtungsleitung übernehmen. Das sei wichtig, weil nur sie den Überblick über „Quereinsteiger“ hätten – also zum Beispiel Kinder, die nach einem Umzug oder einer Flucht neu hinzugekommen sind. Mithilfe eines Formulars könne dann der Status an den Landkreis gemeldet werden.

Frappierend sind die aufgeschlüsselten Zahlen zum Impfstand, die Peiler präsentierte. Denn die Quoten in den Kommunen unterscheiden sich teils erheblich: In der Gemeinde Großenkneten haben nur 80 Prozent der Schulanfänger einen vollständigen Impfschutz, zehn Prozent der Kinder sind gar nicht geschützt. Auch in Dötlingen sieht es schlecht aus: Nur knapp über 80 Prozent der Erstklässler sind gegen die Masern gewappnet. Der Anteil derjenigen, die keinerlei Schutz haben, liegt bei gut fünf Prozent. Die Erklärungen dafür seien verschieden, erklärt Peiler: Während in Großenkneten der hohe Anteil von geflüchteten Familien der Grund für die niedrige Quote sei, sei in Dötlingen die schlechte kinderärztliche Versorgung das Problem. Ein Migrationshintergrund oder ein geringer Bildungsstatus seien zudem messbare Faktoren für die Frage, ob ein Kind geimpft werde. Gut sieht es übrigens in Ganderkesee aus, wo 95 Prozent der Schulanfänger geschützt sind.

Laut dem Amtsarzt sind die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder die beste Gelegenheit, um Eltern über die Impfung zu informieren. Es habe jedoch offenbar nicht ausgereicht, auf Überzeugungskraft zu setzen – deshalb gebe es nun das Masernschutzgesetz. Zudem sei es schwierig, Menschen zu erreichen, die mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht vertraut seien: Sprachliche Barrieren, Schwierigkeiten, einen Termin zu erhalten, oder die Anfahrt stünden ihnen häufig im Weg. Der Kinder- und Jugendärztliche Dienst versuche, bei jedem Patientenkontakt zu informieren. Prinzipiell kann die Impfung von jedem Arzt vorgenommen werden.

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