Derzeit kein barrierefreier Zugang zum Saal möglich

Rollstühle im Rathaus: Kein Weg führt nach oben

Drei Mitglieder der Selbsthilfegruppe trafen sich gestern mit Betreuern bei Erika Rüdebusch (l.) in Aldrup. - Foto: Rohdenburg

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Erika Rüdebusch aus Aldrup ist geschichtlich interessiert und möchte gerne Vorträge des Bürger- und Geschichtsvereins im historischen Rathaus von Wildeshausen besuchen. Doch es gibt keinen Zugang für Rollstuhlfahrer zum Saal. Sie müsste getragen werden. Auch Ratssitzungen kann sie nicht besuchen. Das Problem ist nicht neu, aber nun soll eine Lösung gefunden werden.

„Die Stadt Wildeshausen ist sehr bemüht“, sagt die Behindertenbeauftragte des Landkreises Oldenburg, Rita Rockel. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Assistenzbedarf am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dazu gehört natürlich auch der Besuch von Ratssitzungen, da diese für alle öffentlich gemacht werden müssen.

Ina Rüdebusch, die Tochter von Erika Rüdebusch, die nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt, hatte sich bereits im Februar mit einem Brief an Bürgermeister Jens Kuraschinski gewandt. Nachdem keine Antwort kam, verfasste sie erneut die Bitte, einen behindertengerechten Zugang zu schaffen. „Vor kurzem hatte ich wieder das Problem. Mir ist in Aussicht gestellt worden, dass Träger helfen, den Rollstuhl mit meiner Mutter nach oben zu tragen, nur leider sollte ich selbst eine der Trägerinnen sein.“

„Wir klären derzeit alle Möglichkeiten“, betonte Stadt-Pressesprecher Hans Ufferfilge auf Anfrage unserer Zeitung. Schließlich wolle man das Rathaus als „Perle der Stadt“ in der Nutzung haben. Derzeit gebe es Pläne, einen Zugang zum Saal zu schaffen, bei dem man keine baulichen Veränderungen vornehmen müsse. Aber noch sei nicht geklärt, ob das System funktioniere.

Da das Rathaus unter Denkmalschutz steht, sind die Möglichkeiten von Umbauten sehr eingeschränkt. Doch Stefan Effenberger, Denkmalschützer des Landkreises, ist gesprächsbereit. „Wir müssen schauen, wie wir damit umgehen“, sagt er und glaubt, dass auch Kompromisse gemacht werden könnten. „Wir haben einen kurzen Draht zur Stadt“, betont er. Und gerade zu diesem Thema sei man im Gespräch. So wäre es auch nicht völlig ausgeschlossen, einen Fahrstuhl zu installieren, wenn die Räume es zulassen. Ein Treppen-Lift hingegen wäre wohl eher problematisch, so seine Einschätzung.

Schon bald wird es eine Begehung des historischen Rathauses mit der Oberen Denkmalschutzbehörde geben. Dort sollen Möglichkeiten geprüft werden, Barrieren abzubauen. Thema ist dann auch die Sanierung der Fassade. Derzeit sind Teile der Mauer frisch mit Muschelkalk gefugt, andere Teile, die noch in Ordnung waren, wurden so belassen wie früher. Einige Bürger haben sich wegen dieser Optik schon verwundert gezeigt. Und auch Effenberger sagt, dass es möglicherweise noch Veränderungen geben könnte. Allerdings geht er davon aus, dass die neuen Fugen mit den Jahren nachdunkeln.

Selbsthilfe: Seit einem Vierteljahr treffen sich Schlaganfall-Patienten aus der Region jeden zweiten Donnerstag um 14.30 Uhr in lockerer Atmosphäre im Mehrgenerationenhaus in Wildeshausen. Unter der Leitung von Ilona Henze tauschen sich die Mitglieder über ihre Erfahrungen aus und setzen sich für ihre Belange – beispielsweise Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden – ein. Henze ist unter Tel. 04431/9481789 mittwochs von 15 bis 17 Uhr zu erreichen. Kontakt ist auch per E-Mail an ilonahenze@web.de möglich.

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