„Römers Papiertheater“ lässt japanischen Meistermaler und seine Bilder lebendig werden

Eine Bootsfahrt durch die „große Welle“

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Motoko und Horst Römer spielten ihr Papiertheater-Stück „Das Hokusai Museum“ in der „Internationalen Galerie Wildeshausen“.

Wildeshausen - „Fast wäre mir schon ein bisschen langweilig geworden!“ Yukis kleiner Bruder Taro ist ein vorwitziges kleines Kerlchen. Wenn nachts im Museum die Bilder lebendig werden, gemalte Dämonenköpfe die Kinder durch die Gänge verfolgen, der japanische Meistermaler Hokusai zu einer Bootsfahrt durch seine Bilder einlädt und sie schließlich nach einer zauberhaften Mitternachtsstunde auf einem gemalten Samurai-Pferd nach Hause reiten, erst dann ist Taro ganz in seinem Element.

Der Junge, seine Schwester und die unwirklichen Dinge, die die beiden erleben, entspringen der Fantasie des Wildeshausers Horst Römer. Die Geschichte „Das Hokusai Museum“ nahm er nicht nur gemeinsam mit seiner Familie als Hörspiel auf CD auf, sondern machte daraus auch ein Papiertheater-Stück, das er gemeinsam mit seiner Frau Motoko am Dienstagabend in der „Internationalen Galerie Wildeshausen“ von Hartmut Berlinicke aufführte. Wiederholungen sind heute und morgen ab 20 Uhr in der Galerie zu sehen.

Es ist bereits die 18. Wildeshauser Papiertheater-Woche, bei der die Römers ihr außergewöhnliches Hobby präsentieren. Jedes Jahr zeigen sie dem verblüfften Publikum eine andere Show zu einer märchenhaften Geschichte mit noch märchenhafteren, handgemalten Kulissen. Auch auf Papiertheater-Festivals in ganz Deutschland treten die Römers auf.

Für das neue Stück, das in zweijähriger Arbeit entstanden ist, diente der japanische Maler Katsushika Hokusai, der von 1760 bis 1849 gelebt hat, als Inspiration. „Als wir eine Retrospektive des Künstlers in Berlin sahen, war die Idee geboren“, erzählte Horst Römer. „Seine unglaublichen Kunstwerke musste ich einfach auf unsere Papiertheaterbühne bringen.“ Und so wählte er einige der faszinierendsten Stücke aus Hokusais riesigem Lebenswerk – und spann eine Geschichte darum. Diese spielt aber in der heutigen Zeit – ein Rahmen à la „Nachts im Museum“, grob angelehnt an den amerikanischen Film, macht es möglich. Und so kommen Yuki und Taro ins Spiel. Römers erwachsene Töchter Bärbel und Maria verleihen ihnen ihre Stimmen.

Hokusai ist Yukis und Taros großes Vorbild. Der Künstler beherrschte alle Formen und Techniken des Holzschnitts und der Malerei. Seine Motive reichten von der Darstellung schöner Frauen bis hin zu den Samurai. Letztere interessieren Taro besonders. Hokusais berühmteste Bilder stellen allerdings die Natur und Landschaften dar. Ein Werk aus dem Zyklus „36 Ansichten des Berges Fuji“ ist „Die große Welle vor Kanagawa“ – das wohl weltweit bekannteste japanische Kunstwerk. Hokusai machte außerdem den Begriff „Manga“ populär, der in etwa „zwangloses, ungezügeltes Bild“ bedeutet und der heute noch für japanische Comics verwendet wird.

Yuki und Taro sitzen also während einer Museumsnacht vor Hokusais Bildern und üben sich im Malen. Dabei verpassen sie das offizielle Ende der Museumsnacht und werden aus Versehen eingeschlossen. Es ist Vollmond – und die Bilder sowie der Meistermaler erwachen für eine Stunde zum Leben und bieten eine ganz besondere Museumstour. Für Taro kann diese gar nicht aufregend genug sein. Ausnahmsweise kommt bei ihm keine Langeweile auf. Beim Publikum sowieso nicht.

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