Riesiger Bedarf an günstigen Einheiten im Landkreis Oldenburg/Senioren, Behinderte und junge Menschen suchen

„Wir müssen immens in den Wohnungsbau einsteigen“

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Matthias Günther stellte aktuelle Bevölkerungszahlen vor.

Wildeshausen - In Deutschland fehlen derzeit etwa 800000 bis eine Million Wohnungen, ohne dass die Flüchtingsströme schon eingerechnet wurden. Die Zahl der benötigten Wohneinheiten im Landkreis Oldenburg und den einzelnen Kommunen lässt sich kaum exakt beziffern. Doch allein für Menschen über 80 Jahre werden im Landkreis bis 2050 voraussichtlich 19 000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Dazu kommen immer mehr Singles und eben die geflüchteten Menschen, die hier bleiben wollen.

Diese Prognose von Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, stimmte am Montagabend viele Besucher des Wohnforums der Oldenburger Baugesellschaft GSG im Saal der Musikschule in Wildeshausen sehr nachdenklich (wir berichteten). Unter den Gästen waren viele Ratsmitglieder aus der Samtgemeinde Harpstedt, der Stadt Wildeshausen und der Gemeinde Dötlingen. Dazu kamen Landtags und Kreistagsabgeordnete, die sehr wohl wissen, dass schon bald mehr günstiger und kleinteiliger Wohnraum im Kreis benötigt wird.

Günther sprach von einem „starken Zuzugsdruck“ und steigender Nachfrage nach Kleinstwohnungen. Allerdings könnten die Kommunen nicht langfristig planen. „Es ist besser, auf Sicht zu fahren“, empfahl der Experte. „Ich kann Ihnen den großen Wurf bei der Stadtentwicklung nicht empfehlen.“

Eine kostengünstige Lösung für die kommenden Jahre ist der geförderte Geschosswohnungsbau. In Wildeshausen sind bislang drei Gebiete dafür im Gespräch. Auf einer Fläche des Landkreises neben dem Kreisaltenheim an der Goldenstedter Straße möchte die GSG günstige Wohnungen errichten. „Wir bauen aber nicht wie gleich nach dem Krieg“, erklärte GSG-Geschäftsführer Stefan Könner. Geförderter Wohnungsbau sei ansprechend und solide. Eine Förderung gebe es allerdings im ländlichen Bereich erst seit Ende des vergangenen Jahres. „Deshalb sind wir erst jetzt in der Lage, Konzepte zu erstellen“, so Könner. Die Einheiten sähen dann aber nicht aus wie in Osterholz-Tenever. In Harpstedt plane man beispielsweise eine Sechs-Familien-Einheit.

„Wir müssen immens in den Wohnungsbau einsteigen“, erklärte Landrat Carsten Harings. „Wir können das Problem nur gemeinsam angehen.“ Ziel sei es auch, junge Menschen zu halten oder nach dem Studium zurückzulocken.

Das bestätigte auch Christian Pundt, Bürgermeister in Hatten. „Bei uns ist in den vergangenen Jahren in dieser Richtung nicht viel passiert. Nun benötigen wir viele Wohnungen“, betonte er und verwies darauf, dass die Gemeinde zusammen mit der GSG Lösungen entwickle. Dabei, so forderte Eduard Hüsers, Kreistagsabgeordneter der Grünen aus Huntlosen, müsse man daran denken, nicht nur neue Häuser zu bauen. Auch im Bestand könne reichlich Wohnraum geschaffen werden.

Auf eine weitere Personengruppe verwies eine Besucherin im Rahmen der Diskussion. Immer mehr behinderte Menschen der Diakonie Himmelsthür suchten nach dezentralen Wohnformen. „Sie wollen raus aus den alten Tuberkulosehallen“, sagte sie. Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski bestätigte das: „Jährlich müssten wir bis zu zehn Wohnungen für Behinderte ausweisen.“

Für Könner ein aktuelles Thema. Allerdings müsse Wohnbau für Behinderte ganz genau auf die jeweiligen Personen zugeschnitten werden. „Wir haben aber schon viel umgebaut. Barrierefreie Wohnungen wirken sich stabilisierend auf die Mietstruktur aus.“

dr

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