Aus dem Gericht: 58-Jähriger flüchtet vor der Polizei

Richterin schickt Bettwäschen-Dieb hinter Gitter

+
Um den Diebstahl von Bettwäsche ging es vor dem Amtsgericht in Wildeshausen.

Bereits zum zweiten Mal musste ein 58-Jähriger am Montag aus der Justizvollzugsanstalt in Oldenburg vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Wildeshausen in Handschellen vorgeführt werden. Im Rahmen des Prozesses sollte geklärt werden, ob der Mann bereits am 26. September 2016 in der Kreisstadt gewesen war und versucht hatte, Bettdecken zu stehlen.

Wildeshausen – Der Mann war wegen Fluchtgefahr in Haft genommen worden, er schwieg die gesamte Verhandlung. Dennoch waren sich Richterin und Staatsanwältin am Ende sicher, dass er wegen Einbruchdiebstahls und der „Verschaffung von gefälschten amtlichen Ausweisen“ zu verurteilen war. Während die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten beantragte, legte die Richterin noch einen Monat drauf. Der Antrag der Verteidigung auf Freispruch lief somit ins Leere.

Ein Zeuge hatte damals um 1.30 Uhr bei der Polizei gemeldet, dass ein Unbekannter mit einem Transporter am rückwärtigen Teil des Marktes „Matratzen Concord“ an der Visbeker Straße vorgefahren war. Der Mann habe sich auffällig benommen und sei dann geflüchtet, als er ihn bemerkt habe.

Einer der eingesetzten Beamten schilderte am zweiten Prozesstag, dass er und sein Kollege mit dem Streifenwagen in Richtung Matratzenlager unterwegs gewesen waren, als sie einen schwarzen VW-Transporter mit dem entsprechenden Kennzeichen an der Ladestraße entdeckt hätten. „Wir haben uns dem Fahrzeug zu Fuß genähert“, so der Polizist. In dem Moment, als er das Gesicht eines Mannes hinter dem Lenkrad mit der Taschenlampe angeleuchtet habe, habe dieser den Transporter zurückgesetzt und sei „fluchtartig“ weggefahren. Wenig später habe man das Fahrzeug beim Matratzengeschäft entdeckt. Der Fahrer sei jedoch nicht auffindbar gewesen. „Es befand sich hochwertige Bettwäsche im Transporter, die Tür des Lagers war aufgebrochen“, so der Polizist. Auf dem Beifahrersitz habe man zwei Handys und eine Börse mit polnischen Ausweispapieren gefunden. „Das Foto auf dem Ausweis zeigte den Mann, den ich im Transporter gesehen habe“, war sich der Polizist sicher.

Schon am ersten Verhandlungstag hatte ein Polizist berichtet, dass auf den Handys Fotos sichergestellt wurden, die den Angeklagten mit seiner Familie zeigen. Außerdem wurde festgestellt, dass von einem der Telefone in der Nacht des Einbruchs mehrere kurze Anrufe beim Halter des Bullis erfolgten. Der hatte vor Gericht angegeben, dem Angeklagten den Wagen geliehen zu haben. Dieser sei mit seiner Frau verwandt.

Nachdem ein Sachverständiger der Polizei ausgesagt hatte, dass die Identitätskarte aus dem Transporter mit einem zweiten Foto – und zwar dem des Angeklagten – überdruckt worden und der Führerschein eine komplette Fälschung sei, ging es für das Gericht daran, die Einträge ins Bundeszentralregister zu erörtern. Dort standen acht Urteile – unter anderem wegen Diebstahls, zum Teil mit Waffen, Hehlerei, Verschaffens von gefälschten Ausweisen sowie ein Haftbefehl aus Hamburg wegen eines Einbruchs in ein Second-Hand-Bekleidungsgeschäft, bei dem der Angeklagte Beute im Wert von 69 277 Euro gemacht haben soll. Das Urteil vor dem Landgericht lautete 21 Monate Haft. Es ist aber noch nicht rechtskräftig.

Angesichts dieses drastischen und noch nicht abgeurteilten Vorwurfs wollte der Verteidiger zunächst eine Einstellung des Verfahrens in Wildeshausen erreichen und plädierte dann auf Freispruch, weil nicht klar erwiesen sei, dass sein Mandant die Tat verübt hatte. Damit drang er jedoch nicht durch.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Stuttgart patzt gegen Kiel - Bochum verspielt Sieg

Stuttgart patzt gegen Kiel - Bochum verspielt Sieg

Kunsthandwerker-Markt im Müllerhaus Brunsbrock

Kunsthandwerker-Markt im Müllerhaus Brunsbrock

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Fronten im Katalonien-Konflikt verhärten sich

Malteser Hospizgruppe feiert 25-jährigen Bestehen

Malteser Hospizgruppe feiert 25-jährigen Bestehen

Meistgelesene Artikel

Vegane Pinkel: Sattmacherin ohne Fleisch und aus der Region

Vegane Pinkel: Sattmacherin ohne Fleisch und aus der Region

Heftiges Gewitter in der Region

Heftiges Gewitter in der Region

Sprinter kracht ins Heck eines Seats

Sprinter kracht ins Heck eines Seats

Mit der „Fleischtheke am Markt“ wagt Yasmin Noll den Sprung in die Selbstständigkeit

Mit der „Fleischtheke am Markt“ wagt Yasmin Noll den Sprung in die Selbstständigkeit

Kommentare