„Respekt ist karriereentscheidend“

Entlassung der Realschüler mit klugen Worten von Rektor und Bürgermeister

Einmarsch der Absolventen: 137 Zehntklässler feierten ihren Abschluss an der Wildeshauser Realschule. Fotos: Rohdenburg

Wildeshausen – Ein Anlass zum Feiern – und zum Nachdenken. Am Freitag verabschiedete die Realschule Wildeshausen 137 Zehntklässler. 68 von ihnen erreichten sogar den erweiterten Sek-I-Abschluss, sodass sie – wenn sie es denn wollen – in die gymnasiale Oberstufe wechseln können. Gleichzeitig gaben die Festredner, allen voran Schulleiter Jan Pössel und Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski, den jungen Menschen hilfreiche Tipps mit auf den Weg in die schulische oder berufliche Zukunft.

„Ihr braucht nicht immer das Abitur“

„Ihr habt jetzt etwas in der Hand, das zählt“, so Kuraschinski der auch im Namen seines Dötlinger Amtskollegen Ralf Spille sprach. „Ihr braucht nicht immer das Abitur oder ein Studium, um in Führungspositionen zu kommen.“

Kuraschinski hatte vor 30 Jahren an der gleichen Stelle als Abschlussschüler gestanden. Und er hatte sogar noch das T-Shirt des Abschlussjahrganges in XXL dabei. Sehr zur Freude der Schüler streifte er es über und drehte ihnen den Rücken zu, auf dem nur notdürftig abgeklebt ein Stinkefinger zu sehen war.

Vor 30 Jahren trug Bürgermeister Jens Kuraschinski dieses T-Shirt bei der Abschlussfeier. Auch Pastor Lars Löwensen (r.) amüsierte sich darüber, dass das Kleidungsstück noch vorhanden war.

„Die Anonymität macht uns zu wilden Tieren“

Eigentlich war das eine perfekte Überleitung zur Rede von Pössel. Der verzichtete nämlich darauf, über 70 Jahre Grundgesetz, „Fridays for Future“ oder den Brexit zu sprechen, sondern wandte sich einem anderen Thema zu: der Respektlosigkeit im Alltag, die durch die Anonymität des Internets und die Möglichkeit, dort sofort Kommentare abgegeben zu können, immer mehr verstärkt werde. „Die Anonymität macht uns zu wilden Tieren. Gehen Sie mal in die Internetforen, selbst die seriösen. Und dann schauen Sie mal, was mancher so schreibt. Inhaltlich zum Teil noch nachzuvollziehen, ganz selten respektvoll im Ton. Anonymität macht uns respektlos, noch mehr als Geschwindigkeit. Außerdem leben wir in einer Kultur des gesenkten Hauptes: Wir schauen ständig auf unser Smartphone, allein das macht uns respektlos.“

„Wer respektvoll ist, bekommt auch Respekt“

Pössel verdeutlichte, dass Respekt nichts anderes heißt als „den anderen sehen“. „Das fällt uns immer schwerer“, sagte er und ermahnte die Schüler: „Ab einem bestimmten Punkt im Beruf ist Respekt absolut notwendig und karriereentscheidend.“ Wer respektvoll sei, der bekomme auch Respekt, zeigte sich der Schulleiter überzeugt. Und er regte an, seinem Gegenüber einen Vertrauensvorschuss zu geben. „Geht der Kommunikation auf den Grund, geht euren Gedanken, Gefühlen, Worten auf den Grund und prüft sie“, schlug er vor. „Man kann immer irgendwie besser werden in Gesprächen und Dialogen.“

Ehrungen für die besten Schüler

Das Programm mit Beiträgen der Schulelternratsvorsitzenden Maren Becker-Jäschke sowie der Schülersprecherin Antonia Klein wurde abgerundet durch Musikbeiträge der Gruppen „Die Lachsnacken“ und „Dtrmnd“. Am Ende gab es die Zeugnisse und Ehrungen für die Schüler mit dem besten Notendurchschnitt: Lara Haake (1,36), Tammo Wiesner (1,50) sowie Jan Niklas Bruning (1,71). Für besonderes Engagement ausgezeichnet wurden Ole Schütte, Lachezar Mihaylov, Nils Schachtschneider und Timo Brandt.  

dr

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