Rektor: Reibungsloser Umgang/Lehrer und Schüler gestalten Freizeitangebote

Flüchtlinge drücken Schulbank am Gymnasium

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Französischlehrer Dr. Walter Bialek bringt Flüchtlingen die deutsche Sprache bei.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Stimme von Dr. Walter Bialek dringt am Donnerstag durch die geschlossene Tür des Unterrichtsraums bis auf den Flur. Der Französischlehrer übt im Musiktrakt des Gymnasiums Wildeshausen mit Flüchtlingen Sätze auf Deutsch. Sein Engagement ist nur ein Teil dessen, was Lehrer und Schüler für die „Gäste“ (O-Ton Schulleiter Ralf Schirakowski) auf die Beine gestellt haben.

Der Umgang klappe reibungslos, so Schirakowski. Ganz zu seiner Zufriedenheit bewegt sich ein Kind dann aber doch nicht durch den Musiktrakt – es fährt mit Inlineskates. Prompt fängt sich der etwa elf Jahre alte Junge eine Verwarnung des Rektors ein, doch bitte draußen zu fahren. „Die Schulordnung gilt“, mahnt Schirakowski.

Dann geht es in den Raum, aus dem Bialeks Stimme klingt. „Du liest vor, du gibst die Antwort“, spricht er die Flüchtlinge direkt an. Diese lesen konzentriert von einem Blatt Papier kurze Dialoge ab. Der Pädagoge mahnt, verbessert und kommt dabei doch nicht oberlehrerhaft rüber. „Lauter, lauter!“, motiviert er einen Mann, der erst kaum zu hören ist. Aber ermuntert durch Bialek, hebt er seine Stimme und liest vor. Hier tuschelt keiner mit dem Nachbarn. Die Flüchtlinge verfolgen sehr aufmerksam, was Bialek sagt.

Rund ein Dutzend anderer Pädagogen und viele Schüler gestalten seit Anfang November Angebote wie „Gymnastik für Mädchen und Frauen“, „Internetcafé“ und „Fußball“ für Flüchtlinge aller Altersklassen und beider Geschlechter.

Nachmittags holen die Lehrer die Asylbewerber in einem Zelt der Malteser neben dem Musiktrakt ab, und dann starten spontan und kreativ Aktionen. „Einige warten immer schon, dass wir kommen“, berichtet Schirakowski.

Während die Flüchtlinge Deutsch lernen, bringen Menschen Geschenke ins Gymnasium. Mehr als 200 Pakete lagern dort bereits. 430 sollen es werden, sodass jeder Asylbewerber ein Päckchen bekommt. Der Wert ist auf zehn Euro festgesetzt. Spender sind Eltern, Lehrer und Schüler. Die Malteser wollen die schön eingepackten Spielsachen und Alltagsgegenstände zu Weihnachten übergeben. Die Aktion läuft unter dem Motto „Eine kleine Kiste voller Freude“. Damit soll auch ein Signal gesendet werden, dass die Flüchtlinge willkommen sind.

So angenehm sich der Umgang mit den Gästen von nebenan auch gestaltet, ganz glücklich ist das Gymnasium nachvollziehbarer Weise nicht damit, dass die Turnhalle nicht für den Schulsport zur Verfügung steht. Doch es gibt Alternativangebote. Beispielsweise spielten am Donnerstag einige Schüler Tischtennis in der Pausenhalle. Dort turnen auch hin und wieder junge Kinder, während andere die gute Witterung und die zweistelligen Temperaturen ausnutzen, um draußen Sport zu machen. Zum Beispiel Fußball zu spielen. „Dann ist ordentlich was los“, meint Schirakowski. Die Flüchtlinge würden nicht nur am Zaun stehen und schauen, sondern mitspielen. „Wir leisten unseren Beitrag“, meint der Schulleiter angesichts des Verzichts auf die Turnhalle.

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