Prozess: Leitplanke touchiert

Mit dem Reisebus knapp an Unglück vorbeigeschrammt

Im Baustellenbereich der A 1 wurde vergangenes die Fahrbahn verschwenkt, sodass die Spuren deutlich enger wurden. - Foto: dr
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Im Baustellenbereich der A 1 wurde vergangenes die Fahrbahn verschwenkt, sodass die Spuren deutlich enger wurden.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. 50 Schüler und ihre Lehrer aus Hamburg sind am 3. Juli vergangenen Jahres nur um Haaresbreite einem schweren Busunglück auf der A 1 entgangen, das Wildeshausen in die nationalen Nachrichten gebracht hätte.

Ein Berufskraftfahrer, der um 6.30 Uhr offenbar in einen Sekundenschlaf gefallen war und mit seinem Fahrzeug die Leitplanke touchiert hatte, stand am Dienstag vor dem Amtsgericht. Angeklagt war der Busfahrer zwei Tage vor seinem 27. Geburtstag wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung. Da der Mann aber nicht nachweisbar fahrlässig gehandelt hatte und bisher unbescholten ist, wurde das Verfahren gegen die Zahlung von 1.000 Euro an die Verkehrswacht vorläufig eingestellt. 

„Gott sei Dank ist nichts Schlimmes passiert“, so die Richterin, die den Busfahrer zu noch größerer Aufmerksamkeit ermahnte. Die Staatsanwältin stimmte der Einstellung nur unter „größten Bedenken“ zu. „Das darf einfach nicht passieren“, betonte sie.

Bus driftete rechts weg

Die Schulklasse war an einem Sonntag gegen 5.30 Uhr in Hamburg gestartet und befand sich um 6.30 Uhr auf der A 1 im Baustellenbereich zwischen Groß Ippener und Wildeshausen, als der Bus nach Aussagen der Lehrkräfte nach rechts wegdriftete und es dann einen Schlag gegen die Außenseite gab. „Ich dachte, wir machen nur einen Spurwechsel“, schilderte ein Lehrer die banken Sekunden vor der Kollision. 

„Es hat gerumpelt, dann hat die Kollegin aufgeschrien. Ich bin aufgesprungen und habe den Busfahrer angeschrien: Ey pennst du, oder was?“ Der Fahrer habe kurz benommen gewirkt, dann aber den Bus wieder unter Kontrolle bekommen. Man habe zunächst eine Haltebucht angesteuert, um den Schaden zu begutachten, dann sei man zu einer Rastanlage gefahren, wo auch die aufgeschreckten Schüler den Bus verlassen konnten.

Vertrauen in den Fahrer verloren

„Wir hatten kein Vertrauen mehr in den Fahrer“, schilderte der Lehrer die Situation. Deshalb hätten sich die Kollegen untereinander verständigt und die Polizei gerufen. Zudem wurde ein Fahrerwechsel vereinbart, der eigentlich erst im Münsterland geplant war.

Der Aktenlage nach war der Busfahrer nicht ungewöhnlich lange im Einsatz gewesen. Er schilderte, dass er zwei Tage frei gehabt hatte und sogar vor Beginn der Fahrt noch eine Ruhezeit hatte. „Wie es passieren konnte, weiß ich nicht“, sagte er. „Die Stimmung war gut, alles war super.“

Der Verteidiger sprach von „kurzfristiger Unaufmerksamkeit“. Der Busfahrer sei aber nicht durch ein Handy oder ähnliches abgelenkt gewesen. Der Arbeitgeber sei zudem human und achte auf die Einsatzzeiten seiner Angestellten.

Anzeichen auf Übermüdung?

Ob es Anzeichen für Übermüdung gegeben habe, wollte die Richterin sowohl vom Busfahrer als auch von den Lehrern wissen. Der Fahrer fühlte sich nach eigenen Aussagen ausgeruht. Ein Lehrer hatte zweimal Streckbewegungen mit dem Arm wahrgenommen, die auf Müdigkeit hindeuteten. Eine Lehrern hatte den Verdacht, dass der Kopf des Fahrers unnormal zur Seite gefallen war.

Für die Richterin waren aber nur die Streckbewegungen ein Hinweis auf eventuelle Müdigkeit. „Ich denke, Sie sind eingeschlafen“, sagte sie zum Angeklagten. Es sei aber klar, dass Sekundenschlaf grundsätzlich jedem passieren könnte. Eine Verurteilung sei in diesem Fall nicht angemessen. Auch ein Fahrverbot schied für sie aus, obwohl die Staatsanwaltschaft das zur Diskussion gestellt hatte.

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