„Reger Kulturaustausch“ in der Nachbarschaft

An der Heilstättenstraße leben und feiern Syrer und Deutsche gemeinsam

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Die Famile Al Omar und viele Nachbarn an der Heilstättenstraße verstehen sich und helfen einander.

Wildeshausen - Die Wellen der Empörung schlugen vor rund zwei Jahren hoch, als Anwohner der Heilstättenstraße in Wildeshausen befürchteten, dass in einem Haus der Diakonie junge unbegleitete Flüchtlinge einquartiert werden. Nun wohnen dort zwei syrische Familien – wie von den Anwohnern gewünscht – und zwischen den Anwohnern gibt es einen „regen Kulturaustausch“, wie es Frank Wenzel formuliert.

Die Bürger in der Nähe des Hauses hatten vorher mit der Stadtverwaltung unangenehme Erfahrungen gemacht. Es gab zunächst Ärger wegen des teuren Ausbaus der Straße, und dann bekamen sie Wind vom zunächst nicht öffentlichen Plan, das Haus als Flüchtlingsdomizil zu nutzen.

Das ist lange Vergangenheit, und die Stimmung ist nun rundum positiv. Davon konnte sich jetzt Kristiane Helter von der Wildeshauser Willkommens-Initiative überzeugen, die die Info-Reihe „Auf gute Nachbarschaft“ angeschoben hat. Ziel ist es, über positive Integration zu berichten, ohne aber Probleme unter den Teppich kehren zu wollen.

Im Kontakt zwischen der Familie Al Omar und den Nachbarn gibt es allerdings nur positve Erfahrungen. Mohamad (51) und sein Sohn Ahmed (21) kamen vor rund zwei Jahren nach Wildeshausen. Am 20. Februar 2017 konnte die Familie mit Aziza (45), Aboalhassan Ali (17), Maha (15), Abo Altayeb Yahya (9) sowie Aliza (7) aus der Türkei nachreisen. Als Frau und Kinder in Bremen ankamen, gab es ein emotionales Wiedersehen, das die Nachbarn, die dabei waren, noch immer bewegt.

Das Logo der Nachbarschaftsaktion in Wildeshausen.

Die Kontaktaufnahme zwischen den beiden syrischen Männern und den Nachbarn begann schon im Winter 2015. Pia Liebig: „Wir sind einfach mal mit Keksen rübergegangen und haben geklingelt. Wir sind dann förmlich reingelutscht worden.“ „Ja, und Silvester saßen wir dann alle bei uns zusammen“, führt Michael Jürgens die Geschichte weiter.

Mittlerweile herrscht an der Heilstättenstraße ein Geben und Nehmen. Lehrerin Ingrid Lutze bringt Aziza die deutsche Sprache bei. Ahmed lernte bei Wenzels schwimmen. Im Gegenzug bringt er regelmäßig Essen nach nebenan oder bietet an, den Rasen zu mähen. „Mohamad kann hervorragend mauern“, heißt es anerkennend. Annegret Wenzel versuchte, Behördenschreiben zu verstehen, um sie zusammen mit Familie Al Omar zu beantworten.

„Mein Herz hängt an meiner Heimat“

„Jeder tut, was er kann“, sagen die Nachbarn und freuen sich darüber, dass Ahmed mittlerweile eine Ausbildungsstelle als Haustechniker gefunden hat und man sich auf deutsch unterhalten kann. „Ich möchte hier viel lernen“, sagt Mohamad. „Die Sprache und die Kultur.“ Denn beides sei der Schlüssel zum gesellschaftlichen Leben in Deutschland.

Die Familie aus Aleppo hat ein dreijähriges Aufenthaltsrecht. Wenn es in Syrien irgendwann keinen Bürgerkrieg mehr gibt, möchte Mohamad zurückkehren. „Mein Herz hängt an meiner Heimat“, sagt er. Doch bis dahin möchte er sich hier in Wildeshausen voll integrieren und nach Möglichkeit arbeiten. Bislang geht das für den ausgebildeten Lehrer nur als Sprachmittler – bis sein Deutsch noch besser geworden ist. - dr

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